Orcels Wachstumsstrategie: Unicredit peilt höhere Gewinne und mögliche Commerzbank-Übernahme an

Die italienische Großbank Unicredit hat ambitionierte Ziele zur Steigerung ihrer Gewinne und plant gleichzeitig lukrative Ausschüttungen an ihre Aktionäre. Bis 2028 soll der bereinigte Überschuss auf stolze 13 Milliarden Euro steigen, wie das Institut am Montag in Mailand bekannt gab. Bereits für das laufende Jahr sieht Unicredit-Chef Andrea Orcel einen Gewinn von 11 Milliarden Euro vor. Ein weiterer Diskussionspunkt bleibt die potenzielle Übernahme der Commerzbank, deren Machbarkeit Orcel offen kommentierte. Unicredit beabsichtigt, in den kommenden Jahren 80 Prozent ihrer Gewinne in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an ihre Investoren auszuschütten. In einem Zeitraum von drei Jahren sollen so mindestens 30 Milliarden Euro ausgeschüttet werden, wobei innerhalb von fünf Jahren die Summe 50 Milliarden Euro erreichen soll. Bei der Vorlage dieser Pläne reagierten die Finanzmärkte wohlwollend: Die Unicredit-Aktie stieg in Mailand um 6,5 Prozent.
Das vergangene Jahr stellte für die Unicredit ein positives dar, mit einem bereinigten Überschusszuwachs von knapp 14 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro. Auch der tatsächliche Gewinn verbesserte sich um über 12 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro. Diese erfreulichen Ergebnisse spiegeln sich auch in der Rendite auf das materielle Eigenkapital wider, die 2022 einen Rekordwert von 19,2 Prozent erreichte. Unicredit strebt bis 2028 eine weitere Steigerung auf über 23 Prozent an.
Strategisch möchte Orcel auch die Effizienz des Bankbetriebs steigern. Etwa sollen die Erträge bis 2028 auf 27,5 Milliarden Euro anwachsen, während die Kosten auf etwa 33 Prozent der Erträge reduziert werden sollen. Damit stellt sich Unicredit im Vergleich zur Konkurrenz in Deutschland gut auf, wo etwa die Deutsche Bank und Commerzbank andere Effizienzmaßstäbe haben.
Im Rahmen eines Interviews äußerte Orcel Gedanken zur Beteiligung an der Commerzbank und die Möglichkeit einer Übernahme. Er betonte, dass bei passenden Bedingungen ein solches Vorhaben realisierbar sei, falls nicht, stünden andere strategische Themen bereit. Orcel vermeidet bislang ein Übernahmeangebot zu unterbreiten, da die Pläne in verschiedenen Kreisen auf Widerstand treffen. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat parallel eigene Maßnahmen zu einer rentableren Unternehmensführung vorangetrieben, um die Bank für Investoren attraktiver zu machen.

