Josef Fares schlägt Alarm: Bitte tötet die Blockbuster nicht für den AA-Hype!
Es ist eine Zäsur in der Industrie, die kaum jemandem entgangen ist. Während alle Welt den überraschenden Erfolg von AA-Titeln wie Clair Obscur: Expedition 33 feiert und Analysten bereits das Ende der gigantischen Budgets prophezeien, hebt einer den mahnenden Zeigefinger, der sonst eher für seine exzentrischen Ausbrüche und leidenschaftlichen Rants bekannt ist: Josef Fares. Der Creative Director von Hazelight Studios, der zuletzt mit dem Koop-Abenteuer Split Fiction erneut Konventionen brach, fürchtet, dass die Pendelbewegung zu stark ausschlägt und die Ära der gigantischen Blockbuster unter die Räder kommen könnte.
Ein Grand Theft Auto gibt es nicht zum Schnäppchenpreis
Fares bringt es in einem Interview mit The Game Business gewohnt unverblümt auf den Punkt: Ein Epos wie Grand Theft Auto zimmert man nicht mit einem schmalen Budget von 10 Millionen Dollar zusammen. Seine Sorge ist begründet, denn in den Chefetagen der Publisher könnte nun der Irrglaube herrschen, dass AA das neue Allheilmittel sei. „Ich könnte nicht ohne AAA-Titel leben“, gesteht er und betont, dass das Ökosystem der Spieleindustrie zwingend von Vielfalt lebt. Es wäre fatal, wenn Entscheidungsträger nun blindlings auf den Zug aufspringen und dabei vergessen, dass für jeden Überraschungshit wie Expedition 33 unzählige andere mittelgroße Projekte sang- und klanglos in der Bedeutungslosigkeit versunken sind. Man darf sich nicht von Ausnahmen blenden lassen.
Innovation trotz Millionenrisiko?
Oft wird argumentiert, dass astronomische Budgets die Kreativität ersticken, weil das finanzielle Risiko minimiert werden muss und Publisher auf Nummer sicher gehen. Doch Fares hält vehement dagegen. Er verweist auf Schwergewichte wie Naughty Dog, Rockstar oder Nintendo, die trotz – oder gerade wegen – ihrer massiven Ressourcen die Grenzen des Machbaren verschieben. Innovation ist kein exklusives Privileg der Indie-Szene. Er räumt jedoch ein, dass ab einer gewissen finanziellen Schallmauer, sagen wir jenseits der 100 Millionen Dollar, die Angst regiert. Wenn so viel Geld auf dem Spiel steht, werden die Knie weich, doch das bedeutet nicht, dass Mut in diesem Segment unmöglich ist; es erfordert nur visionäre Führung.
Verantwortungsvoller Wahnsinn bei Hazelight
Was seine eigene Schmiede betrifft, so bleibt Fares seiner Linie treu. Die Devise lautet, den Status quo ordentlich aufzumischen – oder wie er es blumig ausdrückt: „f*** s*** up“. Doch hinter dieser anarchischen Fassade steckt ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein. Es geht darum, Grenzen zu sprengen, ohne dabei die Existenzgrundlage der Belegschaft zu gefährden. Am Ende des Tages müssen Mieten gezahlt und Meilensteine erreicht werden. Es ist dieser Drahtseilakt zwischen kreativem Wahnsinn und wirtschaftlicher Vernunft, der Split Fiction und seine Vorgänger so einzigartig macht, unabhängig davon, wie viele Nullen am Ende auf dem Budget-Scheck stehen.


