Diplomatie

Nato und USA antworten auf Russlands Sicherheits-Forderungen

26. Januar 2022, 22:18 Uhr · Quelle: dpa
Inmitten zunehmender Spannungen in der Ukraine-Krise stellte Russland Forderungen nach Sicherheitsgarantien an die Nato und die USA - die als kaum erfüllbar galten. Nun wurden Antworten übermittelt.

Brüssel/Moskau/Washington (dpa) - Nach langem Drängen Moskaus haben die Nato und die USA im Konflikt um die Ukraine auf Forderungen Moskaus nach Garantien für die Sicherheit in Europa geantwortet.

Die schriftlichen Antworten der US-Regierung auf die Sorgen Moskaus sind nach den Worten von US-Außenminister Antony Blinken vollständig mit der Ukraine und den europäischen Verbündeten abgestimmt. «Wir haben ihren Input eingeholt und in die endgültige Fassung, die Moskau übermittelt wurde, eingearbeitet», sagte Blinken.

Im Ukraine-Konflikt kamen zudem Spitzendiplomaten in Paris zu Verhandlungen über eine Lösung der Krise zusammen. Die mehr als achtstündigen Gespräche blieben jedoch ohne konkrete Ergebnisse. Betont wurde eine angestrebte Festigung der Waffenruhe.

«Sicherheitsbedenken nicht berücksichtigt»

Das russische Außenministerium bestätigte den Erhalt des US-Schreibens. Zu den Inhalten wurde zunächst nichts bekannt. Der Außenpolitiker Alexej Tschepa im russischen Parlament kündigte eine entschlossene Reaktion Moskaus auf die Antwort aus Washington an. Zuvor hatte auch die Nato mitgeteilt, dass sich die Mitgliedstaaten auf eine Antwort zu Russlands Forderungskatalog geeinigt hätten. Bei der US-Initiative handelte es sich um ein zusätzliches Schreiben.

Der russische Außenpolitiker Leonid Sluzki betonte, die Schreiben aus Brüssel und Washington müssten erst einmal untersucht werden. «Aber nach den Aussagen des Generalsekretärs der Allianz und des US-Außenministers wurden die Sicherheitsbedenken Russlands nicht berücksichtigt», kritisierte er.

Nato bietet Moskau Gespräche an

Die Nato bot Russland Verhandlungen über eine Verbesserung der Beziehungen an, will allerdings nicht auf Moskaus Forderungen nach einem Stopp der Osterweiterung eingehen. «Wir sind bereit, uns die Sorgen Russlands anzuhören und eine echte Diskussion darüber zu führen, wie wir die fundamentalen Prinzipien der europäischen Sicherheit (...) bewahren und stärken können», sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg. Dazu gehöre aber auch das Recht aller Staaten, selbst über ihren Weg zu entscheiden.

Nach Angaben von Stoltenberg hat die Nato der russischen Regierung am Mittwoch konkret vorgeschlagen, die nach einem Spionage-Streit geschlossenen Vertretungen in Moskau und Brüssel wieder zu öffnen. Zudem wolle man die bestehenden militärischen Kommunikationskanäle in vollem Umfang nutzen, um die Transparenz zu fördern und Risiken zu verringern. Konkret schlage man vor, in einem ersten Schritt im Nato-Russland-Rat gegenseitige Unterrichtungen zu Manövern und Atompolitik vor. «Wir lesen. Studieren. Die Partner unseres Projekts studierten unser Projekt fast anderthalb Monate lang», sagte Russlands Vize-Außenminister Alexander Gruschko.

Russland hatte der Nato und den USA im vergangenen Monat den Entwurf einer Vereinbarung übergeben, in der der Kreml Sicherheitsgarantien in Europa verlangt. Unter anderem wird darin ein Ende der Nato-Osterweiterung gefordert, durch die sich Russland bedroht sieht. Insbesondere will der Kreml eine Aufnahme der Ukraine in das westliche Verteidigungsbündnis verhindern. Die USA und die Nato verdächtigen den russischen Präsidenten Wladimir Putin wiederum, einen Einmarsch in die benachbarte Ukraine zu planen. Der Kreml weist das zurück. Seine Forderungen an den Westen hatte der Kreml mit einem bedrohlichen russischen Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine flankiert.

USA: Keine Zusage für Ende der Nato-Ausweitung

Auch die US-Regierung erteilte der russischen Forderung nach verbindlichen Zusagen für ein Ende der Nato-Ausweitung erneut eine Absage. Es sei deutlich gemacht worden, «dass es Kernprinzipien gibt, zu deren Wahrung und Verteidigung wir uns verpflichtet haben», sagte US-Außenminister Blinken. Dazu gehörten die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine sowie das Recht von Staaten, ihre eigenen Bündnisse zu wählen.

