Zwölftes Studioalbum

Sie ist das «Showgirl»: Taylor Swift feiert ihr Happy End

03. Oktober 2025, 10:03 Uhr · Quelle: dpa
Taylor Swift präsentiert mit "The Life of a Showgirl" ein brillantes Album nach der Eras Tour. Es verbindet Hommagen an Pop-Legenden mit ihrer eigenen Lebensgeschichte.

Berlin (dpa) - Wie schreibt man seine Pop-Karriere nach einem Welterfolg wie der «Eras Tour» fort - einer zwei Jahre dauernden Tour, die alle Höhepunkte aus knapp 20 Jahren Karriere gezeigt hat? Taylor Swift sucht sich das Beste dieser früheren «Eras» heraus, spickt es mit Hommagen an andere große Namen und beginnt eine ganz neue Ära. Auf ihrem zwölften Studioalbum «The Life of a Showgirl» ist die 35-Jährige angekommen - bei sich, in der Liebe und in ihrer Rolle als Megastar der heutigen Zeit.

Das Factsheet: «The Life of a Showgirl» umfasst zwölf Songs, das titelgebende Stück ist ein Duett mit Popstar Sabrina Carpenter. Die Farbe der neuen «Era»: ein glitzerndes, knalliges Orange. Die Ästhetik: Federn, Edelsteine und extravagante Perücken, konterkariert mit düsteren Elementen. 

Hochglanz-Pop für Erwachsene

Musikalisch hat sich die US-Amerikanerin diesmal auf ein kleines Team festgelegt. Das gesamte Album entstand in Zusammenarbeit mit den schwedischen Songwritern und Produzenten Max Martin und Shellback. Beide Künstler stehen für tanzbaren Upbeat-Pop. Swift hatte schon Songs für ihre Alben «Red» (2012), «1989» (2014) und «Reputation» (2017) mit ihnen geschrieben. In einem Instagram-Post zur Veröffentlichung bezeichnete sie die Schweden als ihre «Mentoren und Freunde», die ihr nun «beim Malen dieses Selbstporträts geholfen haben».

Ihr neues Album hat Swift während der «Eras Tour» geschrieben und aufgenommen. Zwischen den Europa-Terminen der Tournee flog sie dazu mehrmals nach Schweden, wie sie vorab im Podcast ihres Partners Travis Kelce berichtet hatte. 

Das Ergebnis ist ein Hochglanz-Popalbum für Erwachsene. Die Texte sind ausgeklügelt, mal hochtrabend, mal sarkastisch, mal bewusst albern. Sie enthalten zahlreiche Anspielungen auf frühere Lieder und wiederkehrende Themen aus dem Swift-Universum. 

Eingebettet werden die Zeilen in einen schimmernden Sound. Nach zuletzt eher reduzierten Produktionen wie auf «Midnights» (2022) und dem tieftraurigen «The Tortured Poets Department» (2024) findet sich auf der neuen Platte eine abwechslungsreiche Pop-Mischung. Zu hören sind Klaviermelodien, Gitarren, Drums und zahlreiche nostalgische Anleihen - mal beim 2000er-Pop, mal bei den 80ern.

Hommage an George Michael

Eine mehr als angedeutete Referenz ist der Song «Father Figure». Swift hat damit eine Hommage an den gleichnamigen, berühmten Song von George Michael aus dem Jahr 1987 aufgenommen. Das Team des 2016 verstorbenen Stars dankte Swift dafür in einem Instagram-Post. «Als wir den Titel hörten, haben wir ohne zu zögern dieser Verbindung zwischen zwei großartigen Künstlern zugestimmt, und wir wissen, dass George genauso empfunden hätte», heißt es in dem Statement. 

