Kenvue-Aktien erholen sich nach Marktspekulationen um Tylenol und Autismus-Vorwürfe
Kenvue-Aktien verzeichneten jüngst einen Anstieg von etwa 3 % und erholten sich damit nach einem mehr als 7-prozentigen Rückgang in Erwartung von Präsident Donald Trumps Äußerungen über das Schmerzmittel Tylenol und einen möglichen Zusammenhang mit Autismus. Trump hatte erklärt, dass die Einnahme von Tylenol während der Schwangerschaft "nicht gut" sei, jedoch betonte seine Regierung später, dass es keine überzeugenden Beweise für einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Wirkstoff Acetaminophen in Tylenol und Autismus gebe.
Bereits am Dienstagmittag hatten Kenvue-Aktien fast 60 % der Verluste seit dem Schlusskurs am Freitag wieder aufgeholt. Einige Investoren hatten offenbar strengere Regulierungen für Tylenol erwartet, da die Regierung plant, das "Autismus-Epidemie"-Problem anzugehen, so Citi-Analysten.
Ein bekanntes Händler-Motto lautet "Kaufe das Gerücht, verkaufe die Nachricht", was treffend die jüngsten Kursbewegungen von Kenvue beschreibt. Die Anleger verkauften zunächst, um dann heute wieder zu kaufen. Solche volatilitätsgetriebenen Ereignisse können einigen Investoren Profite verschaffen, doch die kurzfristige Vorhersage von Aktienbewegungen bleibt eine Herausforderung.
Dass die Trump-Politik nicht strenger ausfiel, als befürchtet, sorgte für Erleichterung. Anleger hatten sich auf ein mögliches Verkaufsverbot von Tylenol oder eine Veröffentlichung neuer wissenschaftlicher Studien vorbereitet. Tylenol trägt zu etwa 10 % des Umsatzes von Kenvue bei und generiert 12 % bis 15 % des Betriebsgewinns. Der Bereich Selbstversorgung, zu dem Tylenol gehört, machte im letzten Geschäftsjahr rund 42 % des Gesamtumsatzes aus.
Des Weiteren kündigte die Regierung an, die Warnhinweise auf Tylenol zu überarbeiten und eine landesweite Informationskampagne zu initiieren, die Schwangeren eine Einnahme der "niedrigsten wirksamen Dosis für die kürzest mögliche Dauer" empfiehlt. Das Gesundheitsministerium bestätigte diese Pläne, ließ jedoch Details über die genauen Änderungen der Warnhinweise offen.
Laut der American College of Obstetricians and Gynecologists gibt es keine signifikanten Zusammenhänge zwischen der Einnahme von Acetaminophen während der Schwangerschaft und der Autismusgefährdung von Kindern. In einer Stellungnahme äußerte Kenvue Besorgnis über mögliche Gesundheitsrisiken und die entstehende Verwirrung bei werdenden Müttern.
Die Citi-Analysten sehen begrenzte gerichtliche Risiken, jedoch könnten die Tylenol-Verkäufe aufgrund der Empfehlungen des Gesundheitsministeriums zurückgehen. Ein Absatzrückgang von 10 % würde den Gewinn von Kenvue um 40 bis 50 Millionen USD verringern, schätzt Citi.
Der britische Gesundheitsminister Wes Streeting äußerte gegenüber der BBC, man solle Trumps Behauptungen keinerlei Beachtung schenken. Während die US-Politik Kenvue beeinflusste, blieb der Effekt auf das Pharmaunternehmen GSK moderat. Die Ankündigung der Regierung, dass Medicaid-Programme künftig ein GSK-Medikament zur Unterstützung bei Autismus abdecken sollen, ließ deren Aktien nur um etwa 1 % sinken.

