Miran warnt vor zu hohen Zinsen: Fed unter Druck
Federal Reserve Governor Stephen Miran, ein überzeugter Anhänger von Präsident Donald Trump, hat Bedenken geäußert, dass Zentralbanker nicht ausreichend berücksichtigen, welchen Druck die Zinsen auf den amerikanischen Arbeitsmarkt ausüben. In seiner ersten Rede in seiner neuen Position bei einer Veranstaltung in New York erklärte Miran, er sehe die gegenwärtige Geldpolitik als zu restriktiv an und identifiziere erhebliche Risiken für das Beschäftigungsmandat der Fed. Zuvor leitete Miran den Council of Economic Advisers unter Trump, hat jedoch derzeit eine Auszeit genommen, um eine vakante Position im Fed-Vorstand zu übernehmen.
In der vergangenen Woche senkte die Fed erstmals seit Dezember die Kreditzinsen, um einer Verschlechterung des Arbeitsmarktes vorzubeugen, wie Fed-Vorsitzender Jerome Powell bei einer Pressekonferenz nach der Sitzung bekanntgab. Miran ist jedoch der Ansicht, dass die Fed noch einen langen Weg vor sich hat, um aufzuholen. Er argumentierte, dass der neutrale Zinssatz — ein theoretisches Niveau der Kreditkosten, das weder stimuliert noch dämpft — tatsächlich niedriger sei, als von den meisten Ökonomen angenommen. Damit üben die aktuellen Zinssätze seiner Meinung nach zu viel Druck auf die Wirtschaft aus.
Miran wies zudem darauf hin, dass einige Akteure nicht ausreichend berücksichtigen, wie Trumps politische Maßnahmen — wie seine Steuer- und Ausgabenpolitik sowie die rigorose Einwanderungspolitik der Administration — einen starken negativen Druck auf den neutralen Zinssatz ausüben könnten. Folglich ist Miran der Auffassung, dass der Leitzins der Fed "fast 2 Prozentpunkte niedriger" sein sollte, was acht Zinssenkungen um je ein Viertelprozentpunkt oder vier Halbprozentpunktkürzungen entsprechen würde. Solch drastische Zinssenkungen sind typischerweise in wirtschaftlich schwierigen Zeiten üblich.
In seiner Rede erörterte Miran die Rolle der Taylor-Regel in der geldpolitischen Entscheidungsfindung, ein Leitfaden für Zentralbanker, der den neutralen Zinssatz, die Inflation und wirtschaftliche Leistungskennzahlen berücksichtigt. Er legte dar, wie Trumps politische Maßnahmen die Berechnung der Taylor-Regel in der heutigen Wirtschaft beeinflussen könnten.

