Protestwelle

Iran: Trump sagt Demonstranten Hilfe zu - Bedrückte Stimmung

13. Januar 2026, 20:23 Uhr · Quelle: dpa
Proteste im Iran
Foto: Uncredited/UGC/AP/dpa
Ausgelöst durch eine schwere Wirtschaftskrise demonstrieren seit mehr als zwei Wochen Iranerinnen und Iraner landesweit gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik. (Archivbild)
US-Präsident Trump stoppt Verhandlungen mit Iran und verspricht Hilfe bei Protesten, während Gewaltopfer ansteigen und europäische Länder diplomatisch eingreifen.

Teheran/Washington/Berlin (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat angesichts der staatlichen Gewalt gegen Demonstranten im Iran bis auf weiteres alle Gespräche mit der Führung in Teheran ausgesetzt. «Iranische Patrioten, protestiert weiter! Übernehmt eure Institutionen!», schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Er habe alle Treffen mit iranischen Regierungsvertretern abgesagt, bis das «sinnlose Tötung von Demonstranten aufhöre». «Sie werden einen hohen Preis zahlen», schrieb Trump und kündigte an, dass Hilfe unterwegs sei. Was genau er damit meinte, war zunächst unklar.

Im Iran kehrte unterdessen wieder etwas Normalität ein. Sicherheitskräfte und Polizei waren jedoch noch in den Metropolen an zentralen Plätzen postiert, wie Bewohner am Telefon erzählten. Einige Protestteilnehmer hätten sich nach den Drohungen von Trump ein Eingreifen der Vereinigten Staaten gewünscht. «Die Menschen hatten die Hoffnung, dass etwas passiert.» Die größte Gewalt gab es Augenzeugen zufolge in den Nächten am vergangenen Donnerstag und Freitag, als in der Stadt absoluter Ausnahmezustand herrschte. Ab Samstag seien die Demonstrationen dann zunehmend kleiner geworden. Es herrsche angespannte Ruhe.

Menschenrechtler melden mehr als 2.500 Tote bei Protesten

Aktivisten berichteten unterdessen über eine hohe Zahl an Todesopfern. Seit Ausbruch der Proteste seien mindestens 2.500 Menschen ums Leben gekommen, berichtete die Menschenrechtsorganisation Hengaw mit Sitz in Norwegen und wies darauf hin, ihr Verifikationsteam sei täglich damit beschäftigt, Todesfälle im Kontext der Massenproteste zu dokumentieren.

Iran Human Rights (IHRNGO), ebenfalls in Norwegen registriert, bezifferte die Zahl der getöteten Demonstranten auf mindestens 734. Die Organisation warnte aber auch davor, dass die tatsächliche Zahl der Todesopfer deutlich höher, gar bei Tausenden, liegen könnte. Der iranische Staat verteidigte das gewaltsame Vorgehen damit, dass es sich bei den Teilnehmern der Unruhen um «Terroristen» oder «Randalierer» gehandelt habe. Alle Angaben können derzeit nicht unabhängig überprüft werden.

Trump drohte bereits mit anderen Maßnahmen

Am Montag bereits hatte Trump auf seiner Plattform Truth Social einen Strafzoll von 25 Prozent auf Importe aus allen Ländern angekündigt, die Geschäfte mit dem Iran machen. Offen blieben allerdings viele Fragen: So war nicht klar, welche Länder konkret betroffen sein könnten. Zu den wichtigsten Handelspartnern der Islamischen Republik, die von den USA und der EU mit weitreichenden Sanktionen belegt ist, gehören unter anderem China, Indien, die Emirate und die Türkei. Aber auch EU-Länder wie Deutschland betreiben in geringem Umfang Handel mit dem Iran.

Europäische Länder bestellen iranische Botschafter ein

Das Auswärtige Amt, mehrere andere europäische Länder und die EU bestellten unterdessen als Reaktion auf das gewaltsame Vorgehen bei den Massenprotesten iranische Diplomaten ein. Die Brutalität des Regimes sei schockierend, teilte das deutsche Ministerium auf der Plattform X mit. 

Die förmliche Einbestellung eines Botschafters gilt als scharfes diplomatisches Mittel, mit dem die Regierung des Gastlandes eine deutliche Verstimmung signalisiert. Unter anderem auch Frankreich, Dänemark und Großbritannien bestellten die iranischen Botschafter in ihren Ländern ein. 

