Handelsrouten im Wandel: DHL-Chef sieht zunehmende Komplexität im Welthandel
Die Ankündigung eines neuen Zollpakets durch US-Präsident Donald Trump sorgt für Aufruhr in der Logistikbranche. Tobias Meyer, Chef der DHL Group, äußerte seine Erwartungen hinsichtlich wachsender Komplexität im Welthandel auf einer Kapitalmarkttagung in London.
Die Handelsrouten, so Meyer, würden sich grundlegend ändern und dabei eine höhere Komplexität gewinnen. Obwohl er bezüglich der unmittelbaren Auswirkungen auf die Geschäftszahlen von DHL noch keine konkreten Prognosen abgeben wollte, bleibt doch eine gewisse Unsicherheit bestehen.
An der Börse spiegelte sich diese Unsicherheit wider: Die Aktie von DHL verzeichnete ein Minus von 4,5 Prozent und gehörte damit zu den größten Verlierern im Dax, der selbst um gut 2 Prozent fiel. Trotz dieses Rückschlags weist die Aktie seit Jahresbeginn immer noch einen Gewinn von rund 10 Prozent auf.
Präsident Trumps Zoll-Pläne, die am Vorabend verkündet wurden, beinhalten eine pauschale Zollabgabe von zehn Prozent auf Importe aus allen Ländern ab Samstag. Darüber hinaus sollen je nach Land noch höhere Abgaben durch wechselseitige Zollmechanismen hinzukommen.
Meyer bemerkte, dass der Marktanteil von DHL in den USA kleiner sei als in anderen Regionen der Welt. Langfristige Vorhersagen zur Entwicklung der Handelsvolumina gestalteten sich daher schwierig.
Bernstein Research Analyst Alex Irving sieht in den Veränderungen Potenzial für Süd- und Südostasien. Er prognostiziert, dass die dortigen Lieferketten an Bedeutung gewinnen könnten, was die Nachfrage nach Logistikdienstleistungen anheizen würde. Dies könnte wiederum der Gewinnspanne der Spediteure zugutekommen.
Trotz der ungewissen Zeiten fühlt sich Meyer gut gerüstet. Er verwies auf das Beispiel des Brexits, bei dem sich die Anzahl der Sendungen zwar verringerte, die DHL durch zusätzliche Dienstleistungen aber auch profitieren konnte. Die Strategie, volatil geprägte Perioden als Chance zu begreifen, könnte sich als wertvoll erweisen.

