Gerresheimer unter BaFin-Prüfung: Die Herausforderungen für den Verpackungsspezialisten
Der Verpackungshersteller Gerresheimer sieht sich mit einer Prüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) konfrontiert. Die Finanzaufsicht untersucht den Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2023/24 und den Lagebericht, nachdem Hinweise auf Verstöße gegen Rechnungslegungsvorschriften aufkamen. Gerresheimer hat versichert, mit der BaFin kooperieren zu wollen, obwohl das Unternehmen von der Korrektheit seiner Bilanz überzeugt ist.
An der Börse sorgten die Entwicklungen für einen dramatischen Kursverfall. Die Aktien von Gerresheimer verloren zunächst über ein Drittel ihres Wertes, bevor sie sich leicht erholten und zuletzt um etwa 15 Prozent im Minus standen. Seit Jahresbeginn büßte das Unternehmen fast die Hälfte seines Wertes ein.
Im Zentrum der Untersuchung stehen "Bill-and-Hold"-Vereinbarungen mit Kunden im letzten Drittel des vergangenen Geschäftsjahres. Gerresheimer ist der Ansicht, dass die dafür erzielten Umsätze richtigerweise bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr erfasst wurden.
Experten der britischen Investmentbank Barclays sehen zwar einen Imageverlust, erwarten jedoch eine potenzielle Kurserholung. Die Prüfung betreffe weniger als fünf Prozent des Umsatzes und des Gewinns des Unternehmens.
Zusätzlich scheint sich die Nachfrage im Kosmetiksegment abzuschwächen, was Gerresheimer bereits zu zwei Anpassungen der Jahresprognose veranlasste. Finanzinvestoren hatten ihre Übernahmepläne zurückgezogen, als diese nicht im besten Interesse von Gerresheimer und seinen Aktionären betrachtet wurden.
Um seinen Fokus zu schärfen, hat Gerresheimer den Verkauf des Behälterglas-Geschäfts geplant, um sich stärker auf die Pharma- und Biotechbranche zu konzentrieren. Der neue Finanzchef Wolf Lehmann, der im August Bernd Metzner ersetzte, setzte bereits erste Impulse und verschob einen Kapitalmarkttag. Analysten fordern nun eine klar definierte, langfristige Strategie.

