Im Scheinwerferlicht: Verhandlung um Wirecard wächst zu Dramatik und Spannung
Vor dem Münchner Landgericht verdichtet sich das Spannungsfeld im Wirecard-Prozess, während das Schicksal des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Markus Braun einen weiteren dramatischen Akt erreicht. Am mittlerweile 208. Prozesstag wurden neue, klare Signale gesendet, dass das Gericht Brauns Behauptung, er sei vom verschwundenen Ex-Vertriebsvorstand Jan Marsalek betrogen worden, skeptisch betrachtet. Der Vorsitzende Richter Markus Födisch stellte unmissverständlich fest, dass diese Darstellung für den Betrugsfall „objektiv keine Rolle“ spiele. In einem emotionalen Appell versicherte der sichtlich angeschlagene Braun erneut seine Unwissenheit, sichtlich bewegt und fast den Tränen nahe.
Die Anklage wirft Braun vor, ein Komplize von Marsalek zu sein, indem sie ihm eine bedeutsame Rolle bei der Manipulation der Wirecard-Bilanzen unterstellen. Über Jahre sollen fiktive Umsätze und Gewinne die kreditgebenden Banken in die Irre geführt haben. Braun hingegen stellt sich als Opfer und argumentiert, dass Marsalek zwei Milliarden Euro abgezweigt habe, um heimlich Geschäfte auf eigene Rechnung zu tätigen. Laut Braun habe er „nie jemand angewiesen, etwas zu fälschen oder zu veruntreuen“, wobei seine bisher noch nie so emotional gezeigte Seite im laufenden Verfahren zu Tage trat.
Richter Födisch hinterfragte die Verteidigungslinie von Brauns Anwältinnen mit scharfsinnigem Kalkül: Selbst wenn eine Tätergruppe um Marsalek agiert habe, entlaste das Braun nicht zwingend. Wesentlich für das Urteil wird die Bewertung der falschen Bilanzen sein. Der einstige Dax-Riese fiel im Juni 2020 in sich zusammen, als 1,9 Milliarden Euro, angeblich auf Treuhandkonten in den Philippinen, ins Nichts verschwanden. Insolvenzverwalter haben inzwischen bestätigt, dass diese Gelder nie existierten.
Lautstark positionierte sich auch Staatsanwältin Inga Lemmers in der hitzigen Verhandlung: Sie konfrontierte Braun mit den wechselnden Erklärungen, während dieser versuchte, gelassen zu bleiben und jeglicher Polemik zu widerstehen. Der Druck auf den ehemaligen Top-Manager bleibt hoch, während die Welt gespannt auf den Ausgang dieses aufsehenerregenden Prozesses blickt.

