Investmentweek

Netanjahu fordert Regimewechsel im Iran – Eskalation mit unkalkulierbaren Folgen

17. Juni 2025, 11:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Israels Premier geht auf Konfrontationskurs: In einer Videobotschaft ruft Benjamin Netanjahu die Iraner offen zum Aufstand gegen das Mullah-Regime auf. Doch die Lage im Inneren bleibt komplizierter, als es von außen scheint.

Direkter Appell an die Bevölkerung

Der Ton aus Jerusalem wird schärfer. Nach den jüngsten israelischen Angriffen auf iranische Militäreinrichtungen und Nuklearanlagen nutzt Premierminister Benjamin Netanjahu die Bühne für eine neue Eskalationsstufe – und richtet sich dabei direkt an die iranische Bevölkerung. In einer Videobotschaft, untertitelt auf Persisch, ruft er das iranische Volk zum Widerstand auf.

Die Angriffe auf den Iran, so Netanjahu, richteten sich allein gegen die „atomare und ballistische Bedrohung des islamischen Regimes“. Für die Iraner selbst, so der Premier, eröffne sich eine historische Chance:

„Erhebt euch gegen dieses böse und mörderische Regime“, sagt Netanjahu und greift dabei die bekannte Parole der Protestbewegung auf: „Frau, Leben, Freiheit.“

Interne Konflikte und äußere Angriffe

Die Unzufriedenheit in der iranischen Bevölkerung ist real. Immer wieder kommt es zu Protesten: Arbeiter streiken, Rentner demonstrieren gegen ihre schwindenden Renten, die Wasserknappheit heizt im Sommer die Wut zusätzlich an. Und vor drei Jahren brachte die landesweite Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ Hunderttausende auf die Straßen, ausgelöst durch den Tod der jungen Mahsa Amini.

Doch trotz aller Unzufriedenheit sind die Iraner tief gespalten, was den Umgang mit den israelischen Angriffen angeht. Während Teile der Diaspora und einige ethnische Minderheiten wie Kurden und Balutschen den israelischen Kurs begrüßen, fürchtet die Mehrheit der Bevölkerung weitere Eskalation.

Die Angst vor einem Krieg und ausländischer Einflussnahme bremst den revolutionären Impuls vieler.

Netanjahus Videobotschaft auf Persisch ruft offen zum Sturz der iranischen Führung auf – doch die Angst vor Chaos lähmt weite Teile der Bevölkerung.

Schwere Verluste für das Regime – aber kein Umsturz in Sicht

Die israelischen Schläge haben das Regime empfindlich getroffen: Hochrangige Kommandeure der Revolutionsgarden, darunter sogar der Armeechef, wurden gezielt ausgeschaltet.

Berichten zufolge gelang es israelischen Agenten, das Atomprogramm zu infiltrieren. Öffentlichkeitswirksam veröffentlichte die israelische Armee Videomaterial aus der hochgesicherten Uran-Anreicherungsanlage Natanz.

Und dennoch: Experten bezweifeln, dass diese Schläge kurzfristig zu einem Regimewechsel führen. „Die Mittelklasse und die Arbeiterschicht sind unzufrieden, aber sie fürchten sich vor ausländischer Intervention“, sagt die Iran-Expertin Ezgi Uzun-Teker von der Yeditepe Universität in Istanbul.

Auch der Iran-Experte Simon Wolfgang Fuchs von der Hebrew University in Jerusalem sieht derzeit eher ein Zusammenrücken der Bevölkerung als eine revolutionäre Welle.

Exil-Opposition bleibt zersplittert

Unter den Exil-Iranern positionieren sich verschiedene Gruppen als Alternative zum Mullah-Regime. Eine zentrale Figur ist Reza Pahlavi, Sohn des gestürzten Schahs. Er ruft offen zum Sturz des Regimes auf und genießt insbesondere in den USA und Europa gewisse Sympathien.

Doch innerhalb des Irans ist sein Rückhalt überschaubar. „Dass Pahlavi über echte Autorität im Land verfügt, ist eine israelische Illusion“, urteilt Fuchs.

Auch die Volksmujaheddin bleiben politisch aktiv. In den 1980er Jahren führten sie blutige Anschläge gegen das Regime durch und arbeiten laut Medienberichten bis heute mit westlichen Geheimdiensten zusammen. Doch auch sie haben im Iran selbst kaum Unterstützung.

