Gewalttat

Messerangriff in Hamburg: Verdächtige war in Psychiatrie

25. Mai 2025, 15:42 Uhr · Quelle: dpa
An einem vollen Bahnsteig im Hamburger Hauptbahnhof werden 15 Menschen mit einem Messer verletzt, weitere kommen zu Schaden. Die Verdächtige war Behörden bereits bekannt.

Hamburg (dpa) - Nach dem Messerangriff im Hamburger Hauptbahnhof mit 18 Verletzten kommen immer mehr Erkenntnisse zur Vorgeschichte der Verdächtigen ans Licht. Wie ein Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums bestätigte, wurde die Frau am Tag vor der Attacke aus einer Psychiatrie im Landkreis Cuxhaven entlassen. Dort war sie zuvor behandelt worden. 

Nach Auskunft der Klinik gab es zum Zeitpunkt der Entlassung keinen medizinischen Befund, der eine weitere Unterbringung gerechtfertigt hätte. Über ihre Krankheit macht das Ministerium zum Schutz der Persönlichkeitsrechte und wegen der ärztlichen Schweigepflicht keine weiteren Angaben. 

Derweil hat die Verdächtige die Tathandlung vor dem Haftrichter inzwischen eingeräumt. Das teilte eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft Hamburg auf Anfrage mit. Die 39-Jährige war am Freitagabend festgenommen worden, nachdem sie am Bahnsteig wahllos um sich gestochen haben soll. 

Ein Haftrichter hatte die Unterbringung der Verdächtigen in einer psychiatrischen Klinik angeordnet. Der Unterbringungsbefehl laute auf versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in 15 Fällen, teilte die Polizei mit.

Tatverdächtige war drei Wochen in Klinik

«Der Unterbringungsbefehl bezieht sich auf die Personen, die unmittelbar mit dem Messer verletzt wurden und dadurch Schnitt- oder Stichverletzungen unterschiedlicher Schwere erlitten haben», erklärte die Polizei in ihrer Mitteilung. Insgesamt seien 18 Menschen in Krankenhäuser gebracht worden - die übrigen erlitten demnach aber andere Verletzungen, «beispielsweise durch einen Sturz oder Schock». 

Die Frau sei Anfang Mai hilflos gefunden worden, teilte ein Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums mit. Sie sei daraufhin eingewiesen und für drei Wochen in einer Klinik behandelt worden.

Bevor jemand aus einer Psychiatrie entlassen wird, werden laut Ministerium verschiedene medizinische, rechtliche und soziale Aspekte abgewogen. Im Zentrum steht die Frage, ob der Patient oder die Patientin nach der Entlassung eine Gefahr für sich oder andere darstellen könnte. Im Fall der Verdächtige hätten die Ärzte keinen Grund gesehen, die 39-Jährige weiter in der Klinik zu behalten. «Eine freiwillige Weiterbehandlung war nicht angestrebt.»

Mehrere Verletzte wieder aus Krankenhäusern entlassen

Drei Frauen im Alter von 24, 52 und 85 Jahren und ein 24 Jahre alter Mann waren lebensgefährlich verletzt worden. Sie befinden sich inzwischen alle in einem stabilisierten Zustand, wie die Polizei bereits am Samstag mitteilte. Zudem wurden sieben Menschen schwer und weitere sieben Menschen leicht verletzt. 

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher sprach davon, dass einige der Verletzten die Krankenhäuser wieder verlassen konnten. Zu dem Gesundheitszustand der Verletzten gab es am Sonntag zunächst keine neuen Informationen. 

Tatverdächtige hat wohl keinen festen Wohnsitz

Die Tatverdächtige soll früheren Angaben der Polizei zufolge nicht politisch motiviert gewesen sein. «Vielmehr bestehen inzwischen sehr konkrete Hinweise auf eine psychische Erkrankung der Tatverdächtigen», hatte die Polizei mitgeteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte ihre Unterbringung beantragt. 

Die Verdächtige hat laut Polizei «nach den bisherigen Erkenntnissen» keinen festen Wohnsitz. Wie ein Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums auf Anfrage mitteilte, soll die Frau gebürtig aus Niedersachsen kommen. Sie sei dort seit 2021 immer wieder polizeilich aufgefallen. «Unter anderem erschien sie mehrfach auf Polizeidienststellen und zeigte dabei deutliche Anzeichen einer psychischen Erkrankung.»

