Rückgang der Asylbewerberzahlen in der EU: Dramatische Wende in der Statistik
Die Asylbewerberzahlen in der Europäischen Union sowie Norwegen und der Schweiz haben im ersten Halbjahr des Jahres einen deutlichen Rückgang verzeichnet. Die EU-Asylagentur berichtete, dass bis Ende Juni etwa 400.000 neue Anträge eingegangenen sind, was im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von 114.000 Anträgen oder 23 Prozent bedeutet. Besonders bemerkenswert ist, dass Deutschland zum ersten Mal seit Jahren nicht mehr das Hauptzielland für Asylsuchende war.
Die Erhebung, die Zahlen aus sämtlichen EU-Staaten sowie Norwegen und der Schweiz berücksichtigt, zeigte insgesamt 399.000 Anträge. An der Spitze der Liste standen Frankreich mit 78.000, gefolgt von Spanien mit 77.000, Deutschland mit 70.000 und Italien mit 64.000 Anträgen. Damit fällt Deutschland, anders als in den Vorjahren, von der Spitzenposition in dieser Liste.
Die Asylagentur mit Sitz in Malta führt den Rückgang insbesondere auf den politischen Wandel in Syrien zurück, namentlich den Sturz von Baschar al-Assad im Vorjahr. Zum ersten Mal seit zehn Jahren steht nicht mehr Syrien, sondern Venezuela mit 49.000 Anträgen an der Spitze der Herkunftsländer für Asylbewerber. Afghanistan folgt mit 42.000 Anträgen.
Bis auf Frankreich verzeichnen die großen Zielländer einen Rückgang der Anträge, besonders in Deutschland mit einem Rückgang von 43 Prozent, Italien mit 25 Prozent und Spanien mit 13 Prozent. Fast alle venezolanischen Antragsteller reichten ihren Antrag in Spanien ein, vermutlich aufgrund der gemeinsamen Sprache.
Die Anerkennungsquote für Erstanträge erreichte den niedrigsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen, da nur 25 Prozent der Anträge genehmigt wurden. Ende Juni warteten mehr als 900.000 Anträge auf eine Entscheidung in erster Instanz, und durch mögliche Einsprüche stehen insgesamt etwa 1,3 Millionen Entscheidungen noch aus.
Migration bleibt ein kontroverses Thema in der europäischen Politiklandschaft. Die EU setzt verstärkt auf Kooperationen mit nordafrikanischen Staaten, um Migrationsbewegungen über das Mittelmeer zu begrenzen - trotz der Gefahren, die dieses Unterfangen birgt.