Reformer ohne Machtbasis

Die Reformkräfte im Iran konnten sich bislang nicht nachhaltig durchsetzen. Zwar existiert innerhalb des Systems eine Debattenkultur, doch namhafte Reformer stehen längst unter Hausarrest.

Selbst moderate Präsidenten wie Masud Pezekshian haben wenig Gestaltungsspielraum. Uzun-Teker beschreibt die Stimmung nüchtern:

„Das Volk ist desillusioniert. Die Reformer konnten in der Vergangenheit kaum echte Veränderungen durchsetzen.“

Die Revolutionswächter als Machtzentrum

Die entscheidende Hausmacht im Iran bleibt die mächtige Revolutionsgarde. Sie verfügt über eigene wirtschaftliche Strukturen, eigene Milizen und kontrolliert weite Teile des Sicherheitsapparats.

Trotz der jüngsten Verluste an der Spitze zeigt sich die Garde bislang kampfbereit. „Die Revolutionswächter werden alles daran setzen, das Regime zu stabilisieren“, sagt Fuchs. Ein Sturz des Regimes ohne ihre Mitwirkung erscheint derzeit kaum vorstellbar.

Militärdiktatur oder Bürgerkrieg als mögliche Szenarien

Die größte Gefahr für die Zukunft des Landes liegt derzeit weniger in einem raschen Regimewechsel als in einem möglichen Bürgerkrieg. Ein plötzlicher Sturz der Führung könnte eine chaotische Übergangsphase einleiten, in der sich keine einheitliche Opposition formieren kann.

Ethnische und politische Spannungen könnten schnell eskalieren. „Eine lange Übergangszeit mit großem Konfliktpotenzial ist wahrscheinlicher als eine stabile, neue Regierung“, warnt Uzun-Teker.

Langfristig könnte sich auch das System selbst transformieren. Denkbar wäre ein schleichender Übergang von der Theokratie zu einer offenen Militärherrschaft unter Kontrolle der Revolutionswächter – ohne den bisherigen religiösen Überbau, aber auch ohne echte demokratische Perspektive.

Netanjahus Wette auf den inneren Aufstand

Israels Premier setzt auf eine Destabilisierung von innen, doch die gesellschaftlichen Realitäten sprechen derzeit gegen einen schnellen Regimewechsel.

Netanjahus Appell an die Iraner mag international Schlagzeilen erzeugen, doch ob er tatsächlich das gewünschte Ergebnis auslöst, ist fraglich. Die iranische Innenpolitik bleibt hochkomplex, zersplittert und – trotz aller Krisen – bislang erstaunlich stabil.

