Erste Phase der Waffenruhe

Alle Gaza-Geiseln der ersten Phase der Waffenruhe übergeben

27. Februar 2025, 15:38 Uhr · Quelle: dpa
Die Hamas hat vier tote israelische Geiseln übergeben und damit ihre Zusage für die erste Phase der Waffenruhe erfüllt. Um die zweite Phase und die restlichen lebenden Geiseln steht es nicht gut.

Gaza/Tel Aviv (dpa) - Die islamistische Terrororganisation Hamas hat die Leichen vier israelischer Geiseln im Gazastreifen übergeben und damit ihre Zusagen für die erste Phase der Waffenruhe erfüllt. Die israelische Regierung und das Forum der Angehörigen und Freunde der Geiseln bestätigten die Identität der Toten. 

«Mit tiefer Trauer haben wir die Nachricht von der Identifizierung von Schlomo Manzur, Tsachi Idan, Ohad Jahalomi und Itzchak "Itzik" Elgarat erhalten», teilte das Forum mit. Alle vier waren am 7. Oktober 2023 bei dem Hamas-Überfall auf Israel entführt worden. 

Die Hamas hat damit insgesamt 33 Geiseln - 25 lebend und acht tot - übergeben. Israel sollte im Austausch für die 33 Geiseln während der ersten Phase der Waffenruhe, die am Wochenende endet, insgesamt 1.904 Palästinenser freilassen. Von den restlichen 59 Israelis im Gazastreifen sind vermutlich nur noch 27 am Leben. Die Lebenden sollen in einer zweiten Phase freigelassen werden. In einer dritten Phase ist dann die Übergabe auch der Toten vorgesehen. 

Hamas: Weitere Freilassungen nur bei Einhaltung der Waffenruhe

Die Hamas bekräftigte, dass sie diese Geiseln nur freigeben werde, wenn sich Israel an die Vereinbarungen halte und Gespräche über die zweite Phase der Waffenruhe aufnehme. Israel werde im Laufe des Tages eine Delegation zu Gesprächen in die ägyptische Hauptstadt Kairo schicken, teilte das Büro von Regierungschef Benjamin Netanjahu mit. Ägypten vermittelt gemeinsam mit den USA und Katar in dem Konflikt. Worüber die israelischen Vertreter verhandeln sollen und welche Vollmachten sie haben, teilte die israelische Regierung nicht mit. Unbestätigten israelischen Medienberichten zufolge könnte Israels Regierung zunächst eine Verlängerung der ersten Phase anstreben und die Freilassung weiterer Geiseln verlangen

Die Waffen sollen gemäß den Vereinbarungen auch über das Ende der ersten Phase hinaus schweigen, solange Verhandlungen über eine zweite Phase laufen. Die dritte Phase sieht einen Wiederaufbau des weitgehend zerstörten Gazastreifens und eine alternative Regierung ohne Beteiligung der Hamas vor.

Über die zweite Phase haben beide Seiten bisher aber Berichten zufolge noch nicht ernsthaft verhandelt. In diesem zweiten Abschnitt sollen alle lebenden Geiseln zurückkommen und Israel muss seine Truppen vollständig aus dem Küstenstreifen abziehen. Der Krieg soll dauerhaft beendet werden, was die rechtsextremen Koalitionspartner des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu jedoch ablehnen. Sie fordern, den Krieg so lange fortzusetzen, bis die Hamas vollständig vernichtet ist.

Israel will Truppen in Teilen des Gazastreifens lassen

Israel hat einen vollständigen Truppenabzug aber gerade erst wieder infrage gestellt. So würden die Soldaten nicht aus dem Philadelphi-Korridor entlang der Grenze des Gazastreifens zu Ägypten abgezogen, sagte Verteidigungsminister Israel Katz am Vormittag. Damit solle es der Hamas unmöglich gemacht werden, wie früher durch Tunnel unter der Grenze hindurch Waffen, Ausrüstungsgegenstände und sonstigen Nachschub zu schmuggeln. 

Diese Weigerung könnte die Waffenruhe und die Rückgabe der restlichen israelischen Geiseln allerdings gefährden. Im Rahmen der Waffenruhe war vereinbart worden, dass sich die israelischen Streitkräfte schrittweise aus dem Philadelphi-Korridor zurückziehen würden. Der Abzug sollte am Wochenende beginnen und rund eine Woche später abgeschlossen sein. Die israelische Regierung hatte dies jedoch schon zuvor infrage gestellt. 

Tote Geiseln nachts unter Ausschluss der Öffentlichkeit übergeben

Die vier toten Geiseln waren von der Hamas in der Nacht zum Donnerstag an Vertreter des Roten Kreuzes übergeben worden. Wie von der israelischen Regierung gefordert, wurde die Übergabe diesmal nicht als makaberes Spektakel mit bewaffneten Hamas-Kämpfern und lauter Musik bei der Aushändigung der Särge inszeniert. Israel hatte dies zur Voraussetzung für die Freilassung weiterer palästinensischer Häftlinge gemacht.

Im Gegenzug für die Übergabe der toten Geiseln wurden nach palästinensischen Angaben rund 600 palästinensische Gefangene freigelassen. Die Häftlinge - darunter 50 mit lebenslangen Haftstrafen - hätten ursprünglich schon am Samstag vergangener Woche im Austausch für sechs israelische Geiseln freikommen sollen. Aus Wut über die entwürdigenden Hamas-Zeremonien bei früheren Übergaben lebender und toter Geiseln schob Israels Regierung dem aber einen Riegel vor und setzte die Haftentlassungen vorübergehend aus.

Keine Hamas-Propaganda-Show

Die Hamas nutzte die Geisel-Freilassungen bislang stets zur Machtdemonstration und machte das Schicksal der über viele Monate hinweg unter grausamen Bedingungen gefangengehaltenen Menschen zu einem Spektakel für Schaulustige. Oftmals wurden die Entführten auf einer Bühne vorgeführt und erhielten von bewaffneten Islamisten sichtbar Anweisungen, zu lächeln und der wartenden Menschenmenge zuzuwinken. Am vergangenen Wochenende musste ein Israeli zwei vermummte Hamas-Leute auf die Stirn küssen. 

Auch das Prozedere bei der Übergabe vier toter Geiseln am vergangenen Donnerstag - darunter zwei Kleinkinder, die auch deutsche Staatsangehörige sind - stieß international auf Empörung. Die Hamas hatte die Särge auf einer Bühne aufgebahrt, während sich zahlreiche jubelnde Schaulustige und Dutzende vermummte Islamisten am Ort der Übergabe versammelten und laute Musik gespielt wurde.

Auslöser des Kriegs war das beispiellose Massaker am 7. Oktober 2023, bei dem Hamas-Terroristen und andere Islamisten rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 weitere aus Israel in den Gazastreifen verschleppt hatten.

Seitdem wurden laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen mehr als 48.300 Menschen getötet, darunter viele Frauen und Minderjährige. Die Zahlen machen keinen Unterschied zwischen Kämpfern und Zivilisten und lassen sich nicht unabhängig bestätigen, werden von den Vereinten Nationen aber als ziemlich glaubwürdig eingestuft.

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27.02.2025 · 15:38 Uhr
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