Landwirtschaft bedroht: Zikaden sorgen für Ernteausfälle in Deutschland
Die heimische Landwirtschaft sieht sich mit einer neuen Bedrohung konfrontiert, die durch eine bestimmte Zikadenart hervorgerufen wird: Die Schilf-Glasflügelzikade verbreitet die Pflanzenkrankheit Stolbur, die besonders in Süddeutschland als erhebliche Gefahr für die Versorgung mit heimischen Kartoffeln, Gemüse und Zucker gilt. Laut dem baden-württembergischen Landwirtschaftsministerium nehmen die Schäden infolge der Zikadenplage bereits Millionenhöhe an.
Das Bakterium Candidatus Phytoplasma solani, über das die Krankheit übertragen wird, führt dazu, dass befallene Pflanzen welken und ihre Erträge massiv sinken. Auch die Qualität der Zuckerrüben und Kartoffeln leidet stark unter dem Befall: Ernteerträge verlieren an Geschmack und Konsistenz und können im schlimmsten Fall nicht mehr verarbeitet werden. Die dramatische Ausbreitung betrifft mittlerweile nicht nur Zuckerrüben, sondern auch eine Vielzahl anderer Gemüsesorten.
Besorgniserregend sind zudem die steigenden Anbauverluste: Die von Stolbur befallene Fläche bei Zuckerrüben vervielfachte sich kürzlich, was etwa einem Viertel der deutschen Anbaufläche entspricht. Da Deutschland bei Kartoffeln nahezu Selbstversorger ist, alarmiert besonders der Befall von Kartoffelregionen, insbesondere in Baden-Württemberg. Experten beschreiben die südliche Region als Epizentrum der Krise, da sich die Zikade bevorzugt in klimatisch begünstigten Gebieten wie Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern ausbreitet.
Landwirtschaftliche Vertreter und Institutionen wie der Deutsche Bauernverband und das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium fordern dringende Maßnahmen. Dazu gehören Notfallzulassungen für spezifische Pflanzenschutzmittel sowie eine verstärkte Forschung zur Züchtung resistenter Pflanzen. Ebenso rufen die Vertreter der Branchen, wie Stefan Streng von der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker, nach Unterstützung, um dieser Herausforderung entgegenzutreten. Leider gibt es bisher keinen nachhaltigen Schutz gegen den Schädling, sodass die Auswirkungen des Klimawandels die Vermehrung der Zikaden weiter begünstigen.
Sollte sich die Krankheit weiter ausbreiten, sind nicht nur erhebliche wirtschaftliche Verluste zu erwarten. Vielmehr könnte dies auch bei den Verbrauchern zu einem deutlichen Rückgang der Verfügbarkeit von heimischen Kartoffeln und Gemüse führen, während die Landwirte in existenzielle Bedrängnis geraten. Bleibt zu hoffen, dass die Politik gemeinsam mit der Land- und Agrarwirtschaft schnell wirksame Lösungen findet, um dieser plötzlichen und schwerwiegenden Herausforderung zu begegnen.

