Konflikt mit Kalkül: Iran reagiert mit Raketenangriff auf US-Stützpunkt in Katar
Sechs Raketen, gezielt abgefeuert auf die Al-Udeid Air Base in Katar, markieren Irans erste militärische Antwort auf den US-Luftschlag vom Wochenende. Die Basis, regionales Hauptquartier des US Central Command und Herzstück der amerikanischen Militärpräsenz im Nahen Osten, blieb laut katarischen Angaben unversehrt. Die Geschosse wurden abgefangen, Personal war zuvor evakuiert worden. Verletzt wurde niemand.
Hinter dem Angriff steckt mehr Botschaft als militärischer Wille. Laut der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA war die Anzahl der Raketen identisch mit der Zahl der US-Bomben auf iranische Nuklearanlagen. Der Beschuss richte sich nicht gegen Katar als „freundliches und brüderliches Land“, hieß es weiter. Die diplomatischen Vertretungen der USA und Großbritanniens hatten Doha-Bewohner noch am Morgen gewarnt, sich an sichere Orte zurückzuziehen.
An den Märkten machte sich die neue Eskalationsstufe sofort bemerkbar. Der Ölpreis fiel – entgegen üblicher Kriegslogik – um 3,3 %, Brent notierte gegen 18:10 Uhr Ortszeit bei 74,48 US-Dollar pro Barrel. Analysten sehen darin ein Zeichen dafür, dass der Angriff vorhersehbar war und kurzfristig keine Lieferketten gefährdet.
Auslöser des iranischen Vergeltungsschlags war der Einsatz amerikanischer Bunkerbrechender Bomben auf drei zentrale Nuklearstandorte in Fordow, Natanz und Isfahan. Präsident Trump hatte am Samstagabend die direkte Beteiligung der USA an dem seit dem 13. Juni laufenden israelisch-iranischen Konflikt besiegelt. Die Angriffe zielten laut Verteidigungsminister Pete Hegseth ausschließlich auf die Zerstörung des iranischen Atomprogramms – nicht auf einen Regimewechsel.
Teheran bewertete die Operation als „schweren Fehler“. Generalstabschef Abdolrahim Mousavi kündigte eine „entschlossene und verhältnismäßige“ Reaktion an – der Angriff auf Katar ist offenbar der erste Schritt. Gleichzeitig feuerten iranische Truppen weitere Raketen auf Israel. Die Führung in Jerusalem kündigte daraufhin „neue Wellen“ von Angriffen auf iranisches Gebiet an.
Trump selbst hatte angekündigt, auf jede Gegenreaktion mit „weit größerer Gewalt“ zu antworten. Zugleich stellte er – implizit – einen möglichen Regimewechsel in den Raum. In einer Region, die seit Jahren von Stellvertreterkriegen geprägt ist, erreicht die direkte Konfrontation nun eine neue Qualität.

