Herausfordernde Marktbedingungen belasten RWE - Aktienkurs sinkt
RWE steht im ersten Halbjahr 2023 vor beträchtlichen Herausforderungen, ausgelöst durch ein geringes Windaufkommen sowie ein schwächelndes Energiehandelsgeschäft. Die Normalisierung der Stromterminverkäufe, nach den Preisschwankungen der vergangenen Jahre, trug ebenfalls zur Belastung bei. Dieser Umstände führten zu deutlicheren Ergebnisrückgängen als ursprünglich erwartet. Dennoch zeigt sich Vorstandsvorsitzender Markus Krebber optimistisch und betont, die Firmenziele im Blick zu haben. Das Unternehmen hat bereits die Hälfte des geplanten Nettoergebnisses pro Aktie erreicht, was mit einer Bestätigung der Jahresprognose einhergeht. Die Anleger jedoch zeigten sich enttäuscht.
Am Finanzmarkt spiegelte sich die Enttäuschung wider: Die Aktie des DAX-Unternehmens verzeichnete am Vormittag einen Rückgang von 3,3 Prozent, was den bereits bestehenden Abwärtstrend der letzten Tage noch verstärkte. Das bisherige Kursplus des Jahres schmolz dadurch auf unter 20 Prozent.
Bernstein-Analystin Deepa Venkateswaran beschreibt die Halbjahreszahlen als umfassenden Rückschlag, der die komplexen Rahmenbedingungen in den Geschäftsbereichen Energiehandel und Flexibler Erzeugung verdeutlicht. RWE verzeichnete einen Rückgang beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um mehr als ein Viertel auf rund 2,1 Milliarden Euro, was die Analystenschätzungen leicht übertraf.
Die ersten sechs Monate des Jahres zeichneten sich durch ein uneinheitliches Geschäftsumfeld aus. Während das Windaufkommen in Europa enttäuschend war, erreichte es in den USA überdurchschnittliche Werte. Der Stromverbrauch entwickelte sich ebenfalls unterschiedlich, sank in Deutschland leicht und stieg in den USA, bedingt durch diverse wirtschaftliche Entwicklungen und den Bau neuer energieintensiver Rechenzentren.
Der stark gestiegene Erdgaspreis, ausgelöst durch eine hohe Energienachfrage sowie Bedenken hinsichtlich der künftigen Gaslieferungen aus Russland, drückte zusätzlich auf die Margen von RWE im Stromterminverkauf. Trotz der herausfordernden Bedingungen investierte RWE im ersten Halbjahr 2,5 Milliarden Euro netto in den Ausbau erneuerbarer Energien.
Finanzvorstand Michael Müller gibt jedoch Entwarnung im Hinblick auf die Verschuldungsquote, welche unter der selbstgesteckten Obergrenze bleiben soll. Die langfristigen Investitionspläne von RWE wurden jedoch angepasst, beeinflusst durch die politischen Entwicklungen und Vorhaben von Donald Trump, die Unsicherheit geschaffen hatten.
Um mögliche Risiken bei den Kosten neuer Projekte zu minimieren, verlagert RWE mittlerweile die Beschaffung stärker auf US-amerikanische Hersteller.