Iranische Justiz klagt erste Demonstranten an

Irans Justiz stellte derweil die ersten Protestteilnehmer vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft in Teheran habe gegen mehrere inhaftierte Personen Anklage erhoben, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim. Besonders schwere Fälle von «Randalierern» würden vorrangig und gesondert behandelt. Dazu zähle auch der Vorwurf der «Kriegsführung gegen Gott» – ein Tatbestand, der nach islamischem Recht im Iran ein Todesurteil bedeuten kann. Amnesty International warnte, dass bereits an diesem Mittwoch das erste Todesurteil im Zusammenhang mit den aktuellen Protesten vollstreckt werden könnte.

Merz sieht Irans Führung am Ende

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) rechnet angesichts der Massenproteste mit einem politischen Umbruch. «Wenn sich ein Regime nur noch mit Gewalt an der Macht halten kann, dann ist es faktisch am Ende. Ich gehe davon aus, dass wir jetzt hier auch gerade die letzten Tage und Wochen dieses Regimes sehen», sagte er bei seiner Indien-Reise. 

«Ich hoffe, dass es eine Möglichkeit gibt, diesen Konflikt friedlich zu beenden. Das muss das Mullah-Regime jetzt auch einsehen», sagte Merz. Mit den USA, Großbritannien und Frankreich sei man zu dieser Frage im Gespräch. «Die Außenminister stehen in engstem Kontakt zueinander, um jetzt dafür zu sorgen, dass es im Iran einen friedlichen Übergang geben kann zu einer demokratisch legitimierten Regierung». 

Außenminister Abbas Araghtschi attackierte Merz in den sozialen Medien dafür. «Iraner erinnern sich auch an die widerwärtige Lobpreisung Israels durch Herrn Merz», schrieb der Minister auf der Plattform X in Anspielung auf Merz umstrittene «Drecksarbeit»-Äußerung. Merz hatte im Juni 2025 die israelischen Angriffe auf den Iran verteidigt und gesagt, dass Israel die Drecksarbeit für alle mache. «Schämen Sie sich», schrieb Araghtschi weiter.

Erstmals wieder Anrufe aus dem Iran möglich

Bewohner aus Teheran berichteten von schrecklichen Tagen, nachdem am Dienstag erstmals wieder Anrufe ins Ausland möglich waren. «Wir hören, dass täglich Hunderte Opfer - Tote und Verletzte - in die Krankenhäuser gebracht werden. Die Lage ist nicht gut», sagte ein junger Mann. Das Internet bleibt aber weiter gesperrt. Irans Sicherheitsapparat hatte die Bevölkerung angesichts von Massenprotesten seit Donnerstagabend von der Außenwelt abgeschnitten.

Während der Internet-Blockade konnten sich Iranerinnen und Iraner auch über Satellitenfernsehen informieren. Einige Exilsender sind im Iran empfangbar. In mehreren Teilen Teherans jedoch haben Sicherheitskräfte begonnen, Satellitenschüsseln von Hausdächern zu beschlagnahmen – eine alte Praxis aus der Zeit vor dem Internet. Satellitenschüsseln sind offiziell verboten.