Im vergangenen Jahr leitete die Polizei mehrere Strafverfahren gegen die Verdächtige ein, wie das Ministerium weiter mitteilte. Dabei sei es jedoch nie um den Einsatz eines Messers gegangen. Auch waffenrechtliche Erlaubnisse liegen der Behörde nach eigenen Angaben nicht vor.

Mutige Helfer greifen im Hauptbahnhof ein

Zum Zeitpunkt der Tat am frühen Freitagabend war der Bahnsteig zwischen den Gleisen 13 und 14 voller Menschen. Dass die Attacke nicht noch mehr Menschen traf, ist dem mutigen Eingreifen von zwei Passanten zu verdanken. «Durch das sehr schnelle Eingreifen zweier Passanten, die sich auf dem Bahnsteig befanden, (...) konnte der Angriff unterbrochen werden», teilte die Polizei mit.

Einsatzkräfte hätten die 39-Jährige im Anschluss schnell festnehmen können. Sie habe sich widerstandslos festnehmen lassen und soll nach bisherigen Erkenntnissen alleine gehandelt haben. Das Tatmesser sei sichergestellt worden.

Der Hamburger Hauptbahnhof gehört mit mehr als 500.000 Reisende pro Tag zu den am stärksten frequentierten Verkehrsknotenpunkten in Deutschland. Im freitäglichen Feierabendverkehr herrscht dort regelmäßig dichtes Gedränge. Am Freitag begannen in Hamburg einwöchige Schulferien. 

Messer seit einiger Zeit verboten

Seit dem 1. Oktober 2023 sind Messer im Bereich des Hauptbahnhofs verboten. Laut Bundespolizei zählte der Verkehrsknotenpunkt 2022 zu den gefährlichsten Bahnhöfen in Deutschland. 

Inzwischen hat sich die Lage nach offiziellen Angaben verbessert. Die Zahl der Gewalttaten sank im vergangenen Jahr um knapp ein Viertel (24,2 Prozent) auf 546, wie die Bundesregierung im Februar auf eine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion mitteilte. Allerdings verdoppelte sich die Zahl der Gewalttaten, bei denen ein Messer eingesetzt wurde, fast von 12 auf 23 Fälle.

Alltag wenige Stunden nach der Attacke

Der Bahnverkehr läuft seit dem frühen Samstagmorgen wieder wie gewohnt. Die Gleise sind entsprechend voll. Am Tatort, also dem Bahnsteig zwischen Gleis 13 und 14, war am nächsten Morgen von der Attacke kaum noch etwas zu sehen. Lediglich kleinere Blutspuren am Boden zeugten von der grausamen Tat.

