Merz setzt auf Schuldenhebel: Milliardenoffensive soll Wachstum ankurbeln – Risiken bleiben hoch
Mit einem schuldenfinanzierten Investitionspaket in historischer Größenordnung will Kanzler Friedrich Merz die deutsche Wirtschaft auf Wachstumskurs bringen. Laut dem Sachverständigenrat könnte das Programm bis 2030 mehr als 400 Milliarden Euro zur jährlichen Wirtschaftsleistung beitragen – das entspräche einer Steigerung der durchschnittlichen Wachstumsrate um 1,6 Prozentpunkte.
Erste Signale deuten auf wachsendes Vertrauen: Der DAX kletterte zuletzt auf neue Rekordstände, und auch Deutsche Bank rechnet nun mit einem BIP-Wachstum von 2 % im kommenden Jahr. Doch die Euphorie am Markt täuscht nicht über die Risiken hinweg: Wenn die Mittel in konsumtive Maßnahmen wie Restaurantsteuersenkungen oder E-Auto-Prämien fließen, droht ein deutlich geringerer Wachstumseffekt, warnen die Wirtschaftsweisen.
Merz bricht dabei mit der traditionell strikten Haushaltspolitik seiner CDU und orientiert sich mit dem Kurswechsel an den Strukturreformen unter Gerhard Schröder vor 20 Jahren. Damals wie heute: hoher Reformdruck, politische Reibungen und der Wettlauf gegen die Zeit. Die Landtagswahlen 2026 werfen bereits ihren Schatten voraus – vor allem in Ostdeutschland mit dem Erstarken der AfD.
Einige Vorhaben sind bereits auf dem Weg. Der Bundestag verabschiedete am Donnerstag ein Steuerentlastungspaket von 46 Milliarden Euro, die Finanzierung trägt vor allem der Bund. Merz plant zudem über 60 Gesetze bis August durchs Kabinett zu bringen – darunter steuerliche Erleichterungen für Unternehmen, schnellere Genehmigungen beim Wohnungsbau und die Modernisierung militärischer Beschaffung.
Die wirtschaftspolitische Wende ruft auch internationale Investoren auf den Plan: JPMorgan registriert steigende Transaktionsbereitschaft deutscher Unternehmen, während Cantor Fitzgerald den deutschen Markt mit frischem Personal aufrollen will. Siemens, Merck und Infineon verstärken ihr Engagement – eine Trendwende nach Jahren überwiegender Übernahmen durch ausländische Investoren.
Zugleich bleibt der Spagat zwischen Wachstum und Inflation eine Gratwanderung. „Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit“, sagt Jens Südekum, Berater von Finanzminister Klingbeil. Die Milliarden sollen wirken – aber nicht zu schnell, um Preisdruck zu vermeiden.
Innerhalb der Ampel-Koalition brodelt es indes weiter. Die SPD drängt auf einen Mindestlohn von 15 Euro, eine unabhängige Kommission will aber nur 14,60 Euro bis 2027 zulassen. Auch Themen wie Wehrpflicht, Migration und der Umgang mit der AfD bergen politischen Sprengstoff – während Vizekanzler Klingbeil bereits Ambitionen auf Merz’ Amt nachgesagt werden.
Der politische Moment ist einmalig, die Erfolgschancen real – doch das Zeitfenster schließt sich schnell.

