Salzgitter: Hoffnungsschimmer trotz strafer Marktbedingungen

Der Stahlriese Salzgitter blickt mit verhaltener Zuversicht auf das aktuelle Geschäftsjahr. Trotz unverändert angespannter Konjunktur in Deutschland, erwartet das Unternehmen eine leichte Erholung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Insbesondere die von der Europäischen Union eingeführten Schutzmaßnahmen könnten positive Impulse liefern, auch wenn die groß angekündigten Investitionsprogramme der öffentlichen Hand bislang hinter den Erwartungen zurückbleiben.
An der Börse führte das kurzzeitige Stimmungstief bei Salzgitter-Aktionären zu einer bemerkenswerten Kehrtwende. Nachdem der Kurs des Unternehmens zwischenzeitlich um bis zu neun Prozent eingebrochen war, erholte er sich am Nachmittag und schloss mit einem kräftigen Plus. Besondere Beachtung fand dabei, dass der Aktienkurs zum ersten Mal seit Sommer 2011 neue Höhen erreichte.
Im Zentrum der politischen Diskussion stehen aktuell die von der EU-Kommission vorgeschlagenen, drastisch erhöhten Zollmaßnahmen, die der heimischen Stahlindustrie gegenüber günstiger Konkurrenz aus Fernost eine bessere Schutzbarriere verschaffen sollen. Dies betrifft insbesondere Importe aus Ländern wie China. Die diskutierten Zölle, die mit 50 Prozent doppelt so hoch werden könnten, könnten zudem die Verhandlungen mit den USA beeinflussen, die vergleichbare Einfuhrzölle erheben.
Bis zum Jahr 2026 stellt sich Salzgitter auf ein Umsatzplus auf rund 9,5 Milliarden Euro ein, verglichen mit 9 Milliarden im Vorjahr. Analystenerwartungen zeigten sich indes optimistischer. Auf operativer Seite prognostiziert der Konzern für das Ebitda ein Wachstum auf 500 bis 600 Millionen Euro. Vor Steuern wird ein Gewinn zwischen 75 und 175 Millionen Euro anvisiert.
Die industrielle Neupositionierung von Salzgitter schreitet parallel zu den finanziellen Zielen voran. Nach zähen Verhandlungen mit Thyssenkrupp Steel, die sich vergangenen Woche auf zentrale Eckpunkte verständigten, steht einem sukzessiven Rückzug von Thyssenkrupp bei Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) nichts mehr im Weg. Der vereinbarte Verkauf der HKM-Anteile soll am 1. Juni 2026 abgeschlossen werden, Vallourec als dritter Partner ist bereits einverstanden. Salzgitter plant zukünftig mit einem verschlankten Personalstamm, der lediglich noch ein Drittel der bisherigen Belegschaft umfasst.
Der Jahresabschluss von 2025 wird am 23. März detailliert vorgestellt, und es bleibt spannend, wie das Unternehmen seine Pläne weiter konkretisiert und umsetzt.

