Nach tödlichem Angriff

Mehr Bodycams und Hilferufknöpfe – Bahn verstärkt Schutz

13. Februar 2026, 15:44 Uhr · Quelle: dpa
Deutsche Bahn lädt zu Sicherheitsgipfel ein
Foto: Carsten Koall/dpa
Der tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter hat bundesweit für Entsetzen gesorgt.
Konkrete Maßnahmen sollen Bahn-Beschäftigte mit Kundenkontakt besser vor Übergriffen schützen. Das ist das Ergebnis eines hochrangigen Treffens. Die Gewerkschaft EVG hatte sich deutlich mehr erhofft.

Berlin (dpa) - Mehr Bodycams, ein weiter entwickelter Hilferufknopf und höherwertige Ausrüstung: Beschäftigte im Bahnverkehr sollen künftig besser vor körperlichen Angriffen durch Fahrgäste geschützt werden. «Prävention geht immer vor Reaktion», sagte Bahnchefin Evelyn Palla nach einem hochrangigen Treffen zum Thema Sicherheit im Bahnverkehr in Berlin. «Wir wollen handeln, bevor etwas passiert.» Die Gewerkschaften hatten noch weitergehende Schritte, darunter mehr Personal, gefordert.

Palla hatte zu dem sogenannten Sicherheitsgipfel eingeladen, nachdem in der vergangenen Woche ein 36 Jahre alter Zugbegleiter bei der Ticketkontrolle von einem Fahrgast attackiert und tödlich verletzt worden ist. Die Tat in Rheinland-Pfalz löste bundesweit Entsetzen aus. Der mutmaßliche Angreifer, ein 26 Jahre alter Grieche, sitzt seither in Untersuchungshaft. 

Neben Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) kamen Vertreter aus den Ländern, von den Gewerkschaften, Branchenverbänden und Aufgabenträgern des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) im Bahntower in Berlin zusammen. Insbesondere die Bahngewerkschaften EVG und GDL pochen seit langem auf mehr Sicherheitsmaßnahmen für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Kundenkontakt. 

Das sind die Maßnahmen

Konkret wurden bei dem Treffen unter anderem diese zentralen Maßnahmen im Rahmen eines «Aktionsplans für mehr Sicherheit auf der Schiene» beschlossen: 

  • Noch in diesem Jahr will die Bahn alle Beschäftigte mit Kundenkontakt auch im Fernverkehr sowie an den Bahnhöfen auf freiwilliger Basis mit sogenannten Bodycams ausstatten. Bisher erhalten nur Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Regionalverkehr solche an der Dienstkleidung befestigten Kameras, wenn sie das möchten.
  • Ein bereits vorhandener Hilferufknopf soll weiter entwickelt werden. Mit diesem können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gefahrensituationen schon jetzt unauffällig die Leitstelle informieren, so dass diese etwa Polizei oder Rettungskräfte am nächsten Bahnhof alarmieren kann.
  • Die Bahn will 200 zusätzliche Sicherheitskräfte einstellen, welche die bislang vorhandenen 4.000 unterstützen sollen.
  • Ab dem 1. März können Zugbegleiterinnen und -begleiter nach eigenem Ermessen entscheiden, ob sie neben dem Ticket auch den Personalausweis kontrollieren. Dies ist im Moment noch vor allem beim Deutschlandticket gängige Praxis. Dadurch dass die Zugbegleiter nun selbst entscheiden können, ob sie den Ausweis kontrollieren, sollen potenzielle Konfliktsituationen mit Fahrgästen vermieden werden.

Kernforderungen aufgenommen

Insbesondere die flächendeckende Ausstattung mit Bodycams war eine Kernforderung der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die Kameras werden an der Dienstkleidung getragen und können von den Beschäftigten bei Bedarf und nach einem kurzen Hinweis eingeschaltet werden. 

Die Gewerkschaft will aber auch Tonaufnahmen ermöglichen. Damit sollen auch verbale Übergriffe etwa auf Zugbegleiter und -begleiterinnen besser dokumentiert und juristisch verfolgbar werden. Hierfür müsse erst noch die rechtliche Grundlage geschaffen werden, sagte Verkehrsminister Schnieder nach dem Treffen. 

Zentrale Fragen bleiben ungeklärt

In anderen zentralen Fragen gab es hingegen keine Lösungen. Die EVG sowie die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) fordern, dass künftig flächendeckend stets zwei Zugbegleiter in den Regionalzügen Tickets kontrollieren statt wie bisher oft nur einer. Hier wären auch die Aufgabenträger gefragt, die im Namen der Länder den Regionalverkehr in der Fläche organisieren und bestellen. 

Eine konkrete Einigung dazu gab es bei dem Treffen nicht. Es sei das Ziel bekräftigt worden, die Personalpräsenz durch Doppelbesetzungen erhöhen zu wollen, sagte Minister Schnieder im Anschluss. «Die Frage ist, wie man das macht, in welchen Zügen man das macht, in welchen Zeiträumen man das macht.» Da gebe es unterschiedliche Modelle. Diese Fragen sollen demnach auf der anstehenden Verkehrsministerkonferenz im März erörtert werden. 

EVG-Chef enttäuscht

«Die finanziellen Mittel dazu haben wir nicht, das muss ich ganz klar sagen», sagte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). Er verwies auf die stetig gestiegenen Kosten, die die Länder im öffentlichen Nahverkehr schultern müssten und forderte mehr Mittel vom Bund. 

Entsprechend enttäuscht äußerte sich im Anschluss EVG-Chef Martin Burkert. Zwar seien Kernforderungen der Gewerkschaft aufgegriffen worden. Das zentrale Anliegen einer flächendeckenden Doppelbesetzung habe die Runde aber «negiert». 

«Es ist, wie angenommen, wieder das Pingpong zwischen Bund und den Ländern», betonte der Vorsitzende. Er rief Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dazu auf, sich in der Diskussion einzubringen. «Ich fordere eine Sonderkonferenz der Ministerpräsidenten, die sich dem Thema annehmen», sagte Burkert. 

Mehr als 3.000 Angriffe im vergangenen Jahr

Die ganze Diskussion sei ein Prozess, der mit dem heutigen Termin begonnen habe, betonte wiederum der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Ingo Wortmann, im Anschluss an das Treffen. «Wir brauchen einen kontinuierlichen Austausch der beteiligten Institutionen, um vereinbarte Maßnahmen dauerhaft zu evaluieren und weiterzuentwickeln.» Der Verband machte auch Vorschläge für eine bundesweit einheitliche Aufbewahrungsfrist von Videoaufzeichnungen bis zu 30 Tagen zur besseren Aufklärung von Vorfällen. 

Den Angaben der Bahn zufolge kam es im vergangenen Jahr zu insgesamt rund 3.000 körperlichen Übergriffen auf Beschäftigte des eigenen Konzerns. Das war zwar ein leichter Rückgang im Vergleich zum Jahr davor. Die EVG betonte, dass sich das Sicherheitsgefühl innerhalb der Belegschaft deutlich verschlechtert habe und verweist auf eine eigene Umfrage unter rund 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem vergangenen Jahr.