Blinken zeigte sich im Ukraine-Konflikt von der deutschen Solidarität «absolut überzeugt». «Ich sehe eine sehr starke Solidarität in Bezug auf die Konsequenzen, die auf Russland zukommen werden, wenn es seine Aggression gegen die Ukraine erneuert, und zwar auf der ganzen Linie. Und das schließt Deutschland ein», sagte er in Washington. «Ich bin von der deutschen Solidarität absolut überzeugt (...).» Blinken reagierte damit auf die Frage nach Kritik an Deutschlands Plan, 5000 Militärhelme in die Ukraine zu liefern.

Klitschko empört über Berlin

Die Helme seien ein «ganz deutliches Signal: Wir stehen an Eurer Seite», sagte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD). Der Ukraine, die Waffenlieferungen im großen Stil für die Verteidigung gegen einen möglichen russischen Angriff gefordert hatte, reicht das aber bei weitem nicht aus. Der Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk, sprach von einem «Tropfen auf dem heißen Stein». Noch deutlicher wurde Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko: «5000 Helme sind ein absoluter Witz», sagte er der «Bild». «Was will Deutschland als nächstes zur Unterstützung schicken? Kopfkissen?» Unter anderem die USA und Großbritannien beliefern die ukrainische Armee mit Waffen.

Auch in Moskau werden angesichts der zunehmenden Eskalation im Ukraine-Konflikt Waffenlieferungen diskutiert - an die prorussischen Separatisten in der Ostukraine. Die Kremlpartei Geeintes Russland schlug vor, die abtrünnigen Gebiete in Luhansk und Donezk offiziell mit Militärgütern zu versorgen.

Wieder Gespräche im Normandie-Format

Vor dem Hintergrund der vielen Probleme wurde es als kleiner Hoffnungsschimmer gewertet, dass Russland und die Ukraine erstmals seit Beginn der aktuellen Spannungen im sogenannten Normandie-Format zusammenkamen. Moskau rief Kiew dabei zum Dialog mit den Kräften im Krisengebiet Donbass auf. Der Moskauer Unterhändler Dmitri Kosak kritisierte außerdem, dass die ukrainische Regierung bis heute keine Perspektive für die umkämpften Teile der Regionen Luhansk und Donezk vorgelegt habe.

Kosak beklagte, dass es unterschiedliche Sichtweisen auf den Minsker Friedensplan gebe. Eine Umsetzung der Beschlüsse von Minsk sei aber die Voraussetzung für die gewaltfreie Lösung des Konflikts. Der Kiewer Unterhändler Andrij Jermak bestätigte, dass es erhebliche Meinungsdifferenzen zwischen Moskau und Kiew gebe. Zugleich begrüßte er: «Wir sehen, dass die Waffenruhe funktioniert, es gibt ein paar Provokationen, aber sie funktioniert.» Es werde vor allem weiter an Mechanismen für ihre Festigung gearbeitet. Jermak sagte, das nächste Treffen sei in Berlin geplant.

