Machtverschiebung nach Salzburg: Aldi Süd streicht Hunderte Stellen in der Deutschlandzentrale
Abbau in der Schaltzentrale
Aldi Süd steht vor einem tiefgreifenden Umbau seiner Konzernorganisation. In der Deutschlandzentrale in Mülheim an der Ruhr sollen in den kommenden Jahren mehrere Hundert Stellen wegfallen. Von den rund 2000 Arbeitsplätzen dort könnten nach internen Schätzungen bis zu 500 betroffen sein. Offiziell bestätigt der Discounter lediglich, dass ein Stellenabbau geplant ist – ohne konkrete Zahlen zu nennen.
Besonders betroffen sind dem Vernehmen nach zentrale Funktionen wie Personal, Buchhaltung und Teile des Einkaufs. Der Prozess läuft bereits seit dem vergangenen Jahr und soll ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen. Stattdessen setzt Aldi auf natürliche Fluktuation und freiwillige Vereinbarungen.
Neue Machtzentrale in Salzburg
Der eigentliche Treiber der Maßnahme liegt nicht in Deutschland, sondern in Österreich. Mit der Gründung und Aufwertung der internationalen Holding in Salzburg verlagert Aldi Süd zunehmend Steuerungsfunktionen auf eine supranationale Ebene. Dort wurde 2025 ein neues, stark besetztes Executive Board installiert, das deutlich mehr Kompetenzen als bisherige Länderzentralen erhält.
Prominente Personalien unterstreichen den Machtanspruch: Der frühere US-Chef Jason Hart wurde als Chief Operating Officer nach Salzburg geholt, den Einkauf verantwortet inzwischen Thomas Udesen, zuvor Manager bei Bayer. Die strategische Linie ist klar: Zentralisierung statt föderaler Struktur.
Einkauf und Prozesse werden vereinheitlicht
Besonders sichtbar wird der Kurswechsel im Einkauf. Lieferanten wurden bereits informiert, dass künftig ein Großteil der Beschaffung aus Salzburg gesteuert wird. Ziel ist eine stärkere Harmonisierung von Sortimenten und Verpackungen, vor allem bei Eigenmarken – und damit größere Volumina pro Artikel. Das stärkt die Verhandlungsmacht gegenüber Herstellern und senkt die Kosten.
Was bisher in den Landesgesellschaften eigenständig organisiert war, wird nun global gebündelt. Diese Doppelstrukturen gelten als Hauptgrund für den Stellenabbau in Mülheim und anderen nationalen Zentralen.
Outsourcing verstärkt den Druck
Neben der Zentralisierung spielt auch die Auslagerung von Funktionen eine Rolle. Aufgaben in der Personalverwaltung oder Buchhaltung werden zunehmend an externe Dienstleister vergeben. Tätigkeiten, die früher intern erledigt wurden, verschwinden damit dauerhaft aus der Konzernorganisation.
Ähnliche Abbauprogramme hat Aldi Süd bereits in anderen Ländern umgesetzt. Die deutsche Zentrale folgt nun diesem Muster.
Strukturwandel im größten Markt
Deutschland bleibt mit rund 50.000 Beschäftigten und etwa 2000 Filialen der wichtigste Markt von Aldi Süd. Doch die Rolle der Zentrale in Mülheim verändert sich grundlegend: Sie verliert strategische Steuerungskompetenzen und wird stärker zur operativen Landesorganisation.
Der Stellenabbau ist damit weniger ein Sparprogramm als Ausdruck eines Macht- und Strukturwandels. Die Entscheidungshoheit wandert nach Salzburg – und mit ihr ein Teil der Arbeitsplätze. Für Aldi Süd ist es der nächste Schritt auf dem Weg zu einem global stärker integrierten, zentral geführten Handelskonzern.


