Öffentliches Finanzierungsdefizit gestiegen

11. Januar 2024, 08:24 Uhr · Quelle: dts Nachrichtenagentur

Wiesbaden - Der Öffentliche Gesamthaushalt hat in den ersten drei Quartalen des Jahres 2023 rund 7,7 Prozent mehr ausgegeben, aber nur 6,1 Prozent mehr eingenommen als im Vorjahreszeitraum. Einnahmen von 1 337,8 Milliarden Euro standen Ausgaben von 1 429,3 Milliarden Euro gegenüber, teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag mit.

Damit schlossen die Kern- und Extrahaushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung die ersten drei Quartale 2023 mit einem - in Abgrenzung der Finanzstatistik errechneten - Finanzierungsdefizit von 91,5 Milliarden Euro ab. Das Defizit fiel damit 25,8 Milliarden Euro höher aus als im Vorjahreszeitraum.

Nach Ergebnissen der vierteljährlichen Kassenstatistik ging das Defizit zwar weiterhin zum größten Teil zu Lasten des Bundes (-75,9 Milliarden Euro), bestand aber in markanter Höhe auch bei Gemeinden und Gemeindeverbänden (-11,4 Milliarden Euro) sowie der Sozialversicherung (-7,2 Milliarden Euro). Demgegenüber verzeichneten die Länder ein leichtes Plus von 3,1 Milliarden Euro, so die Statistiker aus Wiesbaden. Die Einnahmen aus Steuern und steuerähnlichen Abgaben stiegen in den ersten drei Quartalen 2023 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,8 % auf 1 151,1 Milliarden Euro (1. bis 3. Quartal 2022: 1 109,2 Milliarden Euro).

Beim Bund setzte sich der Trend stark gestiegener Zinsaufwände fort: 39,4 Milliarden Euro bedeuten fast dreimal mehr Zinszahlungen als im Vorjahreszeitraum. Derweil stieg die Zinslast der Länder nur um 8,3 % auf 7,7 Milliarden Euro. Die Zinsausgaben der Gemeinden stiegen mit 40,6 % auf 2,1 Milliarden Euro sehr deutlich. Auf der anderen Seite haben sich die Zinseinnahmen bei Bund (9,3 Milliarden Euro), Ländern (1,9 Milliarden Euro) und Gemeinden (1,1 Milliarden Euro) in etwa verdoppelt, bei der Sozialversicherung sogar fast verachtfacht.

Der Bund gab für laufende Zuweisungen, Zuschüsse und Schuldendiensthilfen an andere Einheiten des Öffentlichen Gesamthaushalts – im Wesentlichen die Länder – deutlich weniger aus (-12,6 %) als im Vorjahreszeitraum, dagegen deutlich mehr (+36,4 %) an andere Bereiche: Hier schlagen die Energiehilfen wie die Strom- und Gaspreisbremse für private Haushalte und Unternehmen zu Buche. Die Länder dagegen zahlten weniger Zuschüsse an andere Bereiche (-10,6 %), dafür wiesen sie ihren Gemeinden mehr zu (+5,2 %). Dort schließlich wuchsen sowohl Zuweisungen als auch Zuschüsse (+9,8 % auf 146,9 Milliarden Euro) und darunter die Erstattungen an Träger im Sozialwesen (19,7 Milliarden Euro) sowie Sozialhilfe und sonstige soziale Leistungen (33,5 Milliarden Euro). Hier spiegelt sich offenbar die Reform des Bürgergeldes mit höheren Regelleistungen auch in der Sozialhilfe.

