Herner Kindermord: Was wir wissen - und was nicht

10. März 2017, 19:30 Uhr · Quelle: dpa

Herne (dpa) - Marcel H. war mehrere Tage auf der Flucht, dann endlich stellte sich der mutmaßliche Kindermörder in Herne. Die Polizei nimmt den 19-Jährigen am Donnerstagabend fest. Den Beamten schildert er «eiskalt» seine Taten. Ein Überblick:

WAS WIR WISSEN

Die erste Tat: Jaden (9) wird am Montagabend in Herne erstochen im Keller eines Nachbarhauses gefunden. Laut Obduktion ist der Junge mit 52 Messerstichen getötet worden. Marcel H. hatte ihn unter dem Vorwand, sich beim Tragen einer Leiter helfen zu lassen, dort hingelockt. Der 19-Jährige hatte früher mit seinen Eltern in dem Haus gelebt. Die Familie war aber bereits seit einiger Zeit ausgezogen.

Der Verdächtige: Die Polizei beschreibt Marcel H. als jungen Mann mit wenigen Sozialkontakten. Nachdem er im vergangen Jahr das Berufskolleg verlassen hatte, habe er orientierungslos gelebt. Der 19-Jährige habe sich als internet- und spielsüchtig bezeichnet. Er haben ein umfassendes Geständnis abgelegt. In den Vernehmungen äußert er sich laut Polizei «eiskalt».

Das Motiv: Marcel H. ist nach eigenen Angaben am Montag in die alte Wohnung gekommen, um sich das Leben zu nehmen. Ein Motiv sei eine Absage auf eine Bewerbung bei der Bundeswehr gewesen. Weil die Selbsttötungs-Versuche misslangen, will sich der 19-Jährige zu einem Mord entschlossen haben, «um so in den Knast zu kommen».

Die Flucht: Nach der Tat hat sich Marcel H. nach eigenen Angaben zunächst in einem Wald in der Nähe des Tatorts versteckt. Von dort will er am gleichen Abend zur Wohnung seines zweiten Opfers gegangen sein, den er entfernt aus dem Berufskolleg gekannt habe. Den 22-Jährigen habe er gebeten, ihn einige Tage bei sich zu beherbergen. In der Wohnung will er bis Donnerstagabend - als er sich der Polizei stellte - geblieben sein.

Die zweite Tat: Laut Geständnis soll der 22-Jährige am Dienstagmorgen Marcel H. damit konfrontiert haben, dass er als mutmaßlicher Mörder gesucht werde. Weil der Wohnungsinhaber die Polizei informieren wollte, habe Marcel H. ihn mit 68 Messerstichen und Gewalt gegen den Hals getötet. Die Leiche habe er anschließend zugedeckt.

Die Festnahme: Marcel H. hat angegeben, im Laufe des Donnerstags sei in ihm der Entschluss gewachsen, sich zu stellen. Zunächst will er vergeblich versucht haben, die Polizei mit dem Handy seines zweiten Opfers anzurufen. Am Abend habe er dann die Wohnung verlassen und sei zum dem Grillimbiss gegangen. Zuvor habe er noch in der Wohnung Feuer gelegt, um Beweismittel zu vernichten. Im Grill habe er um ein Telefon gebeten und selbst die Polizei verständigt. In der Wohnung des zweiten Opfers wurden das Tatmesser und die Geldbörse von Marcel H. gefunden.

Die Suche: Die Behörden fahndeten bundesweit nach dem Verdächtigen. Bis Donnerstag gingen sie mehr als 1700 Hinweisen aus ganz Deutschland nach. Es gab immer wieder Großeinsätze, unter anderem in Herne, Mönchengladbach, Wetter (Ruhr) und im Siegerland. Die Fahnder gingen aber aufgrund der Persönlichkeitsstruktur davon aus, dass sich Marcel H. in Herne oder der nähren Umgebung aufhielt. Sie vermuten, dass der Fahndungsdruck schließlich so hoch war, dass sich der 19-Jährige schließlich stellte.

WAS WIR NICHT WISSEN

Die Aussagen: Die Ermittler haben wenig Zweifel an den Angaben. «In allen Bereichen kann man ihm aber nicht trauen», sagt der Leiter der Mordkommission, Klaus-Peter Lipphaus. Insbesondere sei noch nicht geklärt, wo sich Marcel H. wann versteckt habe.

Weitere Opfer: Zum jetzigen Zeitpunkt schließt die Polizei aus, dass der 19-Jährige noch mehr Menschen umgebracht hat. Die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Die erste Meldung am Donnerstagabend, dass in der Wohnung eine zweite Leiche gefunden wurde, zog die Polizei schnell zurück.

Bilder im Internet: Marcel H. hat sowohl von Jadens Leiche als auch von einem Opfer Bilder gemacht. Die Bilder von Jaden hat er laut Polizei zusammen mit Sprachnachrichten über Whats App an einen oder mehrere Bekannte geschickt. Wem er die Bilder aus der Wohnung des 22-Jährigen geschickt hat und wer sie ins Internet gestellt hat, ist noch nicht geklärt. Andere im Internet aufgetauchte Bilder hätten mit dem Fall nichts zu tun gehabt und die Ermittlungen behindert. Es werde geprüft, inwieweit das strafrechtlich relevant sei, sagte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft Bochum.

Kriminalität / Internet / Kinder / Nordrhein-Westfalen
10.03.2017 · 19:30 Uhr
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