Reformdruck in Deutschland: Rufe nach wirtschaftlichem Neuanfang werden lauter
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger stellt hohe Anforderungen an die Bundesregierung und fordert tiefgreifende Reformen im nächsten Jahr. „Deutschland braucht einen großen Wurf - sonst droht eine Dauerkrise“, warnt Dulger. Die Bundesrepublik befinde sich seiner Meinung nach in der längsten Krise seit ihrer Gründung. Nachdem das Land zwei Jahre in Folge mit einer Rezession kämpfte, ist für 2025 lediglich ein minimales Wirtschaftswachstum zu erwarten. Auch die Prognosen für 2024 sind ernüchternd, da Ökonomen keinen signifikanten Aufschwung vorhersehen.
Dulger betont die Notwendigkeit, sich an eine sich schnell verändernde Welt anzupassen. Bundeskanzler Friedrich Merz, der beim Arbeitgebertag im November sprach, beschrieb diese Entwicklungen als „Epochenbruch“. Zu den Herausforderungen zählen der anhaltende russische Krieg in der Ukraine, der Aufstieg autoritärer Systeme, ein selbstbewussteres China und die protektionistischen Maßnahmen von US-Präsident Donald Trump.
Für Dulger sind diese globalen Umbrüche Anlass genug, um unbürokratischere und schnellere Strukturen zu fordern sowie eine Neuausrichtung des Sozialstaates zu verlangen. Außenpolitische Spannungen machen in seinen Augen Reformen im Inland unerlässlich. Gute Außen- und Sicherheitspolitik könne nur bei wirtschaftlichem Wachstum erfolgreich sein. So müsse das Jahr 2026 zu einem Jahr der tiefgreifenden Reformen werden.
Konkrete Forderungen beinhalten den Abbau von Bürokratie, was sowohl Unternehmen als auch Bürgern mehr Gestaltungsspielraum geben würde. Zudem fordert Dulger, dass mehr Netto vom Brutto übrig bleibt. Der Sozialstaat müsse effizienter und gerechter gestaltet werden, um Arbeit im Vergleich zu Nicht-Arbeit attraktiver zu machen. Diese Maßnahmen würden die Attraktivität Deutschlands für in- und ausländische Investoren erhöhen und langfristig Wachstum fördern.
Kanzler Merz hat mehrfach umfassende Reformen angekündigt und bereits eine Rentenkommission ins Leben gerufen. Bis Mitte 2026 werden dabei Vorschläge erwartet, die auch eine spätere Rente beinhalten könnten.

