Schadenersatz-Forderungen: Booking.com im Fokus einer großangelegten Klage
Eine mächtige Welle des Protestes schwappt durch die europäische Hotelbranche: Über 10.000 Hotels verlangen von der Buchungsplattform Booking.com Schadenersatz. Grund hierfür sind Vorwürfe, dass das Unternehmen die Hoteliers über Jahre daran hinderte, Direktbuchungen zu attraktiveren Konditionen anzubieten. Unterstützt von der Hotelallianz Hotrec und mehr als 30 nationalen Verbänden, darunter der Hotelverband Deutschland (IHA), markiert dies einen der bedeutendsten Rechtstreits der Branche. Die Stiftung Hotel Claims Alliance übernimmt dabei die Koordination dieses juristischen Unterfangens.
Im Mittelpunkt der Kontroverse stehen die umstrittenen Bestpreisklauseln, die die Hotels verpflichteten, auf anderen Plattformen – einschließlich ihrer eigenen Webseiten – nicht günstiger zu sein als auf Booking.com. Diese Regelungen, so die Hotelvertretungen, hätten die unternehmerische Freiheit und den Wettbewerb erheblich eingeschränkt. Alessandro Nucara von Federalberghi forderte ein geschlossenes Auftreten der Hotelbranche, um die erlittenen Schäden geltend zu machen.
Booking.com bestreitet die Vorwürfe vehement und behauptet, keine offizielle Klage erhalten zu haben. Zudem widerspricht das Unternehmen den rechtlichen Grundannahmen der Verbände, auch in Hinblick auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom September 2024. In diesem Urteil wurden Preisbindungsklauseln grundsätzlich als potenzieller Verstoß gegen EU-Wettbewerbsrecht angesehen, wobei die endgültige Klärung einem Gericht in Amsterdam obliegt.
Interessanterweise wies das Bundeskartellamt in Deutschland bereits 2013 derartige Klauseln ab. Dieses frühe Eingreifen der deutschen Behörden gegen HRS, Booking.com und Expedia schaffte ein neues Wettbewerbsumfeld und führte zu einer größeren Vielfalt im Tourismussektor des Landes. Norbert Kunz vom Deutschen Tourismusverband begrüßte diesen Wandel im Sinne von günstigeren Preisen und einer gesteigerten Angebotsvielfalt. Gleichwohl bleibt die Marktdominanz großer Plattformen, wie Booking mit 71 Prozent des Marktanteils bei OTAs, ein fortwährendes Streitthema.

