Im Test: The Walking Dead: Survival Instinct
Die erste Videospiel-Adaption von The Walking Dead in Form eines klassischen Point ‘n’ Click-Adventures von Telltale Games räumte letztes Jahr unzählige Industrie-Awards ab und wurde von vielen als klares Game of the Year bezeichnet. In der Zwischenzeit entschied Activision, auf den Zombie-Zug aufzuspringen und ebenfalls eine Lizenz-Umsetzung zu produzieren. Während sich Telltales’ The Walking Dead aber am Comic-Original von Robert Kirkman orientiert, nahm Terminal Reality die von AMC produzierte TV-Serie ins Visier. Das Resultat: The Walking Dead: Survival Instinct. Nachdem ich nun die Vollversion in Händen halte, kann ich mit Gewissheit sagen, dass es falsch war, das Experiment nach den ersten Gameplay-Leaks automatisch für gescheitert zu erklären. Versteht mich nicht falsch – es ist tatsächlich gescheitert, aber es hätte definitiv klappen können.
The Walking Dead: Survival Instinct entführt euch zurück in die Anfangstage der Zombie-Epidemie. Deryl Dixon und sein Vater sind Teil einer kleinen Gruppe von Überlebenden, die beim Jagen von “Walkern” (die hier “Biters” genannt werden) überrascht wurden. Nachdem Daddy das Zeitliche gesegnet hat, beschließt Deryl, nach seinem Bruder Merle zu suchen, der die Familie verlassen und sich einer Motorradgang angeschlossen hat. Dazu muss er jedoch einmal quer durch die von Zombies versuchten US-Südstaaten reisen. Es folgt ein Road Trip der besonderen Art.
Wie der Titel suggeriert, dreht sich in The Walking Dead: Survival Instinct alles ums Überleben (ja, wirklich!). Ich muss zugeben: Der “Survivalist”-Aspekt des Spiels ist an und für sich gut gemacht und wurde solide umgesetzt. Es ist kein wilder Zombie-Shooter Marke Left 4 Dead – attackiert ihr Walker, ohne nachzudenken, werdet ihr schnell etliche Bildschirmleben lassen, da sich die wandelnden Toten in Gruppen sammeln und euch binnen Sekunden schlicht erdrücken. Um nicht wie euer Vater zu enden, müsst ihr schnell und geschickt sein. Ihr schleicht geduckt entweder an Walkern vorbei oder lockt sie gezielt an, um sie nacheinander auszuschalten und keine unnötige Aufmerksamkeit euch zu ziehen.
Da ihr keinen unnötigen Lärm machen dürft, ist der Gebrauch von Schusswaffen die meiste Zeit über absolut tabu. Stattdessen schnappt ihr euch alles, was sich als Schlagwaffe benutzen lässt – und nehmt auch sonst alles mit, was nützlich erscheint und nicht angewachsen ist. Looten ist ein elementarer Teil des Gameplays, und wenn ihr einfach schnell weiterkommen wollt, ohne eure Umgebung abzugrasen, werdet ihr rasch vor enorme Probleme gestellt.
Da es glatter Selbstmord wäre, ungeschützt durch die untoten Vereinigten Staaten zu reisen, braucht ihr ein Auto. Ein Auto braucht seinerseits aber wiederum Treibstoff. Heißt: Ihr müsst stets eure Augen nach Treibstoff offen halten, sonst seid ihr geliefert. Nach jeder Mission stellt euch das Spiel die Wahl: Wollt ihr lieber die schnellste Route nehmen, die wenig Sprit verbraucht, aber euch mehr Hindernisse in den Weg legt (z.B. müsst ihr zwischendurch Autowracks aus dem Weg schieben, während ihr euch gegen Walker verteidigt) oder lieber Benzin opfern und über sichere Seitenstraßen fahren? Alternativ gibt es einen Kompromiss – gleich viel Gefahr wie Spritverbrauch – der aber weder Fisch, noch Fleisch ist und daher selten von mir gewählt wurde. Grundsätzlich empfiehlt es sich, die Seitenstraßen zu nehmen, da ihr dort auch bei häufigen Stopps das meiste und nützlichste Loot findet. Der Spritverbrauch ist in Relation dazu geschenkt, sofern ihr die Levels gründlich genug absucht.


