Kritik an geplanter Aktivrente: Sozialverbände sehen Ungerechtigkeit
Die geplante 'Aktivrente', mit der die Bundesregierung das Arbeiten im Rentenalter attraktiver gestalten möchte, hat heftige Kritik von Sozialverbänden auf sich gezogen. Verena Bentele, Präsidentin des VdK, äußerte Bedenken hinsichtlich der tatsächlichen Vorteile: Die Mehrheit der im Alter tätigen Menschen führe entweder eine selbstständige Arbeit aus oder sei als Minijobber tätig, wodurch sie bereits weitgehend steuerfrei arbeiteten. Dagegen könnten die Regelungen der 'Aktivrente' besonders für gesunde Menschen in weniger belastenden Berufen von Interesse sein, die über das reguläre Rentenalter hinaus tätig bleiben möchten. Bentele sieht die Gefahr, dass ohne Überprüfung der Alterseinkommen auch Pensionäre oder ehemalige Selbstständige, die keine gesetzliche Rente beziehen, von der Regelung profitieren könnten. Dies könnte den allgemeinen Gleichbehandlungsgrundsatz verletzen und die Tür für rechtliche Auseinandersetzungen öffnen. Der VdK äußert zudem die Befürchtung, dass die Aktivrente anstatt Arbeitsplätze zu schaffen, eher Mitnahmeeffekte und Steuerausfälle hervorruft.
Auch Eva Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbands, kritisiert die Pläne und spricht von 'schwer erklärbaren Ungerechtigkeiten' im Generationenverhältnis. Sie verweist darauf, dass junge Eltern bei einer Aufstockung ihrer Erwerbstätigkeit die volle Steuerprogression tragen müssen, anders als Rentner mit der Aktivrente. Welskop-Deffaa hebt hervor, dass insbesondere Selbstständige von Altersarmut bedroht sind. Viele investierten in den Anfangsjahren ihrer Selbstständigkeit das gesamte Einkommen in die Gründung, wodurch Lücken in der Altersvorsorge entstehen. Zudem fordert sie mehr Differenzierung in der Rentenformel, um den solidarischen Umverteilungsrahmen besser zu nutzen und das Vertrauen in das Rentensystem zu stärken.

