Milliardenprojekt in Nordrhein-Westfalen: Blackstone plant Rechenzentrums-Campus am Rand des Ruhrgebiets
Bis zu vier Milliarden Euro für Standort Lippetal
Nach Informationen aus Finanzkreisen stellt Blackstone für den Bau eines Rechenzentrums im nordrhein-westfälischen Lippetal ein Investitionsvolumen von bis zu vier Milliarden Euro bereit. Grundlage ist der Kauf eines rund 27 Hektar großen Grundstücks von der Industriegebiet Westfalen GmbH, an der die Stadt Hamm und die Gemeinde Lippetal jeweils zur Hälfte beteiligt sind. Der Kaufvertrag wurde bereits im Dezember unterzeichnet.
Das Projekt könnte zu einem der größten IT-Infrastrukturvorhaben Deutschlands und zu einer der bedeutendsten Einzelinvestitionen in Nordrhein-Westfalen werden. Schon Ende 2025 hatte es Gespräche zwischen Blackstone und der Landesregierung über ein solches Vorhaben gegeben.
Partnerschaft mit US-Spezialist QTS
Blackstone arbeitet bei dem Projekt mit Quality Technology Services (QTS) zusammen, einem auf Hyperscale-Rechenzentren spezialisierten US-Unternehmen. Für QTS wäre es das erste Projekt in Deutschland. In Europa betreibt der Konzern bereits Standorte in den Niederlanden und entwickelt Anlagen in Großbritannien und Spanien, während das Kerngeschäft bislang in den USA liegt.
Nach Angaben der beteiligten Partner soll dem Grundstückskauf nun zügig das formelle Planungsverfahren folgen. Der Bürgermeister der Gemeinde Lippetal, Tobias Nillies, rechnet mit einer Dauer von rund zwei Jahren, bis Baurecht geschaffen ist.
Rechenzentren als Magnet für Kapital
Der geplante Campus passt in einen europaweiten Investitionstrend. Laut Branchenverband Bitkom hat sich die Rechenzentrumskapazität in Deutschland seit 2015 auf rund 3000 Megawatt verdoppelt. Für 2026 erwartet der Verband Investitionen von mehr als 15 Milliarden Euro, davon der Großteil in IT-Hardware, insbesondere Hochleistungschips für Künstliche Intelligenz.
James Seppala, Europa-Chef von Blackstone für das Immobiliengeschäft, bezeichnet Deutschland und speziell Nordrhein-Westfalen als besonders attraktiven Standort. Investoren wie DTCP, Nomura oder Lazard sehen in Rechenzentren ein Geschäft mit stabilem Wachstum und langfristig kalkulierbaren Erträgen – trotz hoher Anfangsinvestitionen.
KI-Gigafactory noch offen
Ob in Lippetal eine sogenannte KI-Gigafactory entstehen soll – also ein Rechenzentrum mit zehntausenden spezialisierten Prozessoren für das Training großer Sprachmodelle –, ist bislang offen. Blackstone erklärte, dass über Größe und technische Ausrichtung noch nicht abschließend entschieden sei. Klar ist jedoch: Der Campus soll für Cloud- und KI-Anwendungen ausgelegt werden und damit in einem der dynamischsten Segmente der digitalen Wirtschaft angesiedelt sein.
Standortvorteile: Strom, Netze, Fachkräfte
Ausschlaggebend für die Standortwahl sind nach Angaben aus Finanzkreisen mehrere Faktoren: ein leistungsfähiges Stromnetz durch die Nähe zum Ruhrgebiet, gute Anbindung an Glasfaser- und Übertragungsnetze sowie der Zugang zu qualifizierten Fachkräften. Letzteren soll unter anderem die Hochschule Hamm-Lippstadt liefern.
Für die Landesregierung in Düsseldorf ist das Projekt ein strategischer Erfolg. Nordrhein-Westfalen konkurriert mit Bundesländern wie Bayern oder Brandenburg um Großansiedlungen im Rechenzentrumsbereich. Ein Milliardenprojekt von Blackstone würde die Position des Landes im europäischen Wettbewerb um digitale Infrastruktur deutlich stärken.


