OECD-Prognose: US- und Weltwirtschaft vor leichtem Abklingen
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gibt in ihrem aktuellen Bericht bekannt, dass sich das Abklingen der US- und Weltwirtschaft 2023 weniger drastisch gestalten wird als zuvor erwartet. Dennoch sei für 2026 mit einem deutlicheren Verlust an Dynamik zu rechnen, da steigende Zölle die wirtschaftliche Aktivität merklich belasten werden.
Laut der OECD wächst die US-Wirtschaft in diesem Jahr um 1,8 %, wohingegen für 2024 ein Wachstum von 2,8 % prognostiziert wird. Die Voraussagen für 2026 bleiben mit 1,5 % unverändert. Trotz der bisherigen Widerstandsfähigkeit zeigen einige Indikatoren bereits Schwächen, so der Chefökonom der OECD, Alvaro Pereira.
Die globale Wirtschaft wird dieses Jahr voraussichtlich um 3,2 % wachsen, leicht unter dem Zuwachs von 3,3 % im Jahr zuvor. Ein weiterer Rückgang auf 2,9 % wird für 2026 erwartet. Die OECD beobachtet insbesondere im zweiten Halbjahr ein Abflauen der Wirtschaftsimpulse, da der Anreiz, im Vorfeld steigender Zollabgaben Vorräte aufzubauen, entfällt.
Frühe Ergebnisse von Einkaufsmanagerumfragen des Septembers deuten in den USA, Indien, dem Vereinigten Königreich und Australien auf ein Rückgang der Geschäftstätigkeit hin, obwohl die Eurozone eine leichte Beschleunigung zeigte.
Zudem könnten steigende Zölle und Inflationsraten das Wirtschaftswachstum gefährden. Ein plötzlicher Einbruch der Aktienmärkte aufgrund wachsender Unsicherheit würde die Lage zusätzlich erschweren. Der US-Tarif auf Importe stieg zuletzt auf 19,5 %, den höchsten Stand seit 1933, was zu einem Anstieg der Inflation auf 3 % im Jahr 2026 führen soll.
Die OECD erwartet, dass die US-Notenbank Federal Reserve in Reaktion auf Anzeichen einer Schwächung am Arbeitsmarkt ihre Leitzinsen weiter senken wird. Präsident Trump erhöht den Druck auf die Federal Reserve, um eine schnellere Zinssenkung zu erreichen. Die Organisation betont, dass unabhängige Zentralbanken eher stabile Inflationen gewährleisten können.
Investitionen in neue Technologien haben die wirtschaftlichen Aktivitäten in den USA zwar gefördert, konnten die Zolllasten aber nicht vollständig abfedern. Ein Rückgang der Nettozuwanderung und der Abbau von Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst könnten das Wirtschaftswachstum zusätzlich bremsen.
Die OECD erneuert ihren Appell an die Mitgliedsstaaten, den Anstieg der Staatsverschuldung einzudämmen, um künftige fiskalische Risiken zu vermeiden. Die Sorge richtet sich besonders auf Industrieländer wie die USA und Frankreich. Entwicklungsstaaten genießen derzeit günstigere Kreditkonditionen als seit 2007, doch ohne durchgreifende Maßnahmen könnten Staaten unvorbereitet auf kommende wirtschaftliche Schocks treffen.

