Investmentweek

Kaufen, wenn es kracht?

20. April 2025, 07:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Inmitten von Zinsängsten und geopolitischer Unsicherheit fragen sich viele: Sollten Anleger jetzt zugreifen? Die InvestmentWeek hat fünf Szenarien durchgerechnet – und kommt zu einem klaren Ergebnis.

Wenn die Kurse fallen, steigt der Mut – oder doch nur der Zweifel?

Die Märkte taumeln, Zölle wirbeln Indizes durcheinander, Anleger verunsichert. Doch ausgerechnet in solchen Momenten wird gerne an Warren Buffett erinnert. „Sei gierig, wenn andere ängstlich sind“, lautet sein berühmtester Rat.

Klingt logisch. Doch funktioniert das in der Praxis wirklich? Wir von der InvestmentWeek haben fünf realistische Anlagestrategien mit dem MSCI World Index durchgerechnet – und liefern Antworten, die überraschen.

Strategie 1: Der sture Sparplan schlägt alle

Wer seit dem 1. Januar 1999 einfach jeden Monat 100 Euro in einen ETF auf den MSCI World investiert hat, sitzt heute auf knapp 102.000 Euro – bei Einzahlungen in Höhe von lediglich 31.600 Euro.

Der Rest ist Rendite. Trotz Dotcom-Blase, Finanzkrise, Corona und Ukrainekrieg. Auch der aktuell tobende Zollkrieg ändert daran nichts.

Gerade weil der Sparplan emotionslos ist, wirkt er antizyklisch: Bei fallenden Kursen kauft er mehr Anteile, bei steigenden weniger. Ohne Markttiming, ohne Bauchgefühl, ohne Stress.

Doch natürlich ist das nicht die einzige Möglichkeit, Rücksetzer zu nutzen. Und genau deshalb haben wir vier Alternativen unter die Lupe genommen – mit teils überraschendem Ausgang.

Strategie 2: Kaufen im Bärenmarkt – klingt besser, als es ist

Die Theorie klingt verlockend: Anleger investieren weniger in normalen Phasen und bauen damit Liquidität auf – um bei Kursstürzen ab 20 % gezielt große Summen zu investieren.

Buy the dip, aber geplant. Doch am Ende steht ein ernüchterndes Ergebnis: Diese Strategie hätte heute rund 100.000 Euro erbracht – also 1.900 Euro weniger als der einfache Sparplan.

Warum? Erstens erwischen Anleger selten das absolute Tief – oft wird zu früh gekauft. Zweitens: In starken Aufschwungphasen wie zwischen 2011 und 2020 fließt nur wenig Kapital in den Markt. Und wer dort nicht dabei ist, verpasst die Rendite.

Strategie 3: Kaufen bei Korrekturen – näher dran, aber immer noch zu spät

Korrekturen – also Kursrückgänge ab 10 % – sind deutlich häufiger als ausgewachsene Bärenmärkte. Wer bei diesen 26 Ereignissen seit 1999 jeweils seine Rücklagen investiert hätte, käme heute auf ein Ergebnis von etwa 100.600 Euro – besser als der Bärenmarkt-Ansatz, aber noch immer hinter dem Sparplan.

Das Problem: Auch hier liegen die größten Investitionen oft nicht am Tiefpunkt. Zudem fallen Korrekturen oft glimpflicher aus, sodass die Nachkäufe nicht den erhofften Hebel entfalten.

Strategie 4: Gestaffeltes Investieren – der Sicherheitsfanatiker zahlt drauf

Eine Variante für vorsichtige Anleger: Investitionen werden bei Korrekturen in drei Stufen gestaffelt – erst ein Drittel, dann die Hälfte des Rests, dann der Rest. Klingt überlegt, bringt aber das schlechteste Ergebnis: nur rund 99.000 Euro.

Die Streuung schützt zwar vor voreiligen Investitionen, führt aber in ruhigen Jahren zu dauerhafter Unterinvestition. Wer zu oft wartet, dem läuft der Markt davon.

Strategien mit gestaffeltem Nachkaufen wirken ausgeklügelt – liefern aber schlechtere Ergebnisse als der konstante Kauf jeden Monatsanfang.

Strategie 5: Die 50-Prozent-Korrektur-Regel – pragmatisch, aber nicht optimal

Ein Mittelweg zwischen Timing und Risiko: Bei der ersten Korrektur werden 50 % der Rücklagen investiert, bei weiteren Rücksetzern der Rest.

Auch diese Methode liefert kein schlechtes Ergebnis: etwa 101.000 Euro, nur 800 Euro hinter dem Sparplan. Doch auch hier bleibt Kapital in Aufschwungphasen ungenutzt – mit dem gleichen Problem wie bei Strategie 2 und 3.

Das Fazit der InvestmentWeek

Nach mehr als 26 Jahren, in denen wir realitätsnahe Szenarien simulierten, lautet unser Ergebnis: Keine der Alternativstrategien hat den Sparplan geschlagen. Keine.

Und das, obwohl viel Aufwand betrieben wurde, um möglichst günstig einzusteigen.

Zwischen dem besten und schlechtesten Ergebnis liegen gerade einmal 2.700 Euro – ein Unterschied von weniger als 10 %. Die simpelste Strategie, bei der jeden Monat konstant investiert wird, hat sich durchgesetzt. Nicht spektakulär. Aber zuverlässig.

Wer regelmäßig investiert, spart sich die Nerven – und macht trotzdem Rendite

Unser Fazit richtet sich gerade an jene, die langfristig Vermögen aufbauen wollen – sei es privat oder im institutionellen Umfeld: Markttiming ist ein nettes Gedankenspiel, aber oft eine Illusion.

Wer langfristig investiert, braucht keinen perfekten Einstieg – sondern nur Disziplin. Wer unbedingt mehr tun möchte, kann einzelne Titel gezielt beim Rücksetzer kaufen. Doch das Grundgerüst steht fest: Der Sparplan bleibt ungeschlagen.

Alle Berechnungen wurden auf Basis des MSCI World Total Return Index in Euro seit dem 01.01.1999 durchgeführt. Für Tagesgeldzinsen wurde ein Satz von 1,5 % angenommen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Finanzen
[InvestmentWeek] · 20.04.2025 · 07:00 Uhr
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