Klimatische Herausforderungen: Weideflächen unter Druck
Die Prognosen für die Zukunft der Weidewirtschaft zeichnen ein düsteres Bild: Im Zuge des Klimawandels könnten bis zum Jahr 2100 zwischen 36 und 50 Prozent der gegenwärtig klimatisch geeigneten Weideflächen unbrauchbar werden. Eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zeigt die dramatischen Effekte auf, die diese Entwicklung auf etwa 110 bis 140 Millionen Menschen haben könnte, die von der Weidehaltung leben. Auch bis zu 1,6 Milliarden Tiere wie Rinder, Schafe und Ziegen wären hiervon betroffen.
Maximilian Kotz, Co-Autor der Studie, hebt hervor, dass die Weidehaltung stark von Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wasserverfügbarkeit abhängig ist. Diese essentiellen Komponenten werden durch den Klimawandel immer knapper, was die traditionellen landwirtschaftlichen Praktiken massiv erschwert. Chaohui Li, die Erstautorin der Untersuchung, weist darauf hin, dass vor allem in Ländern, die bereits unter Hunger, wirtschaftlicher und politischer Instabilität sowie hoher Geschlechterungleichheit leiden, die Auswirkungen besonders gravierend sein werden.
Afrika ist dabei besonders betroffen. Dort droht ein Rückgang der geeigneten Graslandflächen um 16 bis 65 Prozent, sollte der Ausstoß von Treibhausgasen ungebremst weitergehen. Viele Regionen des Kontinents bewegen sich bereits am oberen Temperaturlimit für eine verträgliche Weidehaltung. Besonders die Massai und Samburu in Kenia sowie nomadische Viehzüchter am Horn von Afrika könnten unter den sich verschärfenden Bedingungen erheblich leiden.
Früher alle 20 Jahre auftretende Dürren sind in jüngster Zeit immer häufiger geworden. Experten blicken daher mit Sorge auf die Regenzeiten, die zunehmend wenig Wasser bieten. Schon im November hatte Somalia den Dürrenotstand ausgerufen, und die Ernährungsunsicherheit in Kenia ist aufgrund schlechter Ernteerträge immens. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass im Land etwa zwei Millionen Menschen von Nahrungsengpässen betroffen sind.

