Krise in der Möbelindustrie: Sparzwang und flexible Lösungen bringen Änderungen
Die deutschen Möbeldiscounter versprechen günstige Preise inmitten steigender Inflation – mit mäßigem Erfolg. Die Verbraucher ziehen ihre finanziellen Prioritäten um; Möbelkäufe stehen bei vielen Haushalten hinten an. Laut dem Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) und dem Bundesverband des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels (BVDM) erlebte die Branche 2024 einen nominalen Umsatzrückgang von 7,4 Prozent auf 16,4 Milliarden Euro. Dieser Trend, der sich schon im Vorjahr abzeichnete, setzt sich auch bei den Möbelhändlern mit einem Minus von sechs bis acht Prozent fort.
Die steigenden Lebenshaltungskosten zwingen viele Verbraucher, ihre Ausgaben neu zu gewichten. «Viele Haushalte priorisieren Nahrungsmittel und Energie», berichtet Sebastian Wilde von Falkensteg, einem Beratungsunternehmen. Zudem bleibt der Boom der Corona-Pandemie, als Möbelkäufe sprunghaft anstiegen, in Erinnerung, und der Bedarf ist vielerorts gedeckt. Laut Jean Lucas Dürand vom Handelsverband Möbel und Küchen fließt das Geld nun häufig eher in den Tourismus als in neue Einrichtungsgegenstände.
Die düstere Konjunkturrückschau spiegelt sich auch in den Absagen von Branchenevents wie der IMM Cologne wider. Eine Konjunkturumfrage ergab, dass lediglich 22 Prozent der Unternehmen für 2025 ein Umsatzplus erwarten. Gleichzeitig ist die Zahl der Mitarbeitenden in der Möbelindustrie um 5,4 Prozent gesunken. Im ersten Quartal 2025 beantragten 44 Prozent der Unternehmen Kurzarbeit.
Einige Unternehmen wie Opti-Wohnwelt, Loddenkemper und Schröder gerieten 2024 in Insolvenz. Der Kreditversicherer Allianz Trade verzeichnete über 230 Insolvenzen, während andere Marktteilnehmer wie Ikea ebenfalls Umsatzrückgänge verzeichneten. Der rückläufige Wohnungsbau zieht die Nachfrage weiter nach unten und belastet insbesondere den Küchenverkauf.
Trotz dieser Herausforderungen sieht die Branche Lichtblicke. Jan Kurth von VDM prognostiziert ein geringes Umsatzwachstum für 2025 und hofft auf steigende Reallöhne. Auch Rotpunkt aus Bünde startet mit Auftrieb ins Jahr. Christoph Lamsfuß vom IFH Köln sieht Potenzial in der Nachfrage nach flexiblen Einrichtungsoptionen, die angesichts knapper Wohnungsressourcen verstärkt gefragt sind.

