Goldman Sachs verteidigt Apple-Kreditkarte

Als Apple bei seinem Event im März die eigene Kreditkarte in Zusammenarbeit mit Goldman Sachs vorstellte, bewarb es vor allem die kundenfreundlichen Features der Apple Card. So betonte der IT-Konzern bei der Vorstellung der Karte, dass diese keine Gebühren verursache. Darüber hinaus lockt Apple Kunden mit Rabatten bei Einkäufen, die mithilfe der Kreditkarte geleistet werden. So erhält der Kunde bei Einkäufen einen Rabatt von bis zu zwei Prozent. Geht es um konzerneigene Produkte, wird es sogar drei Prozent günstiger.

Citigroup und weitere Banken nicht an Apple-Deal interessiert

Aufgrund der Gebührenfreiheit, sowie des beschriebenen Cashback-Programms kamen bei einigen Banken Zweifel daran auf, ob sich die Apple Card für das Unternehmen selbst, sowie den Partner Goldman Sachs, überhaupt lohnen könne. So sei insbesondere der iKonzern durch schwächelnde iPhone-Absatzzahlen gezwungen, sich breiter aufzustellen und neue Einkommensquellen aufzutun. Darüber hinaus wurde bekannt, dass Goldman Sachs nicht die erste Bank war, mit der Apple hinsichtlich einer eigenen Kreditkarte Gespräche führte. So berichte der US-Nachrichtensender CNBC, dass schon die Citigroup sich aus Verhandlungen zu einem Deal mit Apple zurückzog. Zu groß seien die Zweifel gewesen, mit der Kreditkarte könne kein Gewinn erzielt werden. Auch andere Großbanken wie JPMorgan und Barclays ließen den Smartphone-Hersteller abblitzen.

Goldman Sachs bekräftigt Apple-Zusammenarbeit

Nun verteidigte jedoch Goldman Sachs die Kooperation mit Apple. So erklärte Omer Ismail von Goldman Sachs gegenüber Business Insider, dass sich seine Bank nicht um die Profitabilität der Apple Card sorge. Für ihn bedeute höhere Kundenfreundlichkeit nicht zwangsläufig kleinere Gewinne. So würden Goldman Sachs und Apple durch das für Kunden günstige Angebot deren Loyalität auf lange Sicht für sich gewinnen. Schon jetzt gibt es eine große Anzahl von Apple Pay-Nutzern, die die neue Kreditkarte nur zu gern benutzen würden. Um Nutzer der Apple Card anzuziehen, müsste das Unternehmen also nicht mal in Marketing investieren. Darüber hinaus wirbt Apple zwar mit Kundenfreundlichkeit und keinen Gebühren, tatsächlich wird im Kleingedruckten jedoch deutlich, dass es sehr wohl auch Überziehungszinsen gibt, die in einer Range von 13,24 bis 24,24 Prozent pro Jahr liegen. Auch Händler müssen, wie bei anderen Kreditkarten auch, eine Gebühr an die Kartenbetreiber entrichten. Dass Apple mithilfe seiner Karte kein Gewinn erwirtschaften kann, ist demnach nicht korrekt. Trotzdem liegt der wahre Wert des Angebots in der Kundenbindung, erklärt Carolina Milanesi von der Analysefirma Creative Strategies.

Verbraucherfinanzierung neue Option

Ismail erklärte des Weiteren, dass Goldman Sachs im Vergleich zu anderen Banken weitaus flexibler wäre, was die Verbraucherfinanzierung anginge, da die Bank diesen Bereich ganz neu anbiete und deshalb schon jetzt die modernste Technologie einsetze. Andere Banken hingegen würden derzeit viel Zeit damit verbringen, ihre veralteten Systeme für das digitale Zeitalter fit zu machen. Es ist die erste Kreditkarte für Verbraucher, die Goldman Sachs je herausgegeben hat. Auch aus diesem Grund sei es der Bank möglich gewesen, etwas "Mutiges und Innovatives" auf den Markt zu bringen, wie es auf der Apple-Webseite heißt.

Wie CNBC berichtete, erwartet die US-Investmentbank mithilfe des Kreditkartengeschäfts circa 21 Millionen Kunden zu gewinnen. Ob das Projekt von Apple und Goldman Sachs zu einem Erfolg wird, wird sich zeigen, wenn die Kreditkarte in den USA erstmal verfügbar wird. Wann der Start in anderen Ländern, wie beispielsweise Deutschland folgt, bleibt abzuwarten.

Ausland
[finanzen.net] · 12.06.2019 · 14:09 Uhr
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