Bei den Ergebnissen ist zu beachten, dass ab dem 2. Quartal 2023 alle öffentlich bestimmten Verkehrsunternehmen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in den Öffentlichen Gesamthaushalt einbezogen werden. Hintergrund dafür ist, dass zur Finanzierung des zum 1. Mai 2023 eingeführten Deutschlandtickets die rund 440 öffentlichen ÖPNV-Unternehmen Zuweisungen und Zuschüsse von Bund und Ländern erhalten. Dadurch finanzieren sie sich nicht mehr überwiegend durch ihre Umsatzerlöse und werden nach dem Konzept der Finanzstatistiken ausnahmslos als Extrahaushalte klassifiziert. Das Hinzurechnen der Ausgaben und Einnahmen dieser ÖPNV-Unternehmen sorgt für Sondereffekte. So trägt es dazu bei, dass die Personalausgaben auf der Gemeindeebene deutlich stärker stiegen als bei Bund und Ländern, da die meisten dieser ÖPNV-Unternehmen – etwa 370 – der kommunalen Ebene angehören. Die Aufnahme der Unternehmen spiegelt sich auch im Anstieg der sonstigen laufenden Einnahmen, zu denen Gebühren und Entgelte zählen. Sie stiegen bei den Gemeinden um 19,8 % auf 34,0 Milliarden Euro, bei den Ländern um 12,6 % auf 21,7 Milliarden Euro und beim Bund um 24,6 % auf 22,1 Milliarden Euro.

Der überproportionale Anstieg der laufenden Sachausgaben beim Bund (+24,1 % auf 44,8 Milliarden Euro) geht ebenfalls zum Teil auf Ausgaben solcher ÖPNV-Einheiten zurück, von denen einige trotz regionalen Bezugs wegen ihrer Beteiligungsverhältnisse dem Bund zugerechnet werden (etwa die S-Bahnen in Berlin und Hamburg). Zum anderen Teil rührt er aus militärischen Beschaffungen, für die der Kernhaushalt 10,0 Milliarden Euro und das Sondervermögen Bundeswehr 3,1 Milliarden Euro ausgaben.

Bei den Ländern ergab sich mit Einnahmen von 382,6 Milliarden Euro (-2,9 %) und Ausgaben von 379,5 Milliarden Euro (+2,2 %) ein Überschuss von 3,1 Milliarden Euro, nach einem Überschuss von 22,4 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.

Bei den Gemeinden und Gemeindeverbänden wuchsen die Ausgaben (+12,0 % auf 259,1 Milliarden Euro) deutlich stärker als die Einnahmen um (+7,5 % auf 247,7 Milliarden Euro). Das Finanzierungsdefizit lag mit 11,4 Milliarden Euro um 10,6 Milliarden höher als im Vorjahreszeitraum.

Für die Sozialversicherung ergab sich ein Finanzierungsdefizit von 7,2 Milliarden Euro, wobei die Ausgaben (607,7 Milliarden Euro) und Einnahmen (600,5 Milliarden Euro) in etwa auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums lagen.
(dts Nachrichtenagentur)

