Nahost

Netanjahu verteidigt Krieg und verurteilt Kritiker

26. September 2025, 18:48 Uhr · Quelle: dpa
Partner wenden sich von Israel wegen der Kriegsführung in Gaza ab. Bei seiner Rede vor den UN findet Ministerpräsident Netanjahu deutliche Worte - und äußert sich zum Völkermord-Vorwurf.

New York (dpa) - In einer von Protest begleiteten Rede hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seine international heftig umstrittene Kriegsführung im Gazastreifen verteidigt und Kritiker scharf angegriffen. Vorwürfe des Völkermords und eines Hungerkrieges gegen die Palästinenser wies er zurück: «Würde ein Land, das Völkermord begeht, die angeblich angegriffene Zivilbevölkerung bitten, sich aus der Gefahrenzone zu entfernen?», fragte Netanjahu rhetorisch bei der UN-Generaldebatte in New York.

Dagegen bekomme die islamistische Hamas, die für den Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 auf Israel verantwortlich ist, einen Freibrief. «Was für ein Witz», schimpfte er. Zudem versuche Israel, jeden Schaden für Unbeteiligte zu vermeiden: «Für Israel ist jedes zivile Opfer eine Tragödie. Für die Hamas ist das eine Strategie».

Anerkennung von Palästina «wird eine Schande für Sie alle sein»

Mit scharfen Worten wandte er sich gegen eine Reihe von westlichen Staaten, die als Reaktion auf das israelische Vorgehen im Gazastreifen in den vergangenen Tagen einen Staat Palästina anerkannt hatten. Unter anderem Frankreich, Großbritannien, Kanada und Australien hätten damit eine klare Botschaft gesendet, sagte Netanjahu: «Juden zu ermorden, zahlt sich aus.» 

Netanjahu verurteilte die Staaten: «Sie haben etwas falsch gemacht, schrecklich falsch. Ihre schändliche Entscheidung wird den Terrorismus gegen Juden und gegen unschuldige Menschen überall auf der Welt fördern. Sie wird eine Schande für Sie alle sein.»

Israel habe derweil genügend Nahrungsmittel und Nothilfe in den Küstenstreifen mit zwei Millionen Bewohnern zugelassen: «Wenn es in Gaza nicht genug zu essen gibt, dann liegt das daran, dass die Hamas es stiehlt». Internationale Organisationen und die Vereinten Nationen haben für Teile des Gazastreifens eine Hungersnot erklärt und immer wieder direkt Israels Abriegelung des Gebiets für den Mangel an Nahrung verantwortlich gemacht.

Protest und Zwischenrufe - und Applaus

Zu Beginn der Rede hatten Dutzende Diplomaten aus Protest den Sitzungssaal am East River verlassen. Netanjahu, der mit stoischem Blick am Podium abwartete, sprach vor teilweise leeren Rängen. Während der Rede gab es vereinzelt Zwischenrufe, aber auch demonstrativen Applaus, offensichtlich von Unterstützern des Ministerpräsidenten unter anderem auf der Besuchertribüne.

Die israelische Zeitung «Haaretz» berichtete, einer der Zwischenrufe stammte von dem Vater einer israelischen Geisel im Gazastreifen. Er habe unter anderem «Mein Sohn ist in Gaza» gerufen.

Netanjahus Kriegsführung mit Zehntausenden getöteten Zivilisten in Gaza wird international mit wenigen Ausnahmen scharf kritisiert. Zuvor hatte die islamistische Hamas am 7. Oktober 2023 durch einen verheerenden Terroranschlag mit mehr als 1.000 Toten den Krieg ausgelöst. 

Der Rückhalt für die Regierung Netanjahu ist nach anfänglich großer Unterstützung bei vielen Partnern offenem Unverständnis gewichen. Dies beklagte Netanjahu: «Sicher, in den Tagen unmittelbar nach dem 7. Oktober unterstützten viele von ihnen Israel, doch diese Unterstützung verflog schnell, als Israel das tat, was jede Nation mit Selbstachtung nach einem solch brutalen Angriff tun würde: Wir wehrten uns.»

Hat Trumps neuer Friedensplan eine Chance?

Die Rede Netanjahus vor der UN-Vollversammlung war auch vor dem Hintergrund einer neuen Dynamik für einen Frieden in Nahost mit Spannung erwartet worden. Dabei reagierte Netanjahu nicht direkt auf einen neuen Friedensplan von US-Präsident Donald Trump, dem von Diplomaten Chancen für echte Fortschritte und ein Ende des Gaza-Krieges gegeben werden. Trump selbst machte am Freitag Hoffnung: «Ich denke, wir haben vielleicht eine Einigung zu Gaza», sagte er. 

