Globale Verhandlungen in Genf: Ein Abkommen gegen die Plastikvermüllung rückt näher
Plastikpartikel haben längst die entlegensten Winkel unserer Erde und sogar menschliche Körper erobert. Jüngste Studien aus den USA offenbaren, dass sich Mikro- und Nanoplastik in entscheidenden Organen wie Gehirn und Leber von Verstorbenen häuft – bemerkenswert mehr als noch im Jahr 2016. Nun trifft sich in Genf eine Versammlung aus mehr als 160 Ländern, um bis zum 14. August ein international gültiges Abkommen zu formulieren, das dem wachsenden Problem der Plastikverschmutzung entgegenwirken soll.
In der Vorreiterrolle sieht sich die EU, die bereits mit dem Verbot von Einweg-Plastik wie Strohhalmen und Besteck viele wegweisende Schritte unternommen hat. Dass jedoch global ein ähnlich rigoroses Niveau erreicht wird, bleibt fraglich. Gleichwohl betont Moritz Jäger-Roschko von Greenpeace die Relevanz eines solchen Abkommens für Europa: Mikroplastik kennt keine Grenzen und verteilt sich über Ozeane und Luftströme weltweit. Zudem stammt ein Großteil der in Europa genutzten Kunststoffprodukte aus Nicht-EU-Ländern, wo die Hersteller sich nicht zwangsläufig an europäische Regelungen halten. Hinzu kommt Deutschlands Rolle als führender Plastikmüllexporteur innerhalb Europas.
Die Problematik des Plastikabfalls ist vielschichtig. Laut dem UN-Umweltprogramm wurden im letzten Jahr weltweit 500 Millionen Tonnen Plastik konsumiert, ein rasanter Anstieg im Vergleich zu vor 25 Jahren. Erschreckend daran: Rund 400 Millionen Tonnen davon enden schnell im Abfall. Wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, droht sich die Menge bis 2060 zu verdreifachen, wobei ein beachtlicher Anteil des Plastikmülls in Gewässern von alltäglichen Produkten wie Plastiktüten und -flaschen herrührt.
Mikro- und Nanopartikel gelangen über Nahrung, Wasser und Luft in den menschlichen Organismus und wurden sogar in den Arterien nachgewiesen, wie Professor Stefan Krause von der Universität Birmingham anmerkt. Besorgniserregend ist, dass sie bereits im Mutterleib auf das ungeborene Kind einwirken. Die chemischen Additive, die dabei freigesetzt werden können, bergen gesundheitliche Risiken, darunter endokrine Störungen und potenzielle Krebserkrankungen.
Das angestrebte globale Abkommen zielt darauf ab, den gesamten Lebenszyklus von Plastik zu regulieren – von der Produktion bis zur umweltfreundlichen Entsorgung. Besonders umstritten ist, ob festgelegte Zielvorgaben oder konkrete, verbindliche Maßnahmen im Mittelpunkt stehen sollen. Ebenso gerät die finanzielle Verantwortlichkeit für Infrastrukturmaßnahmen in finanzschwächeren Regionen ins Visier: Sollen Staaten, Hersteller oder beide gemeinsam diese Last tragen?
Obwohl mehr als 100 Länder, darunter viele aus Europa, Asien und Afrika, für ein starkes Abkommen plädieren, stellt sich einflussreiche Kritik von Ölproduzenten wie dem Iran und Saudi-Arabien quer. Diese bestehen darauf, sich primär auf Müllbeseitigung und Recycling zu konzentrieren. Die USA und China als größte Plastikproduzenten sind ebenfalls maßgebliche Akteure in den Verhandlungen, wobei sich die USA zu Zeiten der Trump-Regierung aus Regulierungsdialogen zurückgezogen haben.
Sollten die Delegationen zu einer Einigung gelangen, würde im kommenden Jahr eine diplomatische Konferenz zur formellen Unterzeichnung stattfinden, doch die abschließende Ratifizierung könnte Jahre in Anspruch nehmen. Deutschland ist aktiv in den Verhandlungen vertreten und teilt die EU-Position, um einen bedeutenden Fortschritt im globalen Kampf gegen die Plastikverschmutzung zu erzielen.

