Die Lage im Überblick

Neue Militärhilfen für Kiew in Aussicht

04. Juni 2025, 05:05 Uhr · Quelle: dpa
Der ukrainische Präsident Selenskyj erhofft vom Ausland weitere Hilfen. Die könnte von den Partnern Kiews kommen - der sogenannten Ramstein-Gruppe, die sich heute in Brüssel trifft.

Kiew/Brüssel (dpa) - Fast 1.200 Tage nach Beginn der russischen Invasion kann die Ukraine auf neue militärische Hilfe des Westens hoffen. Die Verteidigungsminister aus Deutschland, Großbritannien und zahlreichen anderen Staaten wollen heute in Brüssel weitere Militärhilfen für Kiew koordinieren. Zu dem Treffen der sogenannten Ukraine-Kontaktgruppe wird auch der ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umjerow erwartet. Er soll über die Lage an der Front informieren und sagen, welche Verteidigungsgüter seine Streitkräfte derzeit am dringendsten benötigen. 

Geleitet wird das Treffen im Nato-Hauptquartier in Brüssel von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und dessen britischem Kollegen John Healey. Die beiden Politiker ersetzen damit in dem Format erneut den früheren US-Verteidigungsminister Lloyd Austin, der die rund 50 Staaten umfassende sogenannte Ramstein-Gruppe initiiert und bis zum Regierungswechsel in Washington geleitet hatte. 

Die neue US-Regierung unter Präsident Donald Trump wollte diesen Job nicht fortführen. Sie setzt weniger auf Militärhilfe als darauf, Kiew und Moskau möglichst schnell zum Abschluss einer Waffenstillstandsvereinbarung bewegen. Andere Länder befürchten, dass dies zulasten der Ukraine gehen könnte.

Kritik an Moskaus Haltung

Der von Trump angepeilte Waffenstillstand bleibt unterdessen weiterhin außer Reichweite. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha forderte von Moskau eine Antwort auf ein Dokument mit Vorschlägen zu einer Friedenslösung ein, das der russischen Delegation am Montag bei der neuesten Runde von Friedensgesprächen in Istanbul übergeben worden war. «Wir fordern Russlands Antwort», schrieb Sybiha auf der Plattform X. «Jeder Tag des Schweigens beweist deren Wunsch, den Krieg fortzusetzen.»

Das Format der Istanbul-Gespräche sei zu Treffen über den Austausch von Kriegsgefangenen abgewertet worden. «Russland hat bisher jedes bedeutende Format einer für eine Waffenruhe abgelehnt», kritisierte Sybiha. «Dies wäre Grund genug für unsere Partner, neue Sanktionen gegen Russland zu verhängen, schon jetzt.»

Generalstab: Kämpfe in Region Donezk und im Grenzgebiet bei Sumy

Nach Angaben des Generalstabs in Kiew gab es im Tagesverlauf 134 russische Vorstöße. Immer noch ist Pokrowsk dabei einer der Schwerpunkte der russischen Angriffe. 

Eine weitere Offensive läuft demnach im Nordosten der Ukraine an der Grenze zu Russland. Der Generalstab bezeichnet die Lage etwas unscharf mit «Kursker Raum». Da praktisch keine ukrainischen Truppen mehr in der westrussischen Region Kursk selbst stehen, dürfte es sich vor allem um Angriffe auf die benachbarte ukrainische Region Sumy handeln. 

In der Nacht setzte das russische Militär erneut Drohnenschwärme gegen zahlreiche Ziele in der Ukraine ein. Nach Medienberichten wurden aus Städten wie Cherson und Odessa sowie Saporischschja zahlreiche Explosionen gemeldet. In Charkiw wurde mindestens ein Mensch durch herabfallende Trümmer einer Drohne verletzt.

Russische Angriffe: Atombehörde warnt vor Unfall in AKW

Angesichts der jüngsten russischen Angriffe auf die Ukraine warnt die internationale Atombehörde IAEA vor der Gefahr eines atomaren Unfalls in einem Kernkraftwerk. IAEA-Chef Rafael Grossi sagte bei einem Besuch in Kiew, die Präsenz seiner Organisation vor Ort sei auch mehr als drei Jahre nach Beginn des Kriegs unerlässlich, um die Gefahr eines schweren nuklearen Unfalls zu vermeiden. Die Lage sei auch für die nukleare Sicherheit weiter gefährlich. 

Die IAEA spielt seit Beginn des russischen Angriffskriegs beim Schutz und der Überwachung des Zustands und der Sicherheit der ukrainischen Kernkraftwerke eine zentrale Rolle. Sie schickt regelmäßig Experten-Teams zu den aktiven Reaktorstandorten in Riwne und Chmelnyzkyj und ist seit September 2022 dauerhaft im Atomkraftwerk Saporischschja, das seit März 2022 unter russischer Kontrolle steht. 

Selenskyj ändert Spitze der Militärführung

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Veränderungen an der Spitze der Militärführung vorgenommen. So sei der bisherige Heereschef Mychajlo Drapatyj von Organisationsaufgaben wie der Mobilmachung, dem Training und der Vorbereitung von Rekruten befreit worden, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. «Drapatyj wird sich als Kommandeur der Vereinigten Streitkräfte ausschließlich auf Gefechtsfragen konzentrieren, damit er sich zu 100 Prozent der Front widmen kann.» Der Kompetenzbeschneidung war ein fataler russischer Raketenangriff auf einen Truppenübungsplatz in der Region Dnipropetrowsk vorausgegangen.

Drapatyj selbst hatte als Konsequenz aus dem Fiasko, bei dem seinen Angaben nach zwölf Soldaten ums Leben kamen und Dutzende verletzt wurden, vor zwei Tagen per Telegram seinen Rücktritt angeboten. Doch der 42-Jährige gilt als einer der fähigsten ukrainischen Generäle. Beobachter gehen davon aus, dass Selenskyj nicht auf seine Führungsqualitäten an der Front verzichten wollte.

Zudem ernannte Selenskyj Oleh Apostol zum Chef der Fallschirmjägertruppen und Robert Browdi zum Chef der Drohnentruppen. 

Nato will Verteidigungsfähigkeiten extrem ausbauen

Angesichts der anhaltenden Bedrohung durch Russland will die Nato ihre militärischen Fähigkeiten zur Abschreckung und Verteidigung extrem ausbauen. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Bündniskreisen erfuhr, ist vorgesehen, die bisher gültigen Zielvorgaben um etwa 30 Prozent zu erhöhen. So sollen künftig etwa deutlich mehr weitreichende Marschflugkörper und Drohnen sowie Kapazitäten in Bereichen wie Luftverteidigung und Artillerie vorgehalten werden.

Um ein Erreichen der Vorgaben sicherzustellen, bekommen Deutschland und die anderen Mitgliedstaaten nun neue nationale Planungsziele zugewiesen. Sie sollen an diesem Donnerstag bei einem Verteidigungsministertreffen in Brüssel formell angenommen werden.

Konflikte / Krieg / Militär / Ukraine / Russland / Deutschland / Großbritannien / Europa
04.06.2025 · 05:05 Uhr
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