Konflikte / Nato / Verteidigung / Moskau / Kreml / Antony Blinken / Russland / Ukraine / Gesamtzusammenfassung
26.01.2022 · 22:18 Uhr
[1 Kommentar]
Deutscher Computerspielpreis 2026
München/Berlin (dpa) - Das Detektivspiel «The Darkest Files» ist das beste deutsche Computerspiel 2026. Das Berliner Entwicklungsstudio Paintbucket Games gewann beim Deutschen Computerspielpreis in München in der mit 100.000 Euro dotierten Hauptkategorie – und heimste zudem 40.000 Euro für den Gewinn in der Kategorie «Bestes Serious Game» ein. Der […] (00)
vor 15 Minuten
Sir Ringo Starr weigerte sich, 'eine der traurigsten Zeilen' auf seinem neuen Album zu singen.
(BANG) - Sir Ringo Starr weigerte sich, "eine der traurigsten Zeilen" zu singen, die T-Bone Burnett für 'Long Long Road' geschrieben hat. Die Beatles-Legende hat sich für das neue, hochkarätig besetzte Country-Album wieder mit dem ikonischen Produzenten zusammengetan und gab zu, dass einige Texte zu herzzerreißend waren, um sie zu singen. Rückblickend […] (00)
vor 4 Stunden
Meta
Menlo Park (dpa) - Der Facebook-Konzern Meta schraubt nach nur drei Monaten die Ausgaben für KI-Infrastruktur noch einmal nach oben. Für das laufende Jahr stellt Meta nun Kapitalinvestitionen zwischen 125 und 145 Milliarden Dollar (107 bis 124,2 Mrd Euro) in Aussicht.  Die vorherige Spanne lag bei 115 bis 135 Milliarden Dollar. 2025 gab der Konzern vor […] (00)
vor 17 Minuten
Steam Deck 2 lebt noch! – Valve arbeitet weiter am Nachfolger
Valve hat den Steam Deck 2 nicht auf Eis gelegt. Im Gegenteil: Laut einer neuen Einordnung von PCGamer.com unter Berufung auf ein aktuelles Gespräch mit Pierre-Loup Griffais ist Valve weiter „hart am Arbeiten“ zum Nachfolger des Steam Decks. Eine konkrete Ankündigung oder einen Starttermin gibt es aber weiterhin nicht. Das ist vor allem deshalb […] (01)
vor 2 Stunden
Prime Video: Amazon-Dienste wachsen auf 13,427 Milliarden
Das Online-Versandhaus konnte seinen Umsatz auf 181,519 Milliarden US-Dollar steigern. Dank AWS konnten erneut hohe Gewinne erzielt werden. Das in Seattle ansässige Unternehmen veröffentlichte am Mittwoch die Quartalszahlen. Der Umsatz stieg innerhalb eines Jahres von 155,667 Milliarden US-Dollar in den Monaten Januar, Februar und März 2026 auf 181,519 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn vor […] (00)
vor 1 Stunde
Paris Saint-Germain - Bayern München
Paris (dpa) - Titelverteidiger Paris Saint-Germain muss im Rückspiel des Halbfinal-Krachers der Champions League beim FC Bayern München auf einen wichtigen Abwehrspieler verzichten. Wie der Club mitteilte, erlitt Achraf Hakimi beim 5: 4 im Hinspiel in Paris bei einem Zweikampf mit Konrad Laimer eine Verletzung am rechten Oberschenkel.  Der Marokkaner werde […] (00)
vor 2 Stunden
kostenloses stock foto zu aktienmarkt, anlagestrategie, berlin
Die aktuelle Preisstruktur von Bitcoin zeigt weniger eine klare Erholung in Richtung $80.000, sondern eher ein Spannungsfeld zwischen $76.000 und $78.000, in dem jede Kursbewegung genau beobachtet wird. Ein Krypto-Analyst, bekannt als Guru, hat nun eine technische Analyse veröffentlicht, die einen möglichen Kursverlauf skizziert, bei dem Bitcoin […] (00)
vor 36 Minuten
Backup. Firewall. MFA. Und dann? Wenn Recovery scheitert, zählt professionelle Datenrettung
Leipzig, 29.04.2026 (PresseBox) - Backup-Lösungen, Firewalls, Multi-Faktor-Authentifizierung, Endpoint Security und Zero-Trust-Konzepte gehören heute in vielen Unternehmen zur IT-Sicherheitsarchitektur. Sie reduzieren Risiken, schützen Zugänge und schaffen wichtige technische Barrieren. Doch sie beantworten nicht automatisch die entscheidende Frage im […] (00)
vor 4 Stunden
 
Sensation 1966 - Der weiße Wal im Rhein
Duisburg/Bonn (dpa) - Ein Wal auf Abwegen - die Geschichte gab es schon einmal: So wie im […] (00)
Tankstelle (Archiv)
Berlin - Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa verändert nur ein […] (04)
Schild für den Bundeskanzler (Archiv)
Berlin - Der Kabinettsbeschluss zur Gesundheitsreform war einstimmig. Das sagte der […] (02)
Nina Warken und Friedrich Merz am 29.04.2026
Berlin - Patientenschützer Eugen Brysch sieht durch die am Mittwoch vom […] (01)
Edge of Memories – Lauscht in die Vorschau zum Soundtrack
NACON  und  Midgar Studio  präsentieren fünf Titel aus dem Original-Soundtrack von  […] (00)
Anne Hathaway hat betont, dass keine Models aus 'Der Teufel trägt Prada 2' gefeuert wurden.
(BANG) - Anne Hathaway hat betont, dass keine Models aus 'Der Teufel trägt Prada 2' […] (00)
Paris Saint-Germain - Bayern München
Paris (dpa) - Beim Einzug in den Bankettsaal des Teamhotels wurden die Münchner […] (01)
Apple iPhone 20 soll gebogene Displaytechnologie erhalten
Im Jahr 2027 feiert das iPhone seinen zwanzigsten Geburtstag. Zu diesem besonderen […] (00)
 
 
Suchbegriff