HSBC zieht sich von mehr als 1.000 vermögenden Kunden im Nahen Osten zurück
HSBCs Schweizer Privatbank beendet die Geschäftsbeziehungen zu über 1.000 Kunden aus dem Nahen Osten, darunter Anleger mit Vermögen von jeweils mehr als 100 Mio. Dollar. Betroffen sind vor allem Kunden aus Saudi-Arabien, Katar, dem Libanon und Ägypten. Die Bank hat begonnen, entsprechende Schreiben zu versenden und die Vermögenden aufzufordern, ihre Konten in den kommenden Monaten zu verlagern.
Die Maßnahme fällt in eine Zeit intensiver regulatorischer Überprüfung. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma hatte 2024 festgestellt, dass HSBC zwischen 2002 und 2015 bei Transaktionen von über 300 Mio. Dollar zwischen Libanon und der Schweiz gegen Sorgfaltspflichten im Rahmen der Anti-Geldwäsche-Gesetzgebung verstoßen hatte. Daraufhin wurde der Bank untersagt, neue Kundenbeziehungen mit politisch exponierten Personen (PEPs) einzugehen, bis eine vollständige Überprüfung der bestehenden Hochrisikoklienten abgeschlossen sei.
Die Kriterien für „high risk“-Kunden beginnen bei einem Vermögen von über 100 Mio. Franken und berücksichtigen zusätzlich Faktoren wie Nationalität. Interne Vorgaben schreiben für solche Kunden strengere Prüfungen vor. Die aktuelle Bereinigung deutet darauf hin, dass HSBC die regulatorischen Auflagen nun rigoros umsetzt.
Parallel dazu untersucht die französische Justiz zusammen mit Schweizer Behörden HSBC wegen mutmaßlicher Geldwäsche im Zusammenhang mit historischen Kundenbeziehungen. Diese laufenden Verfahren verstärken den Druck auf das Institut, sein Risikoprofil zu senken.
Während HSBC den Zugang für reiche Privatkunden beschränkt, bauen Wettbewerber ihre Wealth-Management-Präsenz im Nahen Osten aus. Credit Suisse-Veteran Aladdin Hangari war 2023 zu HSBCs Schweizer Einheit gewechselt, um die Position im Private Banking zu stärken, doch das Institut hinkt der Konkurrenz weiterhin hinterher.
Barry O’Byrne, Leiter von HSBCs International Wealth and Premier Banking, betonte, dass die Bank trotz der jüngsten Schritte „eine absolute Verpflichtung gegenüber unseren Middle East- und Swiss-Wealth-Geschäften“ habe und weiterhin investieren werde. Gleichwohl bleibt klar: Die Bank muss zwischen Wachstumsstrategie und regulatorischer Realität einen schmalen Grat beschreiten.

