Preisvergleichs-App für Lebensmittel: Experten sehen begrenzten Nutzen

Die Einführung einer verpflichtenden Preisvergleichs-App für Lebensmittel, wie von der Grünen-Fraktionschefin im Bundestag Katharina Dröge gefordert, stößt auf Skepsis bei Handelsfachleuten in Deutschland. Markus Szajna, Handelsprofessor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, äußert Zweifel an der Praktikabilität und dem effektiven Nutzen der App für Verbraucher. Die Idee, dass Verbraucher mit Hilfe einer App leichter die günstigsten Angebote finden können, klingt zwar zunächst verlockend, doch sieht Szajna den Vorschlag als technisch aufwendig und wirtschaftlich wenig effizient.
Dröge argumentiert, dass eine solche App den Verbrauchern ermöglichen würde, leichter gegen die Preismacht großer Supermarktketten vorzugehen, besonders in Krisenzeiten. Hierbei sollen verpflichtende Preisupdates der großen Märkte Transparenz schaffen und verhindern, dass Bildungsgrad eine Voraussetzung zur Verteidigung gegen unfaire Preise wird. Diese App soll laut Dröge als niedrigschwelliges Tool den Zugang zu Preisvergleichen erleichtern.
Szajna hingegen kritisiert den hohen Aufwand, den die Einführung und Betreuung einer solchen App mit sich bringen würde. Die aktuelle Branchenstruktur bietet bereits gesetzlich verankerte Preistransparenz durch Grundpreise und eine Vielzahl bestehender Angebots-Apps. Zudem passt sich der Markt bereits flexibel an Preisänderungen an, wie beispielsweise bei Basisprodukten wie Zucker und Butter. Zusätzlich warnt Szajna vor einer verzerrten Darstellung im Preisvergleich, da Aspekte wie Produktqualität, Herkunft, und ethische Produktionsstandards in einer reinen Preisvergleichs-App nicht ausreichend berücksichtigt würden. Auch macht er darauf aufmerksam, dass Verbraucher ihre Kaufentscheidungen nicht rein preisgetrieben treffen, sondern Faktoren wie Bequemlichkeit, Qualität und Vertrauen eine Rolle spielen.
Angesichts steigender Lebensmittelpreise, die seit 2020 um über 35 Prozent zugelegt haben, wird das Thema durchaus heiß diskutiert. Eine Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbands zeigt, dass 45 Prozent der Konsumenten aufgrund der Preiserhöhungen zunehmend eingeschränkt einkaufen. Als Reaktion fordert Verbandschefin Ramona Pop eine Beobachtungsstelle, die Preisdynamiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette transparent macht und potenzielle Preistreiber entlarvt.

