Investmentweek

Sartorius greift zu – und wird vom Markt abgestraft

10. April 2025, 21:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Mit der Übernahme zweier Biotech-Firmen aus Schweden und den USA will der DAX-Konzern seine Position im Zellkulturgeschäft stärken. Die Börse sieht das kritischer – und schickt die Aktie auf Talfahrt.

Ein Schritt nach vorn – mit heftigem Seitenwind

Die Nachricht kam am Freitagabend, doch die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Als Sartorius am Montagmorgen die Übernahme der Mikrogewebesparte von BICO AB meldete, rutschte der Kurs im XETRA-Handel um mehr als sechs Prozent ab.

Quelle: Eulerpool

Für rund 72 Millionen Euro übernimmt der Göttinger Laborzulieferer die Unternehmen MatTek und Visikol – beides Anbieter von 3D-Zellkulturmodellen, die in der Medikamentenforschung zum Einsatz kommen. Eine strategisch kluge Entscheidung – aber offenbar nicht ohne Risiken.

Was genau wird übernommen?

Im Detail sichert sich Sartorius zwei Unternehmen mit insgesamt 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. MatTek, gegründet 1985, ist auf sogenannte 3D-Mikrogewebemodelle spezialisiert.

Diese gelten als Alternative zu Tierversuchen und werden bereits in der Wirkstoffentwicklung und Toxikologie eingesetzt. Das Unternehmen hat Standorte in den USA und der Slowakei und erzielte 2024 einen Umsatz von rund 20 Millionen Dollar. Visikol ergänzt das Portfolio mit eigenen Technologien zur Gewebeaufbereitung und -analyse.

Sartorius vereinbart strategische Kooperation und 10-prozentige Kapitalbeteiligung mit BICO
8. Dezember 2022 – Sartorius und die schwedische BICO Group haben eine umfassende Technologie- sowie Vertriebs- und Marketingkooperation vereinbart.

Die beiden Firmen sollen künftig in die Laborsparte von Sartorius integriert werden, die mit ihren Lösungen weltweit Forschungseinrichtungen und Pharmaunternehmen beliefert.

Zukunftsmarkt mit ethischem Rückenwind

Was Sartorius hier kauft, ist nicht nur eine technische Ergänzung, sondern ein Zukunftsversprechen. Der Markt für 3D-Zellkulturen wächst – und zwar rasant. Gründe dafür sind der weltweite ethische Druck zur Reduktion von Tierversuchen, regulatorische Anpassungen und der technologische Fortschritt, der zellbasierte Modelle immer präziser macht.

Kein Bonus für Mut: Während Sartorius antizyklisch investiert, halten sich viele Pharma-Kunden mit Bestellungen zurück – das drückt auf die Margen.

Für Sartorius könnte sich die Übernahme mittelfristig auszahlen – wenn die Integration gelingt und die Nachfrage anhält. Immerhin sprechen Analysten schon seit Jahren vom Milliardenpotenzial in diesem Nischensegment.

Warum fällt die Aktie dann?

Dass die Aktie so deutlich verliert, liegt weniger an der strategischen Entscheidung als an der aktuellen Lage. Sartorius kämpft seit Monaten mit einem schwachen Marktumfeld: Der Biotech-Sektor steckt in einer tiefen Investitionsflaute, der Lagerabbau bei Pharmakunden bremst das Neugeschäft, und auch in China läuft es schleppend.

Hinzu kommt: Nach dem Boom in der Corona-Zeit musste das Unternehmen zuletzt mehrfach seine Prognosen revidieren, Stellen streichen und die Anleger auf magere Jahre einstimmen. In diesem Kontext wirkt selbst eine relativ kleine Übernahme wie ein Risiko, das man sich derzeit vielleicht nicht leisten sollte.

Wachstum gegen Stimmung

Strategisch ist der Schritt nachvollziehbar. Die Stärkung des zukunftsträchtigen Zellkulturgeschäfts zahlt direkt auf die langfristige Positionierung von Sartorius ein – weg vom klassischen Laborzulieferer, hin zum Technologiepartner der Pharmaindustrie. Doch kurzfristig überwiegt die Skepsis.

Anleger stellen sich zu Recht die Frage: Ist jetzt wirklich der richtige Moment für Expansion? Wird das Kapital effizient eingesetzt? Und: Wie viel operative Energie kostet die Integration, während die Kernmärkte stagnieren?

Konzern im Umbruch

Sartorius ist kein klassisches DAX-Schwergewicht, aber eines der wenigen deutschen Unternehmen, das sich über Jahre ein internationales Hochtechnologieprofil erarbeitet hat. Die Übernahme passt in diese Linie. Sie zeigt, dass der Konzern bereit ist, antizyklisch zu investieren – also in einem schwierigen Umfeld strategische Chancen zu nutzen.

Das ist mutig. Aber Mut ist an der Börse nicht immer sofort gefragt.

Was jetzt zählt

Der Deal mit BICO ist kein Milliardenkauf – aber er ist ein Statement. Für Sartorius bedeutet er den Ausbau eines wachstumsstarken Bereichs. Für Anleger ist er ein weiterer Belastungspunkt in einer ohnehin angespannten Phase.

Ob der Kursrutsch gerechtfertigt ist, hängt nun davon ab, wie sauber und effizient die Integration gelingt – und ob Sartorius bald wieder Wachstumsimpulse setzen kann.

Im Moment jedenfalls bleibt die Aktie unter Druck. Doch wer weiter als nur einen Börsentag denkt, könnte diesen Rücksetzer als das sehen, was er möglicherweise ist: eine überreaktive Marktreaktion auf eine langfristig sinnvolle Strategie.

Finanzen / Unternehmen
[InvestmentWeek] · 10.04.2025 · 21:00 Uhr
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