Das Konzept der Vaterfigur für eine junge, unerfahrene Frau deutet Swift in dem Song für sich um. Aus dem finalen Refrain geht sie als Vaterfigur hervor, die «die Familie beschützt». Viele Fans sehen darin eine Anspielung auf Swifts jahrelangen Kampf um die Aufnahmen ihrer ersten sechs Alben, die vor Jahren gegen ihren Willen von ihrem Label verkauft worden waren. Nachdem Swift sich zunächst entschieden hatte, die Alben als «Taylor's Version» neu aufzunehmen, gab sie im Frühjahr bekannt, dass sie auch die originalen Aufnahmen nun kaufen konnte.

Die Musikindustrie und der teils schmerzhafte Weg an die Spitze sind wiederkehrende Themen des Albums. «You don't know the life of a showgirl, babe / And you're never, ever gonna», singen Swift und Carpenter im Refrain des Titelsongs.

Swift entwickelt hier Ideen weiter, mit denen sie sich schon auf früheren Platten auseinandergesetzt hat. Dazu gehören auch Anspielungen auf andere berühmte Frauen - deren Schicksale sie mit ihrem eigenen verwebt und dabei auch umschreibt. 

NFL-Star wird zum Shakespeare-Helden

So liefert etwa «The Fate of Ophelia», die erste Single des Albums, eine alternative Geschichte für Shakespeares tragische Heldin: Die Erzählerin wird vor ihrem einsamen Tod bewahrt. «And if you'd never come for me /
I might've drowned in the melancholy», singt Swift. In dem Retter lässt sich recht deutlich Swifts Verlobter, der NFL-Profi Travis Kelce, erkennen. So gibt es etwa Anspielungen auf ein «Team» des Helden, dem die Erzählerin Treue schwört.

Weitere Anspielungen auf die Beziehung zwischen dem Popstar und dem Football-Star finden Fans in der romantischen Ballade «Eldest Daughter». Doch auch falsche Obsession wird auf dem Album verhandelt - und zwar in dem Song «Actually Romantic». Darin werden der Erzählerin ungewollte Aufmerksamkeit und auch Hass zuteil. «You think I'm tacky, baby / Stop talking dirty to me / It sounded nasty, but it / Feels like you're flirting with me», kommentiert sie.

Eine Erinnerung an den britischen Musiker Matty Healy, den Swift 2023 kurz gedatet haben soll und aus dessen Lager im Anschluss viel Negatives über die Sängerin zu hören war? Eine Anspielung auf die Sängerin Charli xcx, die mit einem Bandkollegen von Healy verheiratet und Gerüchten zufolge nicht gut auf Swift zu sprechen ist? Oder eine allgemeine Abrechnung mit Kritikern, deren Meinungen Swift in Magazinen, im Fernsehen und in den sozialen Medien begegnen? Das lässt der humorvolle Song bewusst offen.

Album brach schon vor Erscheinen einen Spotify-Rekord

Und die Sängerin hat guten Grund, negativen Kommentaren selbstbewusst zu begegnen - hatte ihr zwölftes Album doch schon vor Erscheinen wieder einen Rekord gebrochen. Mehr als fünf Millionen Mal wurde «The Life of a Showgirl» vor der Veröffentlichung auf der Streamingplattform Spotify gespeichert. Damit brach Swift einen Rekord, den sie ohnehin selbst aufgestellt hatte.

Auch in Deutschland haben «Swifties» jetzt viele Möglichkeiten, das neue Werk zu feiern. In zahlreichen Städten finden Release Partys statt, auf denen die Lieder des neuen Albums und die größten Hits der Sängerin gespielt werden. Die größten Partys gibt es laut Veranstaltern in Berlin, Hamburg und Bochum. Deutschlandweit wurden rund 10.000 Tickets verkauft. Zusätzlich laufen das ganze Wochenende lang Kino-Aktionen.

«Ich kann euch nicht sagen, wie stolz ich bin, das hier mit euch zu teilen; ein Album, das sich einfach so richtig anfühlt», schrieb Swift auf Instagram.

Musik / Leute / Pop / USA
03.10.2025 · 10:03 Uhr
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