Trump hatte den 21-Punkte-Plan in New York arabischen Staats- und Regierungschefs vorgelegt. Laut US-Medien umfasst der Vorstoß Forderungen nach einer dauerhaften Waffenruhe, der Freilassung der Geiseln und einem schrittweisen Rückzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen sowie einen Vorschlag für eine Regierung des Küstengebiets ohne Beteiligung der islamistischen Hamas.

Netanjahu will erst nach Trump-Treffen über Annexion entscheiden

Die arabischen Staaten verlangen unter anderem den Verzicht Israels auf die befürchtete Annexion von Teilen des Westjordanlands oder des Gazastreifens - Trump schien dem mit einer Aussage am Donnerstag zu folgen: «Ich werde es Israel nicht erlauben, das Westjordanland zu annektieren», sagte er. 

Der israelische Regierungschef hatte Medienberichten zufolge angekündigt, erst nach seinem für Montag geplanten Treffen mit Trump in Washington eine abschließende Entscheidung zu einer Einverleibung palästinensischer Gebiete treffen zu wollen. Diese wird von ultrarechten Koalitionspartnern des Ministerpräsidenten gefordert. In seiner Rede bei der Generaldebatte sprach Netanjahu nicht von einer offiziellen Einverleibung der Palästinensergebiete.

Worte direkt an die Geiseln in Gaza

Israels Ministerpräsident richtete dabei Worte direkt an die im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln. Er habe deshalb um den Gazastreifen große Lautsprecher anbringen lassen, die mit seinem Mikrofon verbunden seien in der Hoffnung, dass die Entführten ihn hörten, schilderte er in New York. Und sagte dann: «Wir haben Sie nicht vergessen, nicht eine Sekunde. Das israelische Volk steht hinter Ihnen. Wir werden nicht zögern und nicht ruhen, bis wir Sie alle nach Hause gebracht haben.»

Wie auch schon bei vergangenen Reden vor der Vollversammlung brachte Netanjahu mehrere Accessoires mit zu seiner Rede. Mithilfe von Postern verdeutlichte er erst den Verlauf von Kämpfen gegen proiranische Gruppierungen in der Region, dann nutzte er weitere für eine Art Mini-Quiz, bei dem er Fragen mit mehreren Antwortmöglichkeiten zeigte. Mit einem Stift machte er dann jeweils einen Haken hinter der Auswahlmöglichkeit «alle oben genannten», etwa: Sowohl der Iran als unter anderem auch die Hamas, die Hisbollah, die Huthi und Al-Kaida hassten sowohl Israel als auch die USA und Europa. «Unsere Feinde hassen uns alle mit gleichem Gift.»

Netanjahu bezog sich in seiner Rede auch auf Bundeskanzler Friedrich Merz. Dieser habe die Wahrheit gesagt, als er nach dem israelischen Angriff auf den Iran gesagt habe, dass Israel «die Drecksarbeit für uns alle» erledige. Weiter lobte der israelische Ministerpräsident US-Präsident Trump unter anderem für sein militärisches Vorgehen gegen den Iran und dessen Kampf gegen Antisemitismus in den Vereinigten Staaten.

Internationale Beziehung / Diplomatie / UN / Konflikte / Krieg / USA / Israel / Palästinensische Gebiete
26.09.2025 · 18:48 Uhr
[2 Kommentare]
Mädchen ertrinkt in Kiessee in Ostfriesland
Marienhafe (dpa) - Ein 13 Jahre altes Mädchen aus Marienhafe ist in einem Kiessee in dem ostfriesischen Ort ertrunken. Taucher bargen das Mädchen aus dem Gewässer, wie die Polizei mitteilte. Die Ermittlungen zur Ursache des Unglücks dauerten an. Am Nachmittag sei ein Notruf wegen eines vermissten Kindes an dem Badesee eingegangen. Bei sommerlichen […] (01)
vor 1 Stunde
Vielfältige Wälder Einer der größten Vorzüge Deutschlands sind seine abwechslungsreichen Naturlandschaften. Wälder sind ein wesentlicher Bestandteil dieser Landschaften. Sie finden sich in jeder Region des Landes und sind öffentlich zugänglich. Touristen, die Waldspaziergänge und Entspannung in der Natur genießen, haben eine große Auswahl. Nadelwälder […] (00)
vor 2 Stunden
Review: Scapade AirPass – Reisepasshülle mit Apple Find My Tracking
Die Scapade AirPass wirkt auf den ersten Blick wie ein klassisches Reise-Accessoire: eine schlichte, minimalistische Reisepasshülle ohne auffällige Extras. Erst beim zweiten Blick wird klar, dass hier mehr passiert als nur gutes Design. In das Produkt ist ein Tracking-Modul integriert, das direkt mit Apples „Wo ist?“-Netzwerk arbeitet. Damit […] (00)
vor 5 Stunden
Wer kennt das nicht: Eine App lädt zu langsam, das Menü wirkt unübersichtlich — und schon ist man weg. Digitale Plattformen kämpfen heute härter denn je um jeden Klick. Was macht den Unterschied zwischen Plattformen, die begeistern, und solchen, die Nutzer sofort wieder verlieren? Die Antwort liegt selten in einer einzigen Funktion — sondern im […] (00)
vor 2 Stunden
«30 Rock»-Darsteller Grizz Chapman mit 52 Jahren gestorben
Der aus der Kultserie «30 Rock» bekannte Schauspieler Grizz Chapman ist im Alter von 52 Jahren gestorben. Wie sein Cousin Donte Harrison, ehemaliger Spieler der Harlem Globetrotters, in sozialen Netzwerken bestätigte, starb Chapman am Freitag im Schlaf. Eine genaue Todesursache wurde zunächst nicht veröffentlicht. Harrison erklärte jedoch, Chapman habe über viele Jahre mit gesundheitlichen […] (02)
vor 7 Stunden
Tennis French Open
Paris (dpa) - Tennisspielerin Eva Lys hat zum zweiten Mal in ihrer Karriere die zweite Runde bei den French Open erreicht. Die 24-Jährige setzte sich in ihrem Auftaktmatch in Paris gegen die Kroatin Petra Marcinko mit 6: 3, 6: 0 durch. Ihre nächste Gegnerin ist die an Nummer 18 gesetzte Rumänin Sorana Cirstea. Für Tatjana Maria kam dagegen beim zwölften […] (00)
vor 50 Minuten
Investmentmarkt 2026: Chancen und Herausforderungen für kluge Anleger
Das Investmentjahr 2026: Ein Überblick Das Jahr 2026 präsentiert sich als ein spannendes Kapitel für Anleger und Investoren weltweit. Nachdem die Märkte 2025 mit überraschenden Kursgewinnen aufwarteten, stellt sich die Frage, wie nachhaltig dieser Aufwärtstrend wirklich ist. Die globale Wirtschaft befindet sich in einer Phase der Neuorientierung, geprägt von neuen Zinsszenarien, technologischen […] (00)
vor 56 Minuten
SurfaceTechnology GERMANY 2026: Intensive Gespräche und fachlicher Austausch
Hilden, 25.05.2026 (PresseBox) - Die SurfaceTechnology GERMANY 2026 vom 5. bis 7. Mai auf dem Messegelände in Stuttgart unterstrich ihre Position als zentraler Treffpunkt für die internationale Oberflächentechnik-Community. Über 4.600 Fachbesucher aus aller Welt informierten sich an den drei Messetagen an den Ständen der rund 210 nationalen und […] (00)
vor 6 Stunden
 
Finanzministerium (Archiv)
Berlin - Mehrere Ministerpräsidenten warnen den Bund vor einer Einkommensteuerreform […] (02)
Einbürgerung in Deutschland
Berlin (dpa) - Einige Unionspolitiker würden angesichts anhaltend hoher […] (00)
Totes Kind in Bretagne gefunden - zwei Teenager in Gewahrsam
Rennes (dpa) - In der französischen Stadt Rennes ist die Leiche eines elfjährigen […] (06)
Kai Wegner (Archiv)
Berlin - Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU) warnt die Bundesregierung vor einem […] (00)
Crazy Taxi kehrt zurück? SEGA macht Fans mit Mini-Teaser nervös
SEGA hat die Crazy Taxi -Fans mit nur fünf Sekunden komplett elektrisiert. Auf den […] (01)
Apple Intelligence: Großes visuelles Upgrade für Genmoji und Image Playground in iOS 27
Nach Informationen aus der aktuellen Ausgabe des Power On-Newsletters […] (00)
VOX-Profis ohne Profit
Am Vorabend waren Pferde-Experten zu sehen, am Nachmittag Deko-Experten. Gestern stand am […] (00)
bitcoin, crypto, stock, chart, trading, investing, analysis, iphone, finance, growth
Die US-amerikanische Börsenaufsichtsbehörde SEC hatte geplant, eine […] (00)
 
 
Suchbegriff