Kriminalität / Hamburg / Deutschland / Niedersachsen / Wochenendzusammenfassung
25.05.2025 · 15:42 Uhr
[3 Kommentare]
F-35
Teheran (dpa) - Im Iran gibt es einem Bericht zufolge Luftangriffe in einem Gebiet, in dem sich das vermisste Besatzungsmitglied des abgeschossenen US-Kampfjets befinden soll. Die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim zitierte in der Nacht einen örtlichen Gouverneur, wonach bei Angriffen, die er den USA und Israel zuschrieb, drei […] (00)
vor 24 Minuten
Kelly Osbourne teilte dieses Foto von Kiinicki auf Instagram
(BANG) - Kelly Osbourne hat neue Liebesspekulationen ausgelöst, nachdem sie einige Schnappschüsse in den sozialen Medien geteilt hat. Wenige Wochen nach ihrer Trennung von ihrem Verlobten Sid Wilson veröffentlichte die Reality-TV-Bekanntheit mehrere Instagram-Schnappschüsse von Kiinicki, einer in Los Angeles ansässigen nichtbinären Person, die als […] (00)
vor 18 Stunden
Review: Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds im Test
Die Zukunft der Sprachkommunikation ist da! Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 – Mein neuer täglicher Begleiter für Business, Reisen und internationale Gespräche. Nachdem ich die Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 seit Mitte Februar 2026 intensiv im Alltag getestet habe – auf Geschäftsreisen in Spanien und Frankreich, bei mehreren […] (00)
vor 7 Stunden
Ghost Master: Resurrection im Test: Spuken wie früher?
Ghost Master: Resurrection ist ein Remake des Originals aus 2003. Ich habe als Kind das Spiel gesuchtet und es war einfach großartig, die CD besitze ich heute noch. 2021 wurde es dann auch auf Steam veröffentlicht und war ohne Probleme spielbar. Jetzt wurde aber mit Ghost Master: Resurrection eine erweiterte Neuauflage des Spiels veröffentlicht. Es […] (00)
vor 6 Stunden
National Geographic zeigt «Innovation durch Desaster»
Der Sender widmet sich ab Ende Mai den größten technischen Katastrophen und den Lehren daraus. National Geographic nimmt im Mai eine neue Doku-Reihe ins Programm: Innovation durch Desaster feiert am Mittwoch, 27. Mai 2026, um 20.15 Uhr TV-Premiere und läuft fortan mittwochs zur Primetime. Die kanadische Produktion aus dem Jahr 2025 trägt im Original den Titel «Engineering by Catastrophe» und […] (00)
vor 15 Stunden
SC Freiburg - Bayern München
Berlin (dpa) - Der FC Bayern hat sich bei der Generalprobe für den Champions-League-Kracher bei Real Madrid mit einer spektakulären Aufholjagd Selbstvertrauen geholt. Der Rekordmeister aus München kam beim SC Freiburg nach einem 0: 2-Rückstand dank drei später Tore noch zu einem 3: 2 (0: 0). Im Viertelfinal-Hinspiel der Königsklasse treten die Bayern, […] (02)
vor 7 Stunden
btc, bitcoin, cryptocurrency, currency, crypto, gold, digital, blockchain, cryptography, 3d
Der Bitcoin-Kurs zeigt bei $66.000 Anzeichen von Unsicherheit und bewegt sich in einer engen, unruhigen Spanne. Die Aufwärtsdynamik lässt nach, und jeder Versuch, höhere Kurse zu erreichen, wird mit schwächerem Nachdruck beantwortet. Unter der Oberfläche bleibt die Liquidität gestapelt, was darauf hindeutet, dass der Markt sich möglicherweise leise auf […] (00)
vor 56 Minuten
Durchhaltevermögen: Die innere Kraft, die über Erfolg entscheidet
Höchst i. Odw., 04.04.2026 (lifePR) - In einer schnelllebigen Welt voller Herausforderungen, Leistungsdruck und ständiger Veränderungen wird Durchhaltevermögen (auch mentale Stärke oder Resilienz) zu einer der wichtigsten Fähigkeiten. Es beschreibt die Fähigkeit, trotz Rückschlägen, Erschöpfung oder Hindernissen an Zielen festzuhalten, Aufgaben mit […] (00)
vor 20 Stunden
 
Spielschein für Lotto 6 aus 49
Saarbrücken - In der Samstags-Ausspielung von "6 aus 49" des Deutschen Lotto- und […] (02)
Gregor Kobel (Archiv)
Stuttgart - In der Samstagabendpartie des 28. Bundesliga-Spieltags hat Borussia […] (04)
Raucherin (Archiv)
Berlin - Angesichts wachsender Finanzprobleme im Gesundheitssystem und neuer […] (02)
Gurken (Archiv)
Berlin - In der aktuellen Debatte um eine Steuerreform spricht sich der DGB für eine […] (04)
iPhone 18 Pro offenbar ohne schwarze Farbvariante
Einem aktuellen Gerücht zufolge wird Apple bei den kommenden iPhone 18 Pro Modellen […] (00)
Bayer Leverkusen - VfL Wolfsburg
Leverkusen (dpa) - Bayer Leverkusen hat mit einem Comeback in einer wilden und […] (01)
Chimes strategische Neuausrichtung Chime, das schnell wachsende Fintech-Unternehmen, […] (00)
Tom Kaulitz
(BANG) - Tom Kaulitz spricht offen über seine neurologische Erkrankung. Der Tokio- […] (02)
 
 
Suchbegriff