Nach Blutbad: Obama ruft zu Geschlossenheit auf

13. Januar 2011, 14:56 Uhr · Quelle: dpa

Washington (dpa) - Nach dem blutigen Anschlag auf eine demokratische Kongressabgeordnete in Arizona hat US-Präsident Barack Obama die Amerikaner zu mehr Toleranz und Nächstenliebe aufgerufen.

Die Tragödie müsse als Chance genutzt werden, den Umgang miteinander auf den Prüfstand zu stellen, sagte der Präsident bei einer Trauerfeier für die Opfer am Mittwochabend (Ortszeit) in Tucson. In Zeiten stark polarisierender Debatten sei es wichtig, «dass wir miteinander in einer Art reden, die heilend wirkt, nicht verletzend». Der Streit vor allem um die Rhetorik der Konservativen geht unvermindert weiter.

Am Samstag hatte ein offenbar geistig verwirrter 22-Jähriger die Abgeordnete Gabrielle Giffords niedergeschossen und sechs weitere Menschen getötet. Zu den Opfern gehörten auch ein Bundesrichter und ein 9-jähriges Mädchen. In Folge des Blutbades tobt in den USA eine Debatte über die politische Radikalisierung. Während die Linke in dem Land die mitunter militante Rhetorik der Konservativen für die Tragödie mitverantwortlich macht, weisen Amerikas Rechte dies als politisches Manöver zurück.

Die Republikanerin Sarah Palin, Galionsfigur der populistischen «Tea-Party»-Bewegung, wies in einer achtminütigen Videobotschaft die Kritik zurück, durch radikale Rhetorik das politische Klima vergiftet zu haben. «Wir müssen Gewalt verurteilen», sagte die ehemalige Gouverneurin von Alaska und mögliche Präsidentschaftskandidatin. Ihre Wortwahl - sie sprach von einer «Blutanklage» durch die Medien und politische Gegner - löste jedoch wiederum massive Kritik an ihr aus.

Ohne im Detail auf die Debatte einzugehen, rief Obama in seiner Rede zu mehr Geschlossenheit auf. «Wir sind vielleicht nicht in der Lage, alles Böse in der Welt zu stoppen, aber ich weiß, dass es ganz an uns selbst liegt, wie wir miteinander umgehen.»

Seine Worte ließen die 14 000 Anwesenden in einer Halle der Universität Arizona mehrfach applaudieren. Ebenso viele Menschen, für die keine Platz mehr in der Arena war, schauten sich die Zeremonie in einem benachbarten Stadion auf einer Großleinwand an. Sie kamen zum Trauern, doch ihr Präsident brachte sie zum Jubeln. Eine so schwierige Rede musste er selten halten, meinten Kommentatoren vor der Rede und urteilten danach, dass sie zu seinen besten gehört habe.

Mehrfach zitierte Obama aus der Bibel, die klar mache, dass es nicht auf jede Frage auch Antworten gebe. «Wenn eine Tragödie wie diese zuschlägt, ist es Teil unserer Natur, nach Erklärungen zu verlangen, zu versuchen, ein wenig Ordnung ins Chaos zu bringen.» Aber das dürfe nicht als weitere Möglichkeit genutzt werden, sich gegenseitig anzugreifen. «Ich glaube, wir können besser sein.»

Obama, in schwarzem Anzug mit schwarzer Krawatte, nahm sich Zeit, die Toten zu ehren. Für jedes einzelne Opfer fand er persönliche Worte. «Unsere Herzen sind gebrochen durch ihren plötzlichen Tod.»

Neben Obamas Frau Michelle nahmen viele hochrangige US-Politiker aus beiden Parteien an der Gedenkfeier teil. Auch Giffords' Ehemann, der Nasa-Astronaut Mark Kelly, war dabei. Bei besonders emotionalen Momenten drückten ihm die First Lady und Heimatschutzministerin Janet Napolitano fest die Hände.

Zuvor hatte Obama Giffords und die anderen bei dem Anschlag Verletzten im Krankenhaus besucht. Der Zustand der 40-Jährigen habe sich deutlich verbessert, sagte er hinterher. Nach seinem Besuch habe sie erstmals die Augen geöffnet, meinte der Präsident in seiner Rede und löste damit großen Jubel aus. «Sie weiß, dass wir hier sind und sie weiß, dass wir sie lieben und sie weiß, dass wir sie anfeuern werden auf ihrem schwierigen Weg.»

Das Repräsentantenhaus in Washington war derweil am Mittwoch zu einer Sondersitzung zusammengetroffen und hatte einmütig eine Resolution gegen die Gewalttat verabschiedet. Die Sitzung war streckenweise hochemotional. «Unsere Herzen sind gebrochen, aber unser Geist ist es nicht», sagte der Präsident der Kammer, John Boehner, mit Tränen in den Augen. Der republikanische Mehrheitsführer Eric Cantor nannte das Verbrechen eine «Attacke auf den Kern der Demokratie».

Kongress / Kriminalität / USA
13.01.2011 · 14:56 Uhr
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