Leichtathletik

Mihambos Rückkehr an den Gold-Ort - «Erinnerungen im Herzen»

10. September 2025, 10:02 Uhr · Quelle: dpa
Malaika Mihambo genießt ihre Rückkehr nach Tokio, wo sie 2021 Olympiagold gewann. Bei der WM 2025 zielt sie auf einen neuen Triumph im Weitsprung ab, trotz Herausforderungen.

Tokio (dpa) - Die Tagebücher aus dem Jahr ihres größten Triumphs hat Malaika Mihambo vor der Rückkehr nach Tokio nicht wieder hervorgekramt. «Nein, die liegen weiter in der Kiste», sagt die Weitsprung-Olympiasiegerin von 2021 und lacht. «Wenn ein Tagebuch geschrieben ist, nehme ich es nicht mehr oft zur Hand. Die Erinnerungen trage ich in meinem Herzen. In der Gegenwart muss man noch mal von null anfangen.»

Gold in Tokio 2021 - und auch 2025?

Das gilt für Deutschlands Leichtathletik-Star auch vor dem Wettkampf an dem Ort, der durch Olympia-Gold vor vier Jahren für sie immer besonders bleiben wird. Doch diese Erinnerungen sind aktuell «wenig hilfreich für mich. Ich visualisiere eher den zukünftigen als den vergangenen Erfolg, wenn ich an Tokio 2025 denke», sagt Mihambo im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur vor den Weltmeisterschaften, die an diesem Samstag in der japanischen Metropole beginnen. 

Die gebürtige Heidelbergerin ist gleich am ersten WM-Tag in der Qualifikation (11.30 Uhr deutscher Zeit) gefordert, ehe am Sonntag (13.40 Uhr deutscher Zeit) das Finale auf dem Programm steht - mit der Hoffnung auf einen Gold-Coup wie vor vier Jahren.

«Einfach schön am Strand»

Tokio 2021 - das war ein Zentimeter-Thriller, den Mihambo im letzten Versuch für sich entschied. Es waren die Corona-Spiele vor leeren Rängen, bei der Siegerehrung trug Mihambo die in Pandemiezeiten obligatorische Maske.

Beim WM-Countdown für Tokio 2025 begleiteten Mihambo trotz allem Fokus auf das Hier und Jetzt unwillkürlich auch Erinnerungen an damals. Wege, Hotel, Trainingsstadion - all das kannte Mihambo noch zu gut. Aber im Gegensatz zu den Corona-Spielen konnte sich die dreimalige deutsche Sportlerin des Jahres diesmal entspannter auf die WM vorbereiten. Es sei schön gewesen, zurückzukommen «und jetzt nicht unter Quarantäne zu stehen», äußert Mihambo.

«Es ist einfach schön, jetzt auch noch mehr von der Umgebung nutzen zu können, mal nachmittags an den Strand zu gehen», sagt die 31-Jährige. Wenngleich sie nach der WM noch «ein paar Wochen» in Japan bleiben will, steht erst mal alles andere als Urlaub an. Nach den WM-Titeln 2019 und 2022 und der verpassten Weltmeisterschaft 2023 will Mihambo wieder um Spitzenplatzierungen mitspringen. Und diesmal in Tokio vor vollen Rängen und erhoffter Gänsehaut-Atmosphäre statt Geister-Olympia.

Nach WM-Nullnummer: DLV will wieder Medaillen

Ohne Mihambo ging der Deutsche Leichtathletik-Verband bei der WM vor zwei Jahren in Budapest leer aus. In Japan soll der leichte DLV-Aufwärtstrend der Olympischen Spiele von Paris fortgesetzt werden. In Topform präsentiert sich in diesem Jahr Speerwerfer Julian Weber, der die Weltjahresbestenliste anführt. Im Zehnkampf zählen Leo Neugebauer und Niklas Kaul zu den Medaillenhoffnungen. Nach ihrem Olympiasieg in Paris hofft Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye erneut auf eine vordere Platzierung. Topfavoritin ist sie auch dieses Mal aber nicht. 

Goldfavoritin im Weitsprung ist die Amerikanerin Tara Davis-Woodhall. Schon vor einem Jahr in Paris, als Mihambo nach dem Wettkampf geschwächt von einer Corona-Infektion als Silbermedaillengewinnern im Rollstuhl aus dem Stade de France geschoben werden musste, feierte Davis-Woodhall den Sieg. Die 26-Jährige sprang in der laufenden Saison mit 7,12 Metern am weitesten. Mihambo landete in der Halle bei 7,07 Metern, im Freien bei 7,01 Metern. Doch gerade sie ist dafür bekannt, auf den Punkt nervenstark zu liefern. 

Umstellung beim Anlauf

«Wenn Malaika gesund an den Start geht, kann sie immer um die Medaillen mitspringen», sagt Trainer Ulli Knapp, der einen erneut packenden Wettkampf im Nationalstadion erwartet. «Die Konkurrenz ist in diesem Jahr extrem stark. Ich denke, dass Gold mit einer Weite zwischen 7,10 und 7,20 Metern vergeben wird. Für eine Medaille muss man bei der WM wahrscheinlich über sieben Meter springen.»

Auf dem Weg zurück nach Tokio musste Mihambo in dieser Saison eine Herausforderung beim Anlauf meistern. «Wir haben im Laufe der Saison den Anlauf modifiziert, weil der Anlauf zu Beginn der Saison zu inkonstant war. Malaika ist jetzt wesentlich stabiler unterwegs», sagt Knapp. 

WM-Abschied? Das sagt Mihambo

«Beim Diamond-League-Meeting in Zürich, das wir aus dem Training heraus absolviert haben, hat der veränderte Anlauf gut funktioniert», sagt der Trainer. In Zürich wurde Mihambo hinter der Italienerin Larissa Iapichino Ende August knapp Zweite. «Ich hoffe, dass sich diese positive Entwicklung in Tokio fortsetzen wird. Die letzten Wochen haben Malaikas Selbstsicherheit weiter gestärkt», äußert Knapp.

Bis zum 21. September kämpfen die weltbesten Leichtathletinnen und Leichtathleten in der japanischen Metropole um Medaillen. Wenn es nach Mihambo geht, wird es für sie nicht der WM-Abschied werden. «Die Gefahr ist – Stand jetzt – nicht so hoch. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die WM 2027 in Peking meine letzte sein wird», so die 31-Jährige.

Leichtathletik / WM / Weitsprung / Baden-Württemberg / Deutschland / Japan
10.09.2025 · 10:02 Uhr
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