DFB-Sportgericht

Nach Feuerzeugwurf: Punkte für Bochum, Einspruch von Union

09. Januar 2025, 21:48 Uhr · Quelle: dpa
Nach dem Feuerzeugwurf beim Spiel zwischen Union Berlin und Bochum werden dem VfL die Punkte zugesprochen. Die Berliner legen Einspruch ein.

Frankfurt/Main (dpa) - Der VfL Bochum darf sich nach der juristischen Aufarbeitung des Feuerzeugwurfs vorerst als Gewinner fühlen, doch Union Berlin legte nahezu umgehend Einspruch ein. 25 Tage nach dem Eklat beim unterbrochenen Bundesliga-Spiel (1:1) wertete das DFB-Sportgericht die Partie mit 2:0 für Bochum, deren Torwart Patrick Drewes durch ein von den Rängen geworfenes Feuerzeug verletzt worden war.

Der erwartete Einspruch der Berliner vor dem DFB-Bundesgericht ließ nur wenige Stunden auf sich warten. «Es ist schon schlimm genug, dass Personen bei Konzerten oder Sportveranstaltungen immer wieder Gegenstände auf Bühnen, in Innenräume oder auf den Rasen werfen», sagte Präsident Dirk Zingler. «Viel schlimmer ist es jedoch, wenn jemand versucht, sich aus diesen für keinen Veranstalter zu verhindernden Ereignissen einen Vorteil zu verschaffen.» Der eigentliche unsportliche Skandal habe nach dem Ereignis auf dem Rasen und heute vor Gericht stattgefunden.

Richter sieht keine Anhaltspunkte für Schauspiel

Nach Ansicht von Zingler schade dieses Urteil dem Fußball. Zuvor hatte das Sportgericht des für eben diese Sportart zuständigen nationalen Verbandes (DFB) dem Bochumer Einspruch gegen die Wertung stattgegeben. «Für eine besondere Schauspieleinlage von Herrn Drewes oder für ein Komplott oder eine Schmierenkomödie haben wir nicht die entsprechenden Anhaltspunkte bekommen», sagte Richter Stephan Oberholz nach der rund dreistündigen mündlichen Verhandlung auf dem DFB-Campus.

«Entscheidungen am Grünen Tisch sind immer das letzte Mittel, hier haben wir es aber mit Umständen zu tun, die uns kaum eine andere Möglichkeit gegeben haben», erklärte Oberholz weiter. Die Bochumer begrüßten die Entscheidung. «Wir sind glücklich, dass unsere Argumente vollumfänglich gehört wurden. Der Fußball ist trotzdem der Verlierer, wenn solche Dinge passieren», sagte VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig.

Partie in Berlin war mehr als 25 Minuten unterbrochen

Die Partie im Stadion An der Alten Försterei war am 14. Dezember in der 92. Minute für mehr als 25 Minuten unterbrochen, nachdem der Bochumer Schlussmann Drewes von einem aus dem Union-Block geworfenen Feuerzeug getroffen worden war und vom Feld musste. Die Berliner hatten angezweifelt, dass eine Verletzung bei Drewes vorgelegen habe. 

«Vorne links oben» am Kopf sei er getroffen worden, sagte der VfL-Keeper bei der Verhandlung im Saal Golden Goal auf dem DFB-Campus. «Das war schon ein Treffer, denn ich wahrgenommen habe.» 

Das Spiel wurde damals nach dem Vorfall und der Unterbrechung durch Schiedsrichter Martin Petersen ohne Drewes fortgesetzt und beendet. Da Bochum sein Auswechselkontingent bereits ausgeschöpft hatte, ging Angreifer Philipp Hofmann kurzzeitig ins Tor. Beide Teams passten danach den Ball lediglich hin und her, um die Begegnung zu beenden. 

Drewes wurde später im Krankenhaus untersucht. Ein Test auf Gehirnerschütterung sei unauffällig verlaufen, hieß es von Vereinsseite. Der 31-Jährige berichtete vor dem DFB-Sportgericht von Schwindel, Übelkeit und Schmerzen an der Einschlagstelle. Teamarzt Mark Sandfort nannte als Zeuge vor Gericht als erste Verdachtsdiagnose in dem Moment ein Schädelhirntrauma - «in leichter Form zwar, aber ausschließen konnte ich es nicht.» 

VfL-Spieler Passlack forderte auf dem Platz einen Spielabbruch

In Fan-Kreisen war Drewes vorgeworfen worden, geschauspielert zu haben. Und: Hat ihn sein Mitspieler Felix Passlack gar dazu angestiftet? Der Bochumer hatte kurz nach dem Feuerzeugwurf hinter vorgehaltener Hand etwas zu Drewes gesagt. «Ich habe ihm gesagt, dass er sich erst mal setzen und beruhigen soll», erklärte der befragte Passlack. «Ich spreche gerne mit vorgehaltener Hand.» Beim Schiedsrichter habe er «aus den Emotionen heraus» den Spielabbruch gefordert.

Referee Petersen war selbst bei einem DFB-Pokalspiel 2015 in Osnabrück von einem Feuerzeug an der Schläfe getroffen worden und erinnerte vor Gericht daran, dass er damals nicht weitermachen konnte: «Mir ist schummrig geworden, ich hatte weiche Knie.» 

Warum der Referee aus Stuttgart die Partie in Berlin nicht abbrach, erklärte der 39-Jährige ausführlich. Es habe keine Einwände von der Polizei gegeben, das Spiel nicht fortzuführen - und auch beide Mannschaften hätten es so gewollt. «Ein Spielabbruch ist durchaus erforderlich gewesen», kritisierte Oberholz das Vorgehen von Petersen.

«Irregulär weitergespielt worden»

Den Nichtangriffspakt beider Teams, von dem Petersen wusste, fand DFB-Chefankläger Anton Nachreiner «grob unsportlich». Zudem betonte der erfahrene Jurist: «Es ist hier irregulär weitergespielt worden.» Auch Richter Oberholz verurteilte so etwas, da so etwas zu einer Wettbewerbsverzerrung führe. Auch deshalb, weil das Spiel «nicht regulär beendet» worden sei, schloss Bochums Rechtsbeistands Joachim Rain eine Wiederholung aus: «Es ist nur ein Urteil gerechtfertigt: dass der VfL die Punkte bekommt.»

Wenn das Urteil bestehen bleibt, dann hat es auch sichtbare Auswirkungen auf die Tabelle - und den Abstiegskampf: Das bisherige Schlusslicht Bochum schließt durch den ihm zugesprochenen Sieg zum punktgleichen Vorletzten Holstein Kiel auf und hat nur noch zwei Zähler Rückstand auf den 1. FC Heidenheim. Union hatte den Feuerzeugwerfer nach eigenen Angaben ermittelt, eine Anzeige erstattet und ein dreijähriges Stadionverbot ausgesprochen.

Fußball / Bundesliga / VfL Bochum / DFB / Sportgericht / Prozesse / 1. FC Union Berlin / Deutschland / Berlin / Nordrhein-Westfalen
09.01.2025 · 21:48 Uhr
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