Toter Buckelwal

«Timmy» bleibt Dauerthema: Obduktion und Anzeigen

01. Juni 2026, 14:33 Uhr · Quelle: dpa
Toter Wal vor dänischer Insel Anholt
Foto: Marcus Golejewski/dpa
Der tote Wal wird an Land der dänischen Insel Anholt gezogen.
Buckelwal «Timmy» schreibt auch nach seinem Tod weiter Geschichten: Er beschäftigt die Staatsanwaltschaft in Schwerin wie wohl kein anderes Tier - und wird nun obduziert.

Anholt/Schwerin (dpa) - Seit Monaten ist Buckelwal «Timmy» Thema in Deutschland - und er bleibt es auch noch Wochen nach seinem Tod. Während auf der dänischen Insel Anholt die Vorbereitungen für eine umfassende Obduktion des Kadavers laufen, sieht sich die Staatsanwaltschaft Schwerin mit einer Flut von Anzeigen und Hinweisen konfrontiert.

Dreistellig sei mittlerweile die Anzahl der Vorgänge mit Wal-Bezug, sagte Jonas Krüger, Sprecher der Ermittlungsbehörde, der Deutschen Presse-Agentur. Diese Masse an Eingaben sei für die Staatsanwaltschaft seines Wissens ein neues Phänomen. Sie stammen demnach nicht nur aus Mecklenburg-Vorpommern, landen aber wegen der Zuständigkeit trotzdem in Schwerin.

Es handle sich nicht nur um Anzeigen, sondern teils auch um Hinweise. Menschen hätten etwa ihre Hilfe angeboten und das gleich an viele Stellen geschickt. «Ich kann auch mit Walen reden», habe etwa jemand geschrieben. Es seien «aberwitzige» Dinge dabei, sagte Krüger.

Minister Backhaus angezeigt - mit gegenteiligen Vorwürfen

Die vorliegenden Anzeigen gingen in unterschiedliche Richtungen. Aus der Zeit, als man sich zeitweise dafür entschieden habe, den Wal weitgehend in Ruhe zu lassen, stammten etwa Vorwürfe der unterlassenen Hilfeleistung. Später gingen laut Krüger Anzeigen mit Verweis auf das Tierschutzgesetz ein, die sich gegen die Transportmaßnahmen richteten.

Anzeigen richteten sich gegen verschiedenste Menschen, etwa gegen Beteiligte des Transports. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) sei wegen allem Möglichen angezeigt worden - weil er nichts gemacht habe, weil er etwas unternommen habe. Unter anderem seien auch Mitarbeiter des Deutschen Meeresmuseums, das an der Bergung nicht beteiligt gewesen sei, angezeigt worden.

Krüger habe den Eindruck, dass praktisch jeder und jede, der oder die auch dank der Medienberichterstattung mit dem Wal in Verbindung gebracht worden sei, angezeigt worden sei. Selbst Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), die sich aus dem Fall des Wales herausgehalten habe, habe es getroffen.

Vorgänge von anderswo nach Schwerin weitergeleitet

Die Zuständigkeit Schwerins liegt laut Krüger darin begründet, dass sich der Wal lange Zeit vor der Insel Poel befand. Für diesen Bereich sei das Amtsgericht Wismar und damit wiederum die Schweriner Staatsanwaltschaft zuständig.

Wenn jemand andernorts in Deutschland etwa online eine Anzeige stelle, werde diese in der Regel an die für den Wohnort zuständige Polizeidienststelle weitergeleitet, erklärte Krüger. Die Polizei gebe den Vorgang weiter an die jeweils zuständige Staatsanwaltschaft, die es nach Schwerin weiterleite.

Krüger konnte nicht abschätzen, wie viel noch auf die Schweriner zukommt. Auch inwiefern tatsächlich Anhaltspunkte für Ermittlungen vorlägen, sei unklar. Teils würden Vorgänge auch gegebenenfalls noch zusammengefasst. So oder so - sichten müsse die Behörden alle Eingänge.

Obduktion wird vorbereitet

Derweil laufen auf der dänischen Insel Anholt die Vorbereitungen für die Untersuchung des Buckelwals. Ein Bergungsteam hatte den Kadaver des Tieres am Wochenende mit einem Stahlseil aus dem flachen Wasser auf den Strand gezogen. Mit Hilfe eines Radladers wurde nun der sandige Untergrund rund um den Wal geglättet. Anschließend wurden einige Metallplatten ausgelegt.

Donnerstagnachmittag wollen Tierärzte und Wal-Experten den Kadaver untersuchen. Die Obduktion soll etwa sechs Stunden dauern. Ziel ist, herauszufinden, woran das Tier gestorben ist. Ursprünglich hatten die dänischen Behörden versucht, den Kadaver in einen Hafen zu ziehen. Weil das missglückte, soll der Wal nun direkt am Strand obduziert werden. Absperrband rund um den Kadaver soll bis dahin Schaulustige fernhalten. Die Behörden hatten immer wieder vor Ansteckungsgefahr gewarnt.

Tier / Behörden / Politik / Recht / Wissenschaft / Mecklenburg-Vorpommern / Dänemark
01.06.2026 · 14:33 Uhr
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