Krieg in der Ukraine

Selenskyj: Nächste Woche neue Gespräche mit USA und Russland

01. Februar 2026, 22:10 Uhr · Quelle: dpa
Ukrainischer Präsident Selenskyj
Foto: Mindaugas Kulbis/AP/dpa
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat trilaterale Gespräche für kommende Woche in Abu Dhabi angekündigt. (Archivbild)
Ukrainer und Russen wollten am Sonntag in Abu Dhabi weiter über ein mögliches Kriegsende verhandeln. Nun kündigt Präsident Selenskyj trilaterale Gespräche für kommende Woche an. Die Kämpfe dauern an.

Kiew/Abu Dhabi (dpa) - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat für kommende Woche neue Gespräche über eine Beendigung des russischen Angriffskrieges in Abu Dhabi angekündigt. «Die Termine für die nächsten trilateralen Treffen stehen fest – 4. und 5. Februar in Abu Dhabi», teilte er bei Telegram mit. Er habe einen entsprechenden Bericht seines Verhandlungsteams erhalten. Trilaterale Gespräche - also zwischen ukrainischen und russischen Vertretern sowie US-Unterhändlern - hatte es vergangenes Wochenende bereits in Abu Dhabi gegeben. Von russischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung.

«Die Ukraine ist bereit für eine substanzielle Diskussion, und wir sind an einem Ergebnis interessiert, das uns einem echten und würdigen Ende des Krieges näher bringt», teilte Selenskyj mit. Allein in der vergangenen Woche habe Russland die Ukraine unter anderem mit 980 Drohnen und fast 1.100 Gleitbomben angegriffen. Das Land brauche dringend Luftabwehrraketen.

Selenskyj sprach noch am Sonntag mit dem ukrainischen Verhandlungsführer Rustem Umjerow. «Für morgen habe ich eine Besprechung anberaumt, um den Rahmen der Gespräche abzustimmen und alles vorzubereiten», sagte er in seiner abendlichen Videoansprache. «Am Montagabend wird das Team bereits auf dem Weg zu den Verhandlungen sein.» Er hoffe auf Unterstützung der USA. «Vieles hängt davon ab, was die amerikanische Seite erreichen kann, damit die Menschen sowohl dem Prozess als auch den Ergebnissen vertrauen.» 

Ukrainer und Russen hatten ursprünglich für diesen Sonntag angekündigt, in Abu Dhabi ihre vor einer Woche nach langer Zeit begonnenen direkten Verhandlungen über eine Beendigung des Krieges wieder aufzunehmen. 

Kreml-Unterhändler Dmitrijew am Samstag in Miami bei Witkoff

Vor einer Woche liefen die Gespräche unter Ausschluss der Öffentlichkeit und unter Vermittlung der USA mit ihrem Chefunterhändler Steve Witkoff. Witkoff traf sich indes am Samstag in Miami mit Kreml-Unterhändler Kirill Dmitrijew. Der Russe teilte bei X mit, es habe ein konstruktives Treffen mit der US-Delegation gegeben. Er habe auch produktive Gespräche mit einer Arbeitsgruppe zu den amerikanisch-russischen Wirtschaftsbeziehungen geführt. 

Witkoff schrieb seinerseits, es habe produktive und konstruktive Gespräche mit Dmitrijew im Zuge des Vermittlungsversuchs der USA zur Lösung des Ukraine-Kriegs gegeben. Das Treffen habe die Ansicht bestärkt, dass Russland darauf hinarbeite, Frieden in der Ukraine zu sichern. Von US-Seite waren laut Witkoff auch Finanzminister Scott Bessent, der Trump-Schwiegersohn Jared Kushner und Regierungsberater Josh Gruenbaum dabei.

Trotz der immer wieder als «konstruktiv» und «produktiv» beschriebenen zahlreichen Zusammenkünfte ist eine Einigung auf ein Friedensabkommen aber bisher nicht in Sicht. Zentral für Moskau sind Forderungen nach Gebietsabtretungen. Russland verlangt, dass sich die Ukraine auch aus jenen Teilen des Donbass - dieser umfasst die Gebiete Luhansk und Donezk - zurückzieht, die weiterhin von Kiew kontrolliert werden. Präsident Selenskyj hatte solche Gebietsabtretungen wiederholt abgelehnt.

Erneut Tote bei russischen Drohnenangriffen

Russland erklärte sich zwar vor dem Hintergrund der Verhandlungen auf Bitte von US-Präsident Donald Trump bereit, wegen der extremen Kälte und der ohnehin großen Schäden in Kiew und anderen Städten von neuen Angriffen auf die Energieinfrastruktur des Landes zeitweilig abzusehen. Die Vereinbarung sollte nach russischen Angaben zunächst nur bis Sonntag gelten, um auch eine gute Grundlage für die Verhandlungen in Abu Dhabi zu schaffen. Angriffe auf andere Ziele wurden aber indes fortgesetzt.

Selenskyj beklagte, dass die sich die Attacken auf die Bahn- und andere Verkehrsinfrastruktur verlagert hätten. «Es ist offensichtlich, dass die Russen unsere Städte voneinander abschneiden wollen», sagte er in seiner Videobotschaft. Das russische Verteidigungsministerium teilte in Moskau mit, es habe Angriffe auf die von den ukrainischen Streitkräften genutzte Verkehrsinfrastruktur sowie auf Munitionsdepots gegeben. 

Bei einem russischen Drohnenangriff in der Stadt Dnipro starben ein Mann und eine Frau, wie Militärgouverneur Olexander Hanscha mitteilte. Es sei ein Feuer ausgebrochen. In Pawlohrad starben mindestens zwölf Menschen, als russische Drohnen einen mit Minenarbeitern besetzten Bus trafen. Weitere 16 Menschen wurden bei dem Angriff verletzt, neun von ihnen schwer.

Kiew stellt nach Blackout Heizungsversorgung wieder her

Neue Meldungen über russische Angriffe auf ukrainische Energieanlagen gab es indes nicht. Allerdings kam es am Samstag zu einem Blackout durch einen Ausfall von Leitungen. Die Arbeiten zur Wiederherstellung der Versorgung dauerten auch am Sonntag an. Im ganzen Land gab es Behörden zufolge weiter Notabschaltungen.

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete, dass immer mehr Häuser wieder an die Heizungsversorgung angeschlossen würden. Demnach waren am Morgen noch rund 1.000 Häuser in der Hauptstadt ohne Wärmeversorgung – nach 3.500 Häusern am Vorabend. Auch alle Linien der Metro seien nach dem Ausfall am Samstag wieder in Betrieb, hieß es.

Grund für die massiven Probleme in vielen Teilen des Landes war ein Ausfall von zwei Leitungen zwischen Rumänien und Moldau und auf dem Gebiet der Ukraine, wie Selenskyj darlegte. Es sei ein Tag im Ausnahmezustand für die Regierung, das Energieministerium, die Energieunternehmen sowie regionale und lokale Behörden gewesen. «Die Ursachen werden derzeit untersucht», sagte Selenskyj. 

Womöglich sei Vereisung der Leitungen der Grund für den Kollaps gewesen. «Derzeit gibt es keine Hinweise auf eine externe Einmischung oder einen Cyberangriff», sagte Selenskyj. Das Land habe auch seine Stromimporte erhöht. Das Energiesystem der Ukraine ist vor allem nach den vielen russischen Angriffen schwer beschädigt.

Die Ukraine wehrt sich seit fast vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg.

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01.02.2026 · 22:10 Uhr
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