Inflation zieht in Frankreich und Spanien überraschend an – Ölpreise und Nahost-Spannungen belasten Industrie
Erstmals im Jahr 2025 ist die Inflation in zwei der größten Volkswirtschaften der Eurozone wieder gestiegen: In Frankreich zogen die Verbraucherpreise im Juni um 0,8 % an, in Spanien lag der Anstieg sogar bei 2,2 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Beide Werte lagen über den Erwartungen von Analysten und markieren eine Trendumkehr nach monatelangem Rückgang.
Als zentraler Treiber gilt der starke Anstieg der Energiepreise infolge geopolitischer Spannungen im Nahen Osten. Frankreichs Statistikbehörde nennt explizit die „Rückkehr steigender Preise für Mineralölprodukte“, während das spanische Pendant auf die im Vorjahresvergleich höheren Kraftstoffpreise verweist. Hintergrund ist der temporäre Preissprung nach dem israelischen Angriff auf iranisches Territorium, der die Ölfutures an den globalen Märkten kurzfristig nach oben trieb.
Gleichzeitig trübt sich das Stimmungsbild in der Industrie ein. Der Economic Sentiment Indicator der EU-Kommission fiel im Juni unerwartet, vor allem wegen pessimistischerer Einschätzungen im verarbeitenden Gewerbe. Hier machen sich nicht nur höhere Energiepreise bemerkbar, sondern auch wachsende Unsicherheit im transatlantischen Handel. Besonders betroffen: Auftragslage, Lagerbestände und Produktionserwartungen.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde warnte in einer Anhörung im Europäischen Parlament, dass ein längerfristiger Rückgang der Öl- und Gaslieferungen durch die Straße von Hormus „sekundäre Effekte auf ein breites Preisniveau“ auslösen könnte. Ihr Stellvertreter Luis de Guindos ergänzte, höhere Energiepreise könnten das Wachstum dämpfen und dadurch auch bremsend auf die Inflation wirken.
Trotz dieser Entwicklungen dürfte sich die Europäische Zentralbank in ihrer Zinspolitik vorerst nicht vom Kurs abbringen lassen. Die Inflation im Euroraum lag zuletzt unter dem 2 %-Ziel der EZB, und eine weitere Zinssenkung im Laufe des Jahres gilt unter Marktteilnehmern als wahrscheinlich. Ob sich dieser Trend fortsetzt, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung der Energiepreise und den kommenden Daten – insbesondere aus Deutschland und dem Euroraum insgesamt – ab.