Finanzen / Global
[InvestmentWeek] · 17.06.2025 · 11:00 Uhr
[0 Kommentare]
cryptocurrency, blockchain, bitcoin, money, finance, digital currency, wealth, crypto, exchange, technology
Ein aktueller Bericht hebt drei wesentliche Gründe hervor, warum Solana (SOL) im Vergleich zu Ethereum (ETH) ins Hintertreffen geraten ist, insbesondere aus einer Marktperspektive, die über tägliche Kursbewegungen hinausgeht. Marktexperte Dominic Basulto von The Motley Fool nennt Faktoren, die seiner Meinung nach die Anlegerstimmung beeinflusst und […] (00)
vor 30 Minuten
Olaf Scholz (Archiv)
Berlin - Der ehemalige SPD-Bundeskanzler Olaf Scholz soll die Leitung einer Kommission zur Zukunft der Entwicklungspolitik übernehmen. Das berichtet der "Tagesspiegel" unter Berufung auf "Regierungskreise". Zwar müssten die letzten Details zur genauen Aufgabenbeschreibung und Zusammensetzung noch geklärt werden, die Personalie Scholz sei jedoch gesetzt. […] (00)
vor 16 Minuten
Nicholas Galitzine hat zugegeben, dass er sich wie ein 'kompletter Betrüger' fühlte, als er zum ersten Mal sein He-Man-Kostüm anzog.
(BANG) - Nicholas Galitzine fühlte sich wie ein "kompletter Betrüger", als er zum ersten Mal sein He-Man-Kostüm anzog. Der 31-jährige Schauspieler verkörpert Prinz Adam und dessen Superhelden-Alter-Ego im neuen Film 'Masters of the Universe', und vor seiner dramatischen körperlichen Transformation für die Rolle gab er zu, dass er sich "unwürdig" fühlte, […] (00)
vor 11 Stunden
Teile aus dem 3D-Drucker für die Ukraine
Berlin/Kiew (dpa) - Die Ukraine hat eine Armee, die auch in Deutschland aktiv ist: Drukarmija (Druckarmee) heißt eine Freiwilligenorganisation, deren Aktivisten mit 3D-Druckern massenhaft kleine Plastikteile herstellen. Sie drucken fast alles, was Soldaten und Rettungskräfte der Ukraine bei der Abwehr der russischen Invasion brauchen: Drohnenzubehör, […] (00)
vor 20 Minuten
MSI gewinnt mehrere COMPUTEX 2026 Awards
MSI, ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich Gaming und High-Performance Computing, hat auf der COMPUTEX 2026 vier Best Choice Awards gewonnen. Den Höhepunkt bildet der Gold Award für die Flaggschiff-Grafikkarte GeForce RTX 5090 32G LIGHTNING Z. Die Auszeichnungen in den Bereichen Kernkomponenten, smarte Peripheriegeräte und ein Jubiläums- […] (00)
vor 9 Stunden
Tom Hardy steigt offenbar bei «Mobland» aus
Der Hollywoodstar soll nach Abschluss der zweiten Staffel nicht mehr zur Paramount+-Serie zurückkehren. Tom Hardy wird offenbar nicht mehr Teil von Mobland sein. Wie das US-Branchenmagazin „Variety“ unter Berufung auf Quellen berichtet, soll Hardy in einer möglichen dritten Staffel der Paramount+-Serie nicht mehr auftreten. Die Produktion der zweiten Staffel wurde bereits im März […] (00)
vor 7 Stunden
Alexander Zverev
Paris (dpa) - Bei seinem nächsten Anlauf auf den ersehnten ersten Grand-Slam-Turniersieg hat Tennisstar Alexander Zverev auch Unterstützung von Promi-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt erhalten. «Ich habe zwei wunderbare Behandlungen gehabt bei Dr. Müller-Wohlfahrt, die haben mir sehr geholfen», sagte der Weltranglistendritte. Wegen wieder aufgekommener […] (00)
vor 5 Minuten
KI auf IBM i: Warum Systemverständnis wichtiger wird als der nächste KI-Assistent
Ravensburg, 22.05.2026 (PresseBox) - Die Diskussion um Künstliche Intelligenz auf IBM i hat eine neue Phase erreicht. Während vor wenigen Monaten noch über Potenziale und Zukunftsszenarien gesprochen wurde, stehen heute konkrete Werkzeuge und praktische Einsatzmöglichkeiten im Mittelpunkt. Das zeigen aktuelle Gespräche mit Kunden sowie die Diskussionen […] (00)
vor 12 Stunden
 
finance, currency, bitcoin, crypto, cryptocurrency, investment, wealth, money, brown money, brown finance
Der Kurs von FET konsolidiert sich oberhalb von $0,20, nachdem er wochenlang […] (00)
Aufbruchstimmung in Nevada Der Bundesstaat Nevada ist zurzeit ein Zentrum für […] (00)
Bankenfusionen als strategische Notwendigkeit In der aktuellen wirtschaftlichen […] (00)
Hamburger Hafen (Archiv)
Berlin - Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) senkt ihre […] (00)
Investoren glauben: GTA 6 braucht eigentlich gar keine Werbung mehr
Der Hype rund um GTA 6 hat inzwischen ein Niveau erreicht, das selbst […] (00)
Ein strategischer Meilenstein für Japans Energiesicherheit Japan, ein wichtiger […] (00)
William, Prinz von Wales, hat angedeutet, ob er die bevorstehende Hochzeit von Taylor Swift und Travis Kelce besuchen wird.
(BANG) - William, Prinz von Wales, "hofft", zu Taylor Swift und Travis Kelces […] (00)
Apple Sports expandiert in über 90 neue Länder zur WM 2026
Apple hat seine kostenlose iPhone-App Apple Sports massiv ausgebaut. Die Anwendung […] (00)
 
 
Suchbegriff