Politik / DEU / Steuern
11.01.2024 · 08:24 Uhr
[0 Kommentare]
Politischer Aschermittwoch - Rheinland-Pfalz
Trier/Stuttgart (dpa) - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) strebt eine zweite Amtszeit nach der für 2029 geplanten Bundestagswahl an. «Ich habe schon noch vor, das eine längere Zeit zu machen», sagte der 70-Jährige beim Politischen Aschermittwoch in Trier und verwies darauf, dass sein Vater im Januar 102 geworden sei. An den rheinland-pfälzischen CDU- […] (03)
vor 1 Stunde
Fleur East hat darum gebeten, aus Simon Cowells Syco-Label 'entlassen' zu werden.
(BANG) - Fleur East hat darum gebeten, aus Simon Cowells Syco-Label "entlassen" zu werden. Die 38-jährige Sängerin wurde bekannt, nachdem sie 2014 das Finale von 'The X Factor' erreicht hatte. Sie verließ allerdings drei Jahre später ihren Plattenvertrag mit Showboss Simon (66), da sie es als zu belastend empfand, ständig mit Führungskräften über die […] (00)
vor 7 Stunden
Instagram
Los Angeles (dpa) - Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat in einem potenziell folgenschweren US-Prozess um das Suchtpotenzial sozialer Medien die Vorgehensweise seines Unternehmens verteidigt. So sagte Zuckerberg, dass der Facebook-Konzern Meta keine Ziele für Nutzungszeiten seiner Apps mehr setze, wie das «Wall Street Journal» aus dem Gerichtssaal in […] (00)
vor 5 Stunden
College‑Basketball erobert NBA 2K26 – Season 5 liefert neue Uni‑Inspirationen
Zum Countdown der spannendsten Phase der College-Basketball-Season startet 2K am Freitag, dem 20. Februar, Season 5 von NBA® 2K26. Die neue Season steht ganz im Zeichen des College-Basketballs und bringt frische, thematisch inspirierte Inhalte ins Spiel. Spieler: innen können ihren Teamspirit zeigen und sich mit aktuellen College-Stars sowie legendären […] (00)
vor 4 Stunden
«Amor Animal»: Argentinischer Liebesthriller startet am 20. März
Die neue Prime-Video-Serie erzählt von einer verbotenen Liebe zwischen Trap-Artistin und Millionärssohn – und einem Bandenkrieg, der alles eskalieren lässt. Am 20. März feiert Amor Animal weltweit Premiere bei Prime Video. Die argentinische Originalserie verbindet Liebesdrama, Action-Thriller und Musik zu einer Geschichte über gesellschaftliche Gegensätze, Leidenschaft und Gewalt. Produziert […] (00)
vor 2 Stunden
Mitglieder des Rettungsteams machen sich auf den Weg.
Truckee (dpa) - Es ist das verheerendste Lawinenunglück im US-Bundesstaat Kalifornien seit mehr als 40 Jahren: Nach einem Lawinenabgang nahe Castle Peak im Tahoe-Nationalwald sind acht Menschen tot aufgefunden worden. Ein weiterer wird noch vermisst und gilt wegen der Wucht des Abgangs und der Wetterlage als wahrscheinlich tot, wie Sheriff Shannan Moon […] (00)
vor 1 Stunde
kostenloses stock foto zu bargeldersatz, bitcoin, bitcoin-einführung
Bitcoin bewegt sich weiterhin in einer engen Handelsspanne, jedoch wird unter der Oberfläche eine strukturelle Schwäche immer deutlicher. Der Kurs bleibt unter der wichtigen Marke von 72.000 $, die nun als Widerstand fungiert. Die technische Gesamtsituation bleibt fragil, und kurzfristige Konsolidierungen könnten lediglich das Risiko weiterer […] (00)
vor 1 Stunde
Green Bridge Metals Corp. treibt Phase-1-Bohrprogramm für Serpentine voran
Lüdenscheid, 18.02.2026 (PresseBox) - Green Bridge Metals Corp. (ISIN: CA3929211025; WKN: A3EW4S) , Green Bridge oder das Unternehmen, freut sich, bekannt zu geben, dass das Unternehmen die langfristigen technischen und betrieblichen Arbeiten zur Vorbereitung eines für die zweite Hälfte des Jahres 2026 geplanten Diamantkernbohrprogramms der Phase 1 […] (00)
vor 8 Stunden
 
Winfried Kretschmann (Archiv)
Stuttgart - Baden-Württembergs scheidender Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat […] (04)
Küstenschutz bei List auf Sylt (Archiv)
Berlin - Die Bundesregierung stellt den Ländern bis 2040 fast eine Milliarde Euro für […] (00)
62. Münchner Sicherheitskonferenz
Berlin (dpa) - In der Debatte über eine europäische nukleare Abschreckung hat […] (01)
Schloss Bellevue (Archiv)
Berlin - Die schwarz-rote Regierungskoalition hat sich auf ein Datum für die nächste […] (00)
iPad Pro Design bleibt wohl vorerst unverändert
Wer auf ein baldiges, radikales neues Design beim iPad Pro hofft, muss sich laut […] (00)
Harald Lesch beschreitet Wege des Wissens
Warum entstehen an manchen Orten geniale Ideen – und welches geistige Klima brauchen sie, damit […] (00)
MyEmpire ist eine Online-Plattform, die zwei zentrale Bereiche der […] (00)
Katarina Witt
(BANG) - Bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand sorgte ein überraschendes […] (00)
 
 
Suchbegriff