Kriminalität / Bahn / Verkehr / Deutschland / Rheinland-Pfalz / EVG / GDL
13.02.2026 · 15:44 Uhr
[0 Kommentare]
Politischer Aschermittwoch - Rheinland-Pfalz
Trier/Stuttgart (dpa) - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) strebt eine zweite Amtszeit nach der für 2029 geplanten Bundestagswahl an. «Ich habe schon noch vor, das eine längere Zeit zu machen», sagte der 70-Jährige beim Politischen Aschermittwoch in Trier und verwies darauf, dass sein Vater im Januar 102 geworden sei. An den rheinland-pfälzischen CDU- […] (03)
vor 1 Stunde
Fleur East hat darum gebeten, aus Simon Cowells Syco-Label 'entlassen' zu werden.
(BANG) - Fleur East hat darum gebeten, aus Simon Cowells Syco-Label "entlassen" zu werden. Die 38-jährige Sängerin wurde bekannt, nachdem sie 2014 das Finale von 'The X Factor' erreicht hatte. Sie verließ allerdings drei Jahre später ihren Plattenvertrag mit Showboss Simon (66), da sie es als zu belastend empfand, ständig mit Führungskräften über die […] (00)
vor 8 Stunden
Instagram
Los Angeles (dpa) - Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat in einem potenziell folgenschweren US-Prozess um das Suchtpotenzial sozialer Medien die Vorgehensweise seines Unternehmens verteidigt. So sagte Zuckerberg, dass der Facebook-Konzern Meta keine Ziele für Nutzungszeiten seiner Apps mehr setze, wie das «Wall Street Journal» aus dem Gerichtssaal in […] (00)
vor 5 Stunden
College‑Basketball erobert NBA 2K26 – Season 5 liefert neue Uni‑Inspirationen
Zum Countdown der spannendsten Phase der College-Basketball-Season startet 2K am Freitag, dem 20. Februar, Season 5 von NBA® 2K26. Die neue Season steht ganz im Zeichen des College-Basketballs und bringt frische, thematisch inspirierte Inhalte ins Spiel. Spieler: innen können ihren Teamspirit zeigen und sich mit aktuellen College-Stars sowie legendären […] (00)
vor 4 Stunden
«Amor Animal»: Argentinischer Liebesthriller startet am 20. März
Die neue Prime-Video-Serie erzählt von einer verbotenen Liebe zwischen Trap-Artistin und Millionärssohn – und einem Bandenkrieg, der alles eskalieren lässt. Am 20. März feiert Amor Animal weltweit Premiere bei Prime Video. Die argentinische Originalserie verbindet Liebesdrama, Action-Thriller und Musik zu einer Geschichte über gesellschaftliche Gegensätze, Leidenschaft und Gewalt. Produziert […] (00)
vor 2 Stunden
Mitglieder des Rettungsteams machen sich auf den Weg.
Truckee (dpa) - Es ist das verheerendste Lawinenunglück im US-Bundesstaat Kalifornien seit mehr als 40 Jahren: Nach einem Lawinenabgang nahe Castle Peak im Tahoe-Nationalwald sind acht Menschen tot aufgefunden worden. Ein weiterer wird noch vermisst und gilt wegen der Wucht des Abgangs und der Wetterlage als wahrscheinlich tot, wie Sheriff Shannan Moon […] (00)
vor 1 Stunde
kostenloses stock foto zu bargeldersatz, bitcoin, bitcoin-einführung
Bitcoin bewegt sich weiterhin in einer engen Handelsspanne, jedoch wird unter der Oberfläche eine strukturelle Schwäche immer deutlicher. Der Kurs bleibt unter der wichtigen Marke von 72.000 $, die nun als Widerstand fungiert. Die technische Gesamtsituation bleibt fragil, und kurzfristige Konsolidierungen könnten lediglich das Risiko weiterer […] (00)
vor 1 Stunde
Green Bridge Metals Corp. treibt Phase-1-Bohrprogramm für Serpentine voran
Lüdenscheid, 18.02.2026 (PresseBox) - Green Bridge Metals Corp. (ISIN: CA3929211025; WKN: A3EW4S) , Green Bridge oder das Unternehmen, freut sich, bekannt zu geben, dass das Unternehmen die langfristigen technischen und betrieblichen Arbeiten zur Vorbereitung eines für die zweite Hälfte des Jahres 2026 geplanten Diamantkernbohrprogramms der Phase 1 […] (00)
vor 8 Stunden
 
Stahlproduktion (Archiv)
Brüssel - Die EU-Kommission will die künftigen Vorgaben zur Verwendung grünen Stahls […] (02)
Spielschein für Lotto 6 aus 49 (Archiv)
Saarbrücken - In der Mittwochs-Ausspielung von "6 aus 49" des Deutschen Lotto- und […] (04)
Frau gerät unter Bus bei Karnevalszug
Mönchengladbach (dpa) - Nach dem schweren Unfall bei einem Karnevalsumzug in […] (01)
Sewing fordert längere Lebensarbeitszeit – und rüttelt am Kündigungsschutz
Deutsche-Bank-Chef stellt Sozialstaat, Arbeitsmarkt und politische Stabilität zur […] (07)
Game Sales Awards im Januar 2026
Zwei Titel dürfen sich im Januar über einen game Sales Award des game – Verband der […] (00)
Nach einem zunächst verhaltenen Dienstagmorgen legte der Dax am Nachmittag zu und […] (00)
Tyler Perrys «Joe’s College Road Trip» rast auf die Eins
Über zehn Millionen Kunden verfolgten die deutsche Serie «Unfamiliar», mit 4,2 Millionen folgt […] (00)
Schnee in Kalifornien
Truckee (dpa) - Nach einem Lawinenabgang im Skigebiet von Castle Peak im US- […] (00)
 
 
Suchbegriff