Investmentweek

Milliardengrab Volksbanken: Wie vier Genossenschaftsbanken ihre Grundprinzipien verrieten

02. Juli 2025, 20:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Sie galten als solide, regional verwurzelt und risikoarm. Nun stehen vier Genossenschaftsbanken mit Milliardenverlusten da. Die Branche ist in Alarmbereitschaft – und fragt sich, wie es so weit kommen konnte.

Ein Tabubruch mit Ansage

Die Raiffeisenbank im Hochtaunus wollte anders sein. Keine Filialen, dafür hohe Zinsen, bundesweite Großkredite und ein schickes Onlinekonto. Vorstandschef Achim Brunner war überzeugt, den angestaubten Genossenschaftssektor neu zu erfinden. Es ging schnell – zu schnell.

Innerhalb weniger Jahre wuchs das Institut rasant, sammelte Kundengelder wie ein Fintech und versprach satte Dividenden auf Genossenschaftsanteile. Doch das Fundament war wackelig.

2025 musste die Bank mit über 300 Millionen Euro aus dem Sicherungssystem der Volks- und Raiffeisenbanken gestützt werden. Ein Debakel – und erst der Anfang.

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1,2 Milliarden Euro später

Brunners Fall ist nicht der einzige. Drei weitere Volksbanken – in Bad Salzungen, Düsseldorf-Neuss und Dortmund-Nordwest – mussten ebenfalls gerettet werden. Gemeinsam belaufen sich die Hilfen auf rund 1,2 Milliarden Euro. Für vier vergleichsweise kleine Institute eine erstaunlich hohe Summe.

Dabei galten Genossenschaftsbanken lange als Fels in der Brandung. Stabil, vorsichtig, kundennah. Jetzt erschüttert eine Kette von Pannen, Fehlentscheidungen und Übermut das Image einer ganzen Branche.

Geld genug – aber wer kontrolliert eigentlich wen?

Das Problem liegt tiefer. Viele der gestützten Banken haben riskante Entscheidungen getroffen, ohne dass jemand ernsthaft eingriff. Weder die internen Gremien noch die Wirtschaftsprüfer der Verbände noch der Bundesverband BVR haben die Reißleine gezogen.

„Einige Vorstandschefs glauben offenbar, sie seien klüger als der Rest der Welt“, sagt ein Genobank-Manager hinter vorgehaltener Hand. Und das Wissen, dass der Sicherungsfonds im Zweifel rettet, lässt die Risikofreude offenbar steigen.

Der Fall Bad Salzungen: Bordelle, Effenberg, 560 Millionen Euro

Die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden ist das schillerndste Beispiel. Bekannt als „Effenberg-Bank“ (Ex-Fußballstar Stefan Effenberg war dort einmal als Berater tätig), wurde das Institut mit 560 Millionen Euro gestützt. Unter anderem, weil es Bordell-Immobilien in Oberhausen finanzierte.

Rettungsmission aus eigener Tasche: Über 1,2 Milliarden Euro musste die genossenschaftliche Sicherungseinrichtung zuletzt aufbringen – für gerade einmal vier Volksbanken mit zusammen nicht einmal sieben Milliarden Euro Bilanzsumme.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Untreue. Der frühere Vorstand ist abgetaucht. Für viele in der Branche ist der Fall ein Lehrstück, wie sich Genossenschaftsbanken von ihren Prinzipien entfernt haben.

Neuss, Dortmund, Konstanz: Spekulation, Betrug, Influencer

Auch die Volksbank Düsseldorf-Neuss sorgte für Schlagzeilen. Dort verschwand 2023 ein dreistelliger Millionenbetrag, den ein französischer Modekonzern überwiesen hatte – offenbar durch einen Betrug im eigenen Haus. Kiabi fordert das Geld zurück. Zusätzlich gibt es Ausfälle bei Gewerbeimmobilien.

In Dortmund-Nordwest spekulierte man sich bei Immobilienfonds, die Bank musste mit 130 Millionen Euro gestützt werden.

Und in Konstanz vergab die dortige Volksbank Immobilienkredite über das Netzwerk eines umstrittenen Finanzinfluencers – zu teuren Preisen, mit satten Provisionen. Kunden stehen nun mit überteuerten Objekten da. Die Bank hat Anzeige erstattet.

Ein System, das sich selbst nicht mehr versteht

Wie konnte das alles passieren? Ein Blick auf die Struktur der Genossenschaftsbanken liefert Erklärungen. Aufsichtsräte sind häufig Ehrenamtliche mit wenig Bankwissen. Die Wirtschaftsprüfer gehören zum eigenen Verbund. Kritische Fragen? Selten.

„Da sitzen Leute, die die Risiken gar nicht erkennen können“, sagt ein Insider. Die Bundesbank fordert inzwischen bessere Qualifikationen – und mehr Unabhängigkeit bei den Kontrollen.

Reformen ja – aber bitte nicht zu viele

BVR-Präsidentin Marija Kolak kündigte bereits Reformen an: schärfere Aufsicht, strengere Regeln, höhere Beiträge für risikofreudige Banken. Doch der Widerstand ist groß. Viele Vorstände wollen keine Zentralisierung. „Wir sind keine Konzernzentrale“, heißt es.

Doch ohne Konsequenzen wird es nicht gehen. Schon jetzt flüstern Banker über weitere Wackelkandidaten. Einzelne Institute sollen in der Boomphase viel zu spät in den Immobilienmarkt eingestiegen sein – und könnten bei fallenden Preisen Probleme bekommen.

Was bleibt: Ein massiver Reputationsschaden

Die Genossenschaftsbanken sind kein Nischensektor. Mit 17,6 Millionen Mitgliedern und einem Marktanteil, der weit über dem vieler Privatbanken liegt, tragen sie Verantwortung. Jahrelang galten sie als Vorbild. Nun stolpern sie über ihre eigenen Versprechen.

Eine Milliarde kann man verkraften. Den Vertrauensverlust weniger leicht.

Finanzen
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[1 Kommentar]
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