Restrukturierung bei Thyssenkrupp wird teuer

03. Dezember 2025, 07:12 Uhr · Quelle: dts Nachrichtenagentur
Thyssenkrupp (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur
Thyssenkrupp (Archiv)
Die Vorstandsvorsitzende von Thyssenkrupp Steel beziffert die Restrukturierungskosten auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Trotz Personalreduktionen und Unsicherheiten bei HKM zielt das Unternehmen auf eine stabile Zukunft ab.

Essen - Die Vorstandsvorsitzende von Thyssenkrupp Steel, Marie Jaroni, hat erstmals beziffert, wie teuer das Restrukturierungspaket des Konzerns mit Anlagenschließungen, einer Reduktion der Produktionsmenge und einer Schrumpfung der Personaldecke um rund 11.000 Personen werden wird.

"Die Restrukturierung kostet uns einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag", sagte die Managerin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" nach der Unterzeichnung des Sanierungstarifvertrags durch das Unternehmen und die IG Metall am Montag. Es werde Altersteilzeit, Versetzungen, Aufhebungsverträge und Freiwilligenprogramme geben, aber auch Outplacement- und Qualifizierungsangebote. Betriebsbedingte Kündigungen wolle das Unternehmen ausschließen. Die genaue Summe der Restrukturierungskosten hänge davon ab, "wie viele Mitarbeitende welches Angebot annehmen".

Das Unternehmen, welches seit Jahren mit Verlusten kämpft, hatte zuvor mit dem Essener Mutterkonzern eine Absprache über die Finanzierung eines künftig eigenständig agierenden Stahlbereichs getroffen. "Die Finanzierung ist für den Restrukturierungszeitraum bis Ende September 2030 sichergestellt", sagte Jaroni der FAZ.

Zur Frage, was mit den hohen Pensionslasten, die auf rund 2,6 Milliarden Euro geschätzt werden passieren wird, äußerte sie sich nicht. Zu den Details der Finanzierungsregeln sei Stillschweigen verabredet worden. Eine Einigung über die künftige Finanzierung hatte die IG Metall zuvor zur Bedingung für eine Unterschrift der Arbeitnehmervertreter unter den Sanierungstarifvertrag gemacht. Das große Sparpaket des Stahlherstellers soll künftig jährlich einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag an Personalkosten einsparen.

Trotz der Einigung ist weiterhin offen, was mit den Hüttenwerken Krupp Mannesmann (HKM) passiert, die Thyssenkrupp Steel zur Hälfte gehören, 30 Prozent der Anteile hält der niedersächsische Konkurrent Salzgitter und 20 Prozent der französische Röhrenhersteller Vallourec. HKM betreibt im Duisburger Süden zwei in die Jahre gekommene Hochöfen und eine Kokerei, Thyssenkrupp Steel hat jedoch den Liefervertrag mit HKM zum Jahresende 2032 gekündigt, weil das Unternehmen die Stahlmengen, die HKM liefert, nicht mehr benötigt.

Thyssenkrupp Steel will HKM entweder verkaufen oder notfalls schließen. Rund 3.000 Beschäftigte arbeiten dort, 1.500 Stellen sind im Sanierungsplan als abzubauende Stellen eingerechnet. Der Betriebsrat der HKM hatte am Tag der Unterschrift unter dem Sanierungstarifvertrag einen offenen Brief an Jaroni und Thyssenkrupp-Konzernchef Miguel López geschrieben. Darin suggerieren die Arbeitnehmervertreter, dass Salzgitter HKM gern in kleinerer Form weiterführen würde, wenn auch Thyssenkrupp dazu einen finanziellen Beitrag leistet.

Jaroni äußerte sich überrascht über den Brief, in dem die Arbeitnehmervertreter ein Schlichtungsverfahren zwischen den HKM-Gesellschaftern fordern. "Wir nehmen den Brief zur Kenntnis und bewerten ihn zunächst einmal. Ich bin über den Zeitpunkt erstaunt: Wir befinden uns in vertraulichen Verhandlungen mit den beiden anderen Gesellschaftern und streben eine einvernehmliche Lösung an." Zur Frage ob eine Schließung von HKM teurer wäre als der Geldbetrag, den Salzgitter gern als Hilfe für den Weiterbetrieb hätte, sagte die Managerin. "Wir können die Verhandlungen nicht öffentlich führen. Klar ist: Wir werden keinen wirtschaftlichen Unsinn machen, sondern eine Lösung finden, die für alle Stakeholder vertretbar ist. Unsere Aufgabe ist, Thyssenkrupp Steel wieder fit für die Zukunft zu machen."

Jaroni ließ keinen Zweifel daran, wie ernst die Lage von Deutschlands größtem Stahlhersteller bis zum Zeitpunkt der Sanierungsplanung war. "Wir haben in fünf Jahren fünf Milliarden Euro Cash verbrannt", führte sie aus. "Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird es das Unternehmen irgendwann nicht mehr geben." Sie bemühte sich Zuversicht zu verbreiten, mit Blick auf die im Bau befindliche Grünstahlproduktionsanlage, für die rund zwei Milliarden Euro staatliches Fördergeld zugesagt ist.

Jaroni räumte zugleich aber ein, dass die Anlage möglicherweise noch später fertig wird als geplant. "Wir legen gerade einen neuen Terminplan fest." Auf die Frage, ob ein zweites Stuttgart 21 zu befürchten sei, sagte Jaroni: "Davon sind wir meilenweit entfernt." Es hake "an einzelnen Stellen".

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