IG BCE gegen Kanzler Merz: Beschäftigte lehnen Abschaffung des Acht-Stunden-Tages ab
Klare Ablehnung aus den Betrieben
Laut einer Befragung der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) bewerten mehr als drei Viertel der rund 4.800 Teilnehmer den Vorschlag der Bundesregierung, den Acht-Stunden-Tag zugunsten einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit von 48 Stunden abzuschaffen, als „eher schlecht“ oder „sehr schlecht“.
IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis bezeichnete den Vorstoß als „überflüssig wie ein Kropf“ – gesundheitsschädlich, unsicher und aus einem „arbeitspolitischen Weltbild des vergangenen Jahrhunderts“.
Regierung will flexibleres Modell
Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag vereinbart, die tägliche Begrenzung auf 8 bis 10 Stunden durch eine Wochenregelung zu ersetzen – entsprechend der EU-Arbeitszeitrichtlinie. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) führt dazu derzeit Dialoge mit Arbeitgebern und Gewerkschaften. Beim dritten Treffen an diesem Dienstag steht die Pflicht zur elektronischen Zeiterfassung auf der Agenda.
Arbeitgeber pochen auf Spielräume
Die Arbeitgeber sehen Vorteile in längeren Arbeitstagen bei gleichbleibender Wochenarbeitszeit. Mathias Schöttke, Hauptgeschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC), sagte: „In bestimmten Situationen muss auch einmal länger als zehn Stunden gearbeitet werden können.“ Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte zuletzt gefordert: „Wir müssen in diesem Land wieder mehr und effizienter arbeiten.“
Beschäftigte fühlen sich bereits belastet
Die Umfrage zeichnet ein anderes Bild:
- 69 % teilen die Aussage von Merz nicht.
- 90 % klagen über zunehmende Arbeitsverdichtung und hohes Stresslevel.
- 60 % wünschen sich von ihrer Gewerkschaft eine Reduzierung der Arbeitszeit.
In der Chemiebranche gilt aktuell eine tarifliche Wochenarbeitszeit von 37,5 Stunden.
Konflikt mit Signalwirkung
Während die Arbeitgeber auf mehr Flexibilität pochen, fordern viele Beschäftigte das Gegenteil: kürzere Arbeitszeiten und stärkeren Gesundheitsschutz. Die Ergebnisse könnten auch die kommenden Tarifrunden prägen. Mitte Oktober will Arbeitsministerin Bas ihren Gesetzentwurf zur Reform des Arbeitszeitgesetzes vorlegen – ein Kompromiss zwischen Union, SPD, Arbeitgebern und Gewerkschaften gilt als schwierig.

