Generationswechsel bei Berkshire: Buffett übergibt CEO-Posten an Greg Abel – bleibt aber strategischer Kopf
Warren Buffett zieht sich zum Jahresende aus dem operativen Geschäft von Berkshire Hathaway zurück. Der 94-jährige Investmentveteran kündigte beim diesjährigen Aktionärstreffen überraschend an, Greg Abel werde zum 1. Januar 2026 die Rolle des CEO übernehmen. Buffett bleibt Chairman des Verwaltungsrats – ein klarer Schnitt, aber kein vollständiger Abschied.
Der Entschluss habe sich schleichend entwickelt, sagte Buffett in einem Interview mit dem Wall Street Journal. Es sei keine plötzliche Eingebung gewesen, sondern die Erkenntnis über einen spürbaren Unterschied im Arbeitstempo. „Er konnte in zehn Stunden einfach viel mehr bewegen als ich“, so Buffett. „Irgendwann war es schlicht unfair, Greg nicht den Vortritt zu lassen.“
Abel, 62, kam 1999 mit der Übernahme von MidAmerican Energy zu Berkshire und machte rasch Karriere. Seit 2018 ist er Vizepräsident und verantwortet alle Nicht-Versicherungssparten. Bereits 2021 hatte Buffett ihn intern als seinen Nachfolger benannt – eine seltene öffentliche Nachfolgeregelung für ein Unternehmen dieser Größenordnung. Abel sei nicht nur ein starker Manager, sondern auch ein überlegter Kapitalallokateur, so Buffett. „Wirklich große Talente sind extrem rar.“
Buffett hatte Berkshire 1965 im Alter von 34 übernommen und aus einer kriselnden Textilfirma ein globales Konglomerat mit rund 400.000 Mitarbeitern aufgebaut. Heute reicht die Bandbreite von Versicherern über Eisenbahnen und Energiekonzerne bis hin zu Apple-Aktien und Fast-Food-Ketten. Der Übergang zur Abel-Ära markiert daher auch den Beginn eines neuen Führungsmodells: weniger personenzentriert, stärker auf operative Exzellenz ausgelegt.
Trotz seines Rückzugs aus der Geschäftsführung will Buffett weiterhin täglich ins Büro kommen. Er betont, dass seine Entscheidungskraft ungebrochen sei – vor allem in Stresssituationen. „Wenn die Märkte durchdrehen, bleibe ich ruhig. Das war immer meine Stärke, und das bleibt sie.“ Genau dieses Urteilsvermögen erkenne er auch bei Abel, der nicht nur verwaltet, sondern investiert, sagte Buffett mit Blick auf Berkshire’s hohe Cash-Reserven.
Dass der Wechsel nun kommt, überrascht Beobachter insofern, als viele Buffett bis zum Lebensende an der Spitze erwartet hatten. Doch selbst für eine Investorenlegende gilt: Irgendwann meldet sich das Alter. „Ich bin nicht mehr der Jüngste – aber immer noch nützlich“, so Buffett. „Nur eben nicht mehr als CEO.“