Konflikte / Demonstration / Diplomatie / Iran / USA / Deutschland / Menschenrechte
13.01.2026 · 20:23 Uhr
[0 Kommentare]
Capri
Capri (dpa) - Sonne, Meer - und künftig wohl deutlich weniger aufdringliche Touristenfänger: Auf der bei Urlaubern beliebten italienischen Mittelmeerinsel Capri geht die Kommune jetzt mit einem harten Kurs gegen das Ansprechen von Touristen auf offener Straße vor. Wer Urlauber künftig ungefragt in Restaurants locken oder ihnen Bootstouren und Ausflüge […] (00)
vor 10 Minuten
Das Wireless Festival wurde abgesagt, nachdem das Innenministerium Kanye die ETA entzogen hat.
(BANG) - Das Wireless Festival wurde abgesagt, nachdem das Innenministerium Kanye die ETA entzogen und ihm damit die Einreise ins Vereinigte Königreich verweigert hat. Festival Republic bestätigte die Entscheidung in einer Erklärung und teilte mit, dass alle Ticketinhaber Rückerstattungen erhalten werden. Ein Sprecher sagte: "Das Innenministerium hat YE […] (00)
vor 17 Stunden
Anthropic
San Francisco (dpa) - Ein neues KI-Modell des OpenAI-Rivalen Anthropic ist so gut darin, bisher unentdeckte Software-Schwachstellen zu finden, dass es in den falschen Händen zu einer verheerenden Cyberwaffe werden könnte. Deshalb macht Anthropic es nicht öffentlich, sondern lässt Unternehmen wie Apple, Amazon und Microsoft damit Sicherheitslücken in […] (00)
vor 7 Stunden
Sony kauft Cinemersive Labs – was das für die PlayStation 6 bedeuten könnte
Sony Interactive Entertainment hat erneut zugekauft – und diesmal ist es kein Spielestudio, sondern ein auf maschinelles Lernen spezialisiertes Technologieunternehmen aus Großbritannien. Was hinter der Übernahme von Cinemersive Labs steckt und warum die Implikationen weit über die aktuelle Konsolengeneration hinausreichen, macht die Sache besonders […] (00)
vor 43 Minuten
«Hormongesteuert»: MDR-Erfolgspodcast geht in die fünfte Staffel
Der Podcast über die Wechseljahre trifft einen Nerv und liefert weiter fundierte Antworten auf drängende Fragen. Der MDR baut sein erfolgreiches Gesundheitsformat weiter aus: Hormongesteuert, produziert von MDR Aktuell, ist in die fünfte Staffel gestartet. Die neuen Folgen sind ab sofort in der ARD Audiothek abrufbar, im Radio läuft die Staffel ab dem 12. April im Rahmen des „Podcast-Sonntag“. […] (00)
vor 1 Stunde
Weltverband berät über Formel-1-Regeln
Berlin (dpa) - Die Formel 1 macht in der hitzigen Debatte um schnelle Reparaturen am neuen Regelwerk Ernst. Technikchefs der Teams und Vertreter der Motorenbauer beraten mit den Spitzen des Weltverbands Fia und der Rennserie über mögliche Änderungen, um die anhaltende Kritik aus dem Fahrerlager zu dämpfen. «Es schmerzt die Seele», hatte Weltmeister […] (00)
vor 1 Stunde
bitcoin, table, courses, finance, virtual, crypto, currency, money, coin, computer
Analyse der Ripple (XRP) Kursentwicklung Wichtige Unterstützungsniveaus: $1,3, 1 Wichtige Widerstandsniveaus: $1,6, $1,4 XRP strebt $1,4 an In dieser Woche hat XRP um 4% zugelegt und scheint bereit, die Marke von $1,4 zurückzuerobern, die derzeit als wichtiger Widerstand fungiert. Sollte dies gelingen, könnte die […] (00)
vor 59 Minuten
Fikara auf der SurfaceTechnology GERMANY 2026
Hilden, 08.04.2026 (PresseBox) - Als inhabergeführtes Unternehmen gehört die Fikara GmbH & Co. KG, Aussteller an Stand C 41 (56) der diesjährigen SurfaceTechnology GERMANY, seit 1982 zu den wichtigsten Anbietern von Galvanisieranlagen und Zubehör. Die damit verbundenen Leistungen bietet das Unternehmen komplett aus einer Hand: von der Planung in enger […] (00)
vor 1 Stunde
 
Windräder (Archiv)
Berlin - Eine breite Mehrheit der Menschen in Deutschland steht laut einer Umfrage […] (06)
Ölkrieg am Abgrund: Trumps finales Ultimatum droht die Weltwirtschaft zu zerreißen
Das 20-Uhr-Ultimatum bringt das Pulverfass zum Kochen Die Welt blickt starr auf die […] (02)
Ärztehaus (Archiv)
Düsseldorf - Immer mehr Kinder, Jugendliche und Erwachsene in NRW leben mit der […] (00)
Tankstelle (Archiv)
München - Die neue Tankstellen-Regel zeigt auch eine Woche nach ihrem Inkrafttreten […] (01)
Mindy Kaling startet neue Comedy «Not Suitable for Work»
Fünf Karrieristen, ein New Yorker Szeneviertel und jede Menge Chaos zwischen Job und […] (00)
Maite Kelly
(BANG) - Maite Kelly hat ein Angebot ausgeschlagen, das für viele ein echter Traum […] (00)
kostenloses stock foto zu banknoten, bargeldlose gesellschaft, berlin
Im Zuge des sich intensivierenden Wettlaufs um künstliche Intelligenz hat Anthropic […] (00)
Real Madrid - FC Bayern München
Madrid (dpa) - Diesmal verließ Manuel Neuer das berühmte Estadio Santiago Bernabéu […] (00)
 
 
Suchbegriff