Gewaltiger Felssturz tötet Vater und Tochter

26. Januar 2010, 16:31 Uhr · Quelle: dpa
Stein a.d. Traun (dpa) - Ein gewaltiger Felssturz hat in Stein im oberbayerischen Landkreis Traunstein das Wohnhaus einer vierköpfigen Familie dem Erdboden gleichgemacht. Unter den mehr als tausend Tonnen schweren Geröllmassen starben der Familienvater und die 18-jährige Tochter.

Die Mutter und der 16 Jahre alte Sohn überlebten das verheerende Unglück vom Montagabend schwer verletzt. Die Ermittlungen zur Ursache laufen auf Hochtouren. Felsbrocken, der wuchtigste so groß wie ein Autobus, türmten sich auf dem Anwesen. Von dem etwa hundert Jahre alten Haus, das direkt in den Fels hineingebaut war, ist nur Schutt übrig.

Am Unglücksort kursierten Vermutungen, der Felsabsturz könne mit dem winterlichen Wetter zu tun haben. Es seien schon früher immer wieder Steine aus der porösen Wand herausgebrochen. Dies bestätigte der Geologe beim Landesamt für Umwelt, Andreas von Poschinger, zunächst nicht. Risse wie sie an dem Felsabbruch zu sehen sind, seien bei dieser Gesteinsart durchaus üblich. Der Fels war einmal im Jahr von Geologen auf mögliche Gefahren untersucht worden.

Franz Parzinger, Bürgermeister der Stadt Traunreut, zu der Stein an der Traun gehört, sagte: «Die Familie hat alles verloren, was man sich vorstellen kann.» Es sei ein Spendenkonto eingerichtet worden. Die schwer verletzte Mutter und ihr Sohn werden wahrscheinlich wieder ganz gesund. Beide hätten Knochenbrüche, Weichteilverletzungen und Verletzungen an der Wirbelsäule erlitten, die jedoch günstig zu beurteilen seien, sagte Professor Rupert Ketterl, ärztlicher Direktor des Klinikums Traunstein. Beide seien noch in der Nacht operiert worden.

Bis zu 335 Einsatzkräfte waren bis zum frühen Morgen mit der Bergung beschäftigt. Als letzte wurde gegen 2.09 Uhr morgens die 40 Jahre alte Mutter mit schweren Verletzungen aus den Trümmern gezogen. Die Frau und der Sohn wurden ins Klinikum Traunstein gebracht, beide sind außer Lebensgefahr. Zuvor waren der 45-jährige Familienvater und seine Tochter, die eine Abiturklasse des örtlichen Gymnasiums besuchte, tot geborgen worden. «Vermutlich waren beide sofort tot», sagte Polizeisprecher Franz Sommerauer am Dienstag.

Die beiden anderen Verschütteten hatten sich durch Klopfgeräusche bemerkbar gemacht und auf Fragen der Retter reagiert. «Alle vier Verschütteten hielten sich zum Zeitpunkt des Unglücks in einem Wohnraum auf», sagte Sommerauer. Die beiden Überlebenden hätten sich in einem Hohlraum befunden.

Gegen 19.45 Uhr waren die Gesteinsmassen ins Rutschen geraten. Sie habe Schleifgeräusche gehört, sagte eine Frau, die mit ihrem Bruder und ihrer Schwägerin zwei Häuser weiter wohnt und die Nacht aus Sicherheitsgründen bei Verwandten verbringen musste. Am Morgen konnten die Bewohner in ihr Haus zurückkehren. Auch der Betrieb der Schlossbrauerei Stein neben dem Unglückshaus lief normal.

Ein Autofahrer, der Zeuge des Unglücks geworden war, hatte um 19.53 Uhr die Polizei alarmiert. «Es war ein brutales Bild. Wir wussten nicht: Wo fangen wir an», schildert Kreisbrandrat Johann Gnadel am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Bei Minusgraden und Scheinwerferlicht versuchten die Helfer von Polizei, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Rotem Kreuz, an die verschüttete Familie heranzukommen. Schweres Gerät konnte nicht eingesetzt werden. «Die Helfer mussten mit bloßen Händen graben», sagte Sommerauer. Allenfalls konnten sie Schaufeln zu Hilfe nehmen. Die Rettungsversuche gestalteten sich extrem schwierig, weil der Hang über dem Haus weiter abzurutschen drohte. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kam nach Stein, um sich über den Stand der Dinge zu informieren.

Der Geologe Poschinger sagte, bei dem abgebrochenen Gestein handele es sich um etwa 200 000 Jahre alte eiszeitliche Ablagerungen namens Nagelfluh. Zur Ursache des Gesteinsabsturzes sagte der Geologe, die Untersuchungen würden längere Zeit dauern. Mehrere tonnenschwere Brocken seien auf das Einfamilienhaus gefallen. Schon einer der kleineren Brocken wiege geschätzte 250 Tonnen.

Notfälle
26.01.2010 · 16:31